Corinne berichtet von ihrem Auslandsemester in Oulu, Finnland.

An der Oulu University of Applied Sciences habe ich viele Kurse zusammen mit Studierenden aus anderen sozialen Disziplinen. Deshalb erweitert sich mein Fachwissen auch in anderen Bereichen. Beispielsweise besuchte ich den Kurs «Ergonomic Patient Handling». Wir lernten, wie man Patienten sicher in ihrer Mobilität unterstützen kann, zum Beispiel der Transfer vom Rollstuhl zum Bett. Der Kurs fand vor Ort statt und wir übten miteinander die Bewegungsabläufe.

Oulu University of Applied Sciences

Für ein Modul soll ich eine Arbeit schreiben, in der ich einen Unterschied in der Sozialen Arbeit zwischen der Schweiz und Finnland herausarbeite. Im letzten Semester habe ich erfahren, dass Finnland sehr gut in den PISA Tests abschneidet und bezüglich Chancengerechtigkeit ein Vorbild ist.

Ich wollte die Ursachen herausfinden und verglich das Schweizer mit dem Finnischen Bildungssystem. Der finnische Traum ist eine Schule für alle Kinder. Besonders interessant finde ich, dass alle Kinder, ungeachtet deren sozialen Herkunft oder Begabung, neun Jahre lang die gleiche Schule (finnischer Begriff peruskoulu) besuchen. Erst danach können sie eine weiterführende Schule absolvieren oder in die Arbeitswelt eintreten. So haben die Kinder Zeit, ihre Startvoraussetzungen vom Elternhaus auszugleichen. Ausserdem haben alle Lehrer einen Masterabschluss und ihr Beruf wird in Finnland mit Prestige verbunden. Ein solches System wäre meiner Meinung nach auch in der Schweiz ein erstrebenswertes Ziel um die Chancen von benachteiligten Kindern zu erhöhen.

Ein weiterer Unterschied zur Schweiz sehe ich im finnischen Sozialsystem. Während es in der Schweiz viele verschiedene Sozialversicherungen gibt, die alle ihre eigene Organisation und Webseite haben, wird in Finnland alles über die Versicherung KELA geregelt.

Studierende, Menschen mit Behinderung oder Arbeitslose beispielsweise finden hier Hilfe. Aus diesem Grund hat man in Finnland nicht die Problematik, dass man von Sozialversicherung zu Sozialversicherung weitergeschoben wird. Ausserdem haben die Finnen einen längeren Elternurlaub und erhalten bei der Geburt ihres Kindes ein sogenanntes Mutterschaftspaket, welches die Babyausstattung für das erste Lebensjahr enthält.

Es bleibt zu hoffen, dass sich das Schweizer Bildungs- und Sozialsystem auch in den nächsten Jahren in eine solche Richtung bewegt.