Bina Taverna, Bachelorstudentin, berichtet von ihrem Praktikum bei einem Social Circus in Stellenbosch, Südafrika.

Kurz nachdem ich mein Auslandpraktikum startete, fragte mich mein Chef, ob ich mit ihm in einem Township ein Zirkusprojekt starten wolle. Das Wort «Township» hat in Südafrika dieselbe Bedeutung wie Slum, Ghetto oder Favela. Ich war mir noch nicht sicher, was mich dort erwarten würde. Mit all unseren Hula Hoop-Reifen und Jonglierbällen im Gepäck fuhren wir durch die Strassen des Townships.

Unzählige kleine Wellblechhütten reihten sich dicht aneinander. Bunte Wäscheleinen dekorierten die Strassen und neben Abfallhaufen waren überall spielende Kinder zu sehen.

Zu Fuss wäre es als weisse blonde Frau zu gefährlich, meinen die Einheimischen. Ich habe schon unzählige Geschichten von Raubüberfällen und Vergewaltigungen gehört, es scheint, als wollen mich die Südafrikaner vor meiner Naivität schützen. Vielleicht sind die Warnungen nicht einmal übertrieben, denn in Südafrika leben die Reichsten neben den Ärmsten der Welt und die Spuren der Apartheit sind noch stark zu spüren. Obwohl Schwarze mittlerweile die gleichen Rechte wie Weisse haben, gibt es immer noch grosse soziale Ungleichheiten, was zu Spannungen führt.

Als ich aus dem Auto stieg, war ich mir nicht sicher, ob ich meine Wertsachen besser auf mir tragen soll oder sie lieber im Auto abschliessen möchte. Doch kurz nachdem wir die Tore der Schule passiert haben, musste ich mich fast für meine Gedanken schämen. Wir wurden herzlich mit einer Umarmung von der temperamentvollen Schulleiterin begrüsst und viele grosse braune Kinderaugen musterten uns neugierig. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen als mein Chef meinte, ich solle alleine mit den über 30 Mädchen einen Hula Hoop-Workshop improvisieren. Einige verstanden wenige Brocken Englisch, aber die meisten sprachen nur Xhosa, doch mit universeller Körpersprache konnten wir uns verständigen. Die Mädchen waren unglaublich motiviert, neue Zirkus-Skills zu lernen und es gab einige überraschende Talente unter ihnen.

Der Tag im Township hat mich mit den vielen Eindrücken extrem viel Energie gekostet aber mich in meiner Arbeit bestärkt. Ich bin jetzt daran, Sponsoren für die Finanzierung für ein Zirkusprojekt mit 25 ausgewählten Kindern zu finden, damit das Projekt auch noch nach meinem Praktikum weiterläuft. Das Ziel ist es, den Kindern Raum für Kreativität zu geben und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich einer kindergerechten Tätigkeit zu widmen, denn Kriminalität, Drogenkonsum und Gewalt sind in Townships allgegenwärtig.