Priska Dabowska berichtet aus ihrem Austauschsemester in Warschau.

Ein Mitstudierender aus Berlin findet: Die Frauen in Polen sind noch Frauen! Sie ziehen sich weiblich an und machen sich sehr weiblich zurecht, nicht so wie in Berlin, wo viele Frauen, seiner Meinung nach, sehr androgyn sind. Die Frauen in Berlin kann und will ich nicht beurteilen, doch ich achte mich nun darauf ob die Polinnen wirklich so viel weiblicher sind.

Mir fällt auf, dass nicht nur sehr viele Frauen, sondern auch die Männer auf ihr Äusseres achten und gerne gut angezogen sind. Auch auf dem Unicampus habe ich Studierende in Anzügen getroffen. Augenfälliger jedoch ist, dass viele Frauen Highheels tragen, auch wenn sie darin gehen wie Störche. Was sie dann eher wieder weniger weiblich erscheinen lässt, denn ein Storch hat für mich nichts Weibliches an sich.

Dann gibt es noch etwas, das mir an den Frauen in Warschau auffällt: Die aufgespritzten Lippen und falschen Wimpern! So eine Dichte an aufgespritzten Lippen ist mir selten begegnet. Das Aufspritzen der Lippen wird einem hier auch an jeder Ecke für kein Geld angeboten. Woher die falschen Wimpern kommen ist mir ein Rätsel. Habe ich da einen Trend verschlafen?

Noch etwas anderes wird mir bewusst: die Menschen in Warschau lachen sehr wenig. Selten schenkt man einander ein Lächeln, noch seltener schaut man sich direkt an. Nicht dass wir in Zürich sehr offen und freundlich sind, doch der Blickkontakt ist vorhanden und ab und an kriegt man in Zürich auch ein freundliches Lächeln geschenkt. Das passiert einem auch in Warschau, aber sehr viel seltener. Eher trifft man auf aufgespritzte Lippen, die ein Lächeln wohl unmöglich machen, oder sind die permanent am lächeln?

Und dann ist da noch die Sache mit dem Anstehen! Egal ob im Supermarkt, beim Bäcker oder in der Post, wenn du dich nicht unmittelbar hinter die letzte Person stellst, verlierst du deinen Platz in der Reihe. Das Verständnis von Nähe und Distanz mit fremden Menschen ist hier sehr viel enger als in der Schweiz. Unangenehm nahe muss ich fremden Menschen kommen um meinen Platz in der Warteschlange zu behalten. Das ist wohl ein Überbleibsel vom Kommunismus.