Bachelorstudentin Anna berichtet aus ihrem Praktikum bei der Fachstelle für Prävention von sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen in Berlin.

Mein Auslandspraktikum startete super! Bereits in meiner ersten Woche hatte ich die Möglichkeit, bei einem Präventionsworkshop dabei zu sein. Die Workshops sind ein zentraler Teil des Präventionsprogrammes zum Thema sexualisierte Gewalt und richten sich an Grundschulklassen. Angeleitete Rollenspiele, welche die Kinder sensibilisieren und empowern sollten, stehen dabei in Zentrum.

Da ich bisher noch nicht mit Kindern im Grundschulalter gearbeitet habe, hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet und war sehr gespannt.

Bereits nach meinem ersten Workshop wurde mir bewusst, wie präsent die Kinder waren und wie gross das Interesse an den Themen ist. Viele Kinder beteiligten sich aktiv an den Rollenspielen und teilten viele ihrer Gedanken mit. Ich empfand die Stimmung während des gesamten Workshops sehr aufmerksam und offen.

In Anschluss an die Workshops findet jeweils die Kindersprechstunde statt. Die Sprechstunde kann von den Kindern als offenes Beratungsangebot genutzt werden. Ich kann mich noch sehr gut an die erste Kindersprechstunde erinnern, bei welcher ich mit dabei war. Während ein Kind über das gespielte Rollenspiel sprechen wollte, hat ein anderes Kind von seinen Hobbies erzählt und dann gab es auch die Kinder, die von Gewalterfahrungen berichten. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass die Kindersprechstunden sehr herausfordernd sind. Wir wissen nie, was die Kinder uns erzählen werden und müssen auf vieles gefasst sein.

…nun ist alles pausiert und zum Stillstand gekommen. Die Grundschulen sind geschlossen und die Kinder müssen zu Hause bleiben. Was passiert mit den bereits bekannten Kinderschutzfällen? Wie viele Kindern werden in dieser Ausnahmesituation wohl Gewalt zu Hause erleben? Ich sitze zu Hause in meinem mehr oder weniger gemütlichen Homeoffice und erarbeite Themen im Selbststudium. Aber diese Fragen beschäftigen mich und lassen sich nicht verdrängen.