Konstantin Kehl berichtet von seinem Aufenthalt in Wien, während dessen er einen Beitrag zu einer internationalen Wissenschaftskonferenz im Bereich Alter und Pflege geleistet, Gespräche mit österreichischen Kolleginnen und Kollegen geführt und sich mit unserer Partnerhochschule FH Campus über Lehr- und Forschungsthemen ausgetauscht hat.

Das Dach der von Zaha Hadid entworfenen WU-Bibliothek von der Seite aus betrachtet; mit einem weiteren Hochschulgebäude des Architekten Peter Cook in Pop-Art-Manier sowie dem Praterturm im Hintergrund (der bis vor wenigen Jahren als das höchste Kettenkarussell der Welt galt).

Wien ist immer eine Reise wert.

Ich persönlich verbinde mit Wien vor allem den Campus der Wirtschaftsuniversität (WU). Seit vielen Jahren pflege ich eine Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen des NPO-Kompetenzzentrums an der WU; eine Institution, die sich der praxisnahen Forschung und Bildungsangeboten im Bereich Non-Profit-Organisationen (NPO) widmet. Erst kürzlich haben wir gemeinsam ein Buch zum Thema Wirkungsanalyse veröffentlicht. Es ist gewissermassen die «Essenz» unseres mehrjährigen Austausches, für den ich regelmässig zu Gast an der WU sein durfte.

Die WU ist eine Campus-Hochschule. Ähnlich, wie wir es vom Toni Areal kennen, aber doch ganz anders. Nachdem die WU drei Jahrzehnte lang in einem nicht sonderlich attraktiven 80er-Jahre-Bau der Sorte «Ineinandergeschobene Schuhkartons aus Glas» Unterschlupf fand, war ihr vor fünf Jahren der Umzug auf einen neu gebauten Campus vergönnt. Dieser liegt auf dem alten Weltausstellungsgelände unweit des bekannten Vergnügungsparks Prater und ist ein «Must See» für Freunde der modernen Architektur. Zahlreiche Stararchitekten haben sich hier verewigt. Schlendert man über das Gelände, bietet sich einem eine – um im Wiener Kaffeehaus-Jargon zu bleiben – Melange unterschiedlichster Baustile und Perspektiven.

Das touristische Highlight – oder die «Sahnehaube» auf der Melange – markiert die Bibliothek der preisgekrönten britischen Architektin Zaha Hadid (siehe Bild oben), deren begehbares Dach schräg über den zentralen Platz des Campus ragt (hier befinden sich Lern- und Arbeitsplätze für Studierende). Durch seine Verglasung weckt es von vorne gesehen Assoziationen an einen in die Jahre gekommenen Bildröhren-Monitor. Innen hat man angesichts einer gewissen Raumschiff-Enterprise-Optik das Gefühl, dass jeden Moment Mr. Spock um die Ecke schlendert. Schick oder nicht schick, das ist bei moderner Architektur bekanntlich zweitrangig.

Jedes Mal, wenn ich in Wien bin, resümiere ich, dass der Austausch zwischen den beiden Alpenländern und ihren bevölkerungsreichsten Städten auf Hochschulebene ausserordentlich wertvoll ist. Es gibt politisch, landschaftlich und kulturell Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede, die ich spannend zu erkunden finde. So kommt einem aus Zürcher Perspektive nicht nur das Bergpanorama am Horizont vertraut vor, sondern beispielsweise die Tatsache, dass Wienerinnen und Wiener innerhalb Österreichs nicht bedingungslos geliebt und verehrt werden (das soll mitunter auch auf das Verhältnis von Zürich zum Rest der Schweiz zutreffen). Umgekehrt habe ich in sprachlicher und kulinarischer Hinsicht immer den Eindruck, dass die Nähe zu Bayern Spuren hinterlässt, was man von Zürich wiederum nicht behaupten kann.