Patrizia Rudoni, Bachelorstudentin, berichtet von ihrem Praktikum in Ecuador.

Während fünf Monaten absolviere ich ein Praktikum in der Fundación «Minadores de Sueños» (Randständige mit Träumen) in Quito, Ecuador. Diese Fundación bietet täglich 70 Kindern und Jugendlichen Aufgabenhilfe, Freizeitgestaltung, Mittagstisch und Familienbegleitung.

Kinder auf einer Schaukel auf einem Spielplatz in Ecuador.

Die Fundación liegt im Barrio «Rancho los Pinos» im Süden der Stadt auf einem Hügel. Hier leben sehr arme Familien. Die meisten bekommen schon in sehr jungem Alter Kinder und viele Mütter sind alleinerziehend. Die Eltern haben selten einen Schulabschluss, sind gar Analphabeten und arbeiten zu geringem Lohn. Dadurch fehlt ihnen die Zeit und das nötige Wissen, um ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Deshalb ist die Aufgabenhilfe der Fundación enorm wichtig, um den Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Kinder aus Ecuador sitzen im Tagesheim am Tisch und essen und trinken etwas.

Die Kinder werden wie kleine Erwachsene behandelt. Sie sind auf sich selbst gestellt, verbringen viel Zeit alleine zu Hause oder auf den Strassen und müssen schon in sehr jungem Alter Verantwortung für sich und ihre Geschwister übernehmen. Oft bekommen sie kein gesundes Essen, waschen sich tagelang nicht und putzen sich die Zähne nicht. Die Erziehungsmethoden sind hier sehr autoritär und streng. Züchtigungen mit Gürteln, Kabeln und anderen Gegenständen gehören für die Kinder zum Alltag. Auch wenn mir die autoritäre Erziehung wiederspricht, ist es nötig, eine gewisse Strenge an den Tag zu legen, um sich bei der Arbeit durchzusetzen, da sich die Kinder von zu Hause ganz anderes gewöhnt sind.

Viele der Familien der Kinder des Projektes sind «Indigena-Familien». Sie leben eine ganz eigene Kultur, welche für mich zum Teil schwierig nachzuvollziehen ist. Die Familienstrukturen sind patriarchalisch geprägt. Frauen und Mädchen werden minderwertig behandelt und Alkoholmissbrauch ist einer der Faktoren, welcher diese Umstände verstärkt. Schulabbrüche im Jugendalter sind normal. Die Jungen gehen arbeiten, die Mädchen heiraten und bekommen Kinder. So wiederholt sich das Generation für Generation.

Zwei Buben und ein Mädchen stehen vor einem Zaun im Tagesheim in Quito, Ecuador und putzen sich draussen die Zähne.

Diese Umstände machen die Arbeit der Fundación umso wichtiger, um den Kindern eine schulische Zukunft zu ermöglichen, ihnen ein Verständnis für Ernährung und Hygiene zu vermitteln und ihnen einen Raum zu bieten, in welchem sie einfach einmal Kind sein können.

Auf die folgenden Monate, in welchen ich im Barrio «Rancho los Pinos» leben und arbeiten werde, freue ich mich sehr und bin auf die vielen neuen Begegnungen, Erfahrungen und Erkenntnisse gespannt.

Landschaft in Quito, Ecuador.