Bachelorstudentin Anna berichtet aus ihrem Praktikum bei der Fachstelle für Prävention von sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen in Berlin.

Der Stillstand und das Homeoffice lösten in mir widersprüchliche Gefühle aus. Zum einen war ich froh, mehr Freizeit zu haben und zum anderen hat es mich negativ gestimmt, nicht praktisch arbeiten zu können. Es hat sich irgendwie unfair angefühlt, dass ich zu Hause sitze und die Zeit für mich nutze und mich weiterbilde, währenddessen ein grosser Teil der Gesellschaft hart arbeitet, weiterhin auf Unterstützung angewiesen ist und durch den Lockdown im Stich gelassen wurde.

Durch eine Studienfreundin, die in einem Familienzentrum mitten in Kreuzberg arbeitet, habe ich erfahren, dass sie unterstützende Hände brauchen. Schutzmasken-Nähen war angesagt! Drei Wochen lang haben wir aus alten Bettbezügen hunderte von Schutzmasken genäht, welche an Sozialarbeiterinnen und Adressatinnen, die nicht im Homeoffice arbeiten konnten, verteilt wurden. Ich war froh, dass mein Tatendrang Anklang fand und ich dadurch nicht nur Menschen unterstütze, sondern ich auch eine neue Institution kennenlernte. Durch mein Mitwirken während dieser Zeit ist mir bewusst geworden, wie wichtig die Vernetzung und die Kooperation in der Sozialen Arbeit ist.

Relativ schnell haben wir bei Strohhalm e.V. viele Onlineangebote kreiert und ich war ziemlich eingebunden in die virtuelle Beratungswelt. Die Nachfrage an Onlineberatungen und Webinaren zum Thema sexualisierte Gewalt an Kindern war gross, da die Lockdown-Zeit wohl für alle Fachkräfte und Kinder eine intensive Zeit war und noch immer ist. Nun kehrt langsam wieder Normalität ein und wir versuchen stetig die Krise als Chance anzunehmen und die neuen Angebote weiter auszubauen.