Nadine Dinkelacker berichtet von ihrem Austauschsemester in Kopenhagen.

Bald ist mein Semester hier in Kopenhagen zu Ende. Nebst vielen bereichernden Menschen, Vorlesungen, Ausflügen, Festen und Erlebnissen, nehme ich vor allem die Erkenntnis mit, dass Soziale Arbeit viel breiter und vielfältiger ist, als ich das noch im letzten Sommer geglaubt habe.

Blick auf die Dächer von Kopenhagen. Am blauen Himmel stehen nur ein paar wenige Wolken.

Es mag daran liegen, dass Dänemark ein unwahrscheinlich fortschrittliches und weltoffenes Land ist mit einem ausgeklügelten Sozialsystem. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Zusammenleben in den dunklen Tagen eine höhere Bedeutung hat als bei uns im «Süden». SWUA (Social Work in Urban Areas) hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass wir als SozialarbeiterInnen eine Verantwortung für die Gesellschaft tragen, wie wichtig die Auseinandersetzung mit zukunftsprägenden Themen wie Superdiversity ist und dass es unsere Aufgabe ist, uns für mehr Toleranz und Akzeptanz einzusetzen. Dass «den Menschen helfen» nicht immer nur im direkten Klientenkontakt stattfindet, sondern auch dadurch, dass wir aufdecken, kundtun und Änderungen anstossen.

“Consequently, we often see the policies of yesterday being applied to the superdiverse cities of tomorrow.“
Dirk Geldof, Superdiversity in the heart of Europe, 2016.

Einen Schritt weiter zu denken und dies am besten in Zusammenarbeit mit all denen, die für unser Wohlergehen verantwortlich sind, zählt zu unseren Aufgaben als SozialarbeiterInnen. Mit PolitikerInnen, die unsere Gesetze machen, mit ArchitektInnen, die unseren Sozialraum planen, mit Lehrpersonen, die Leistung fordern und schliesslich mit der Gesellschaft, angefangen bei unserem persönlichen Umfeld, da jeder Einzelne einen Beitrag zu einer progressiveren und toleranteren Gesellschaft leisten kann und der erste Schritt dazu im Umdenken liegt. Gedanken wie diese, die über das klassische Setting der Sozialen Arbeit hinausgehen charakterisieren die Soziale Arbeit in Kopenhagen und haben grossen Eindruck bei mir hinterlassen.

Dies alles mag weltverbessernd und wunschdenkend klingen. Doch nach meiner Zeit in Dänemark und der intensiven Auseinandersetzung mit «Social Work in Urban Areas» weiss ich, dass ich dieses Übernehmen einer Anwaltschaft für alle die, deren Stimme nicht gehört wird, als zentrale Aufgabe für mich als Sozialarbeiterin sehe.