Bachelorstudentin Martina berichtet zum letzten Mal von ihrem Auslandpraktikum in Ghana.

Zu Beginn schien mir die Zeit so unbegrenzt hier in Ghana. Und nun sind noch 2 Wochen übrig von den unglaublichsten 5 Monaten meines Lebens!

Martina mit ein 5 Kindern an einem Strand

Im Grunde weiss ich gar nicht, wie ich diese Zeit und meine Erfahrungen überhaupt in Worte fassen kann, um auszudrücken, wie unglaublich wertvoll und bereichernd mein Aufenthalt in Ghana war. Es gab viele Momente der Glückseligkeit, Freude und Neugier. Aber auch Enttäuschung, Verzweiflung und Motivationslosigkeit haben einen wichtigen Teil zu meiner Erfahrung in Ghana beigetragen.

Es gab eine Zeit, in der ich mich fragte: «Macht es überhaupt einen Sinn, dass ich hier bin?» «Kann ich überhaupt irgendetwas bezwecken?». Ich habe die Kultur in Ghana inzwischen ziemlich gut kennen gelernt. Ich hatte jedoch Mühe, sie mit meinen Werten zu vereinen und fühlte mich eine Zeit lang ziemlich abgelehnt hier. Ich machte Erfahrungen damit, wie es ist, anders zu sein und anders behandelt zu werden: Die reiche Weisse kann man ja ruhig abzocken.

Des Weiteren hatte ich das Gefühl, im Praktikum irgendwie auch nicht wirklich viel bezwecken zu können. Die Mitarbeitenden fragten mich ständig nach Rat, neuen Ideen oder Änderungsvorschlägen, was ja grundsätzlich super ist. Sie schienen meine Antworten auch ernst zu nehmen und schätzten mein Wissen sehr. Doch etwas ändern? Wieso auch?

Die meisten Volunteers in Ghana, die ich kennengelernt habe, gingen in genau diesem Zeitpunkt nach Hause und waren ziemlich froh darüber. Da ich jedoch trotzdem noch etwa 2 Monate vor mir hatte, musste ich irgendwie einen Weg finden, damit umzugehen. Und genau diese Erfahrung war das Beste, das mir passieren konnte.

Es genügt definitiv nicht, eine Kultur nur zu kennen. In meinen Augen ist es wichtig, den Umgang mit der Kultur zu finden und ein vollumfängliches Verständnis für sie zu haben. Das kann wegen den unterschiedlichen Wertvorstellungen eine echte Herausforderung darstellen. Ich lernte – trotz unterschiedlichen Werten – einen Weg zu finden, um mit diesen teils rassistischen Konfrontationen umzugehen und fand auch einen Weg, im Praktikum meine Motivation wieder neu zu sammeln.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schaue ich nun auf die Zeit in Ghana zurück und kann es wirklich jedem nur wärmstens empfehlen, ein Auslandpraktikum in Betracht zu ziehen. Es wird alles andere als einfach sein, aber genau dies macht die Erfahrung aus. Und diese Erfahrung kann einem niemand mehr nehmen! 😊