Mariana Keller in Südtirol

Offenheit als Grundhaltung

Die Studentin Mariana berichtet über ihr Auslandpraktikum in Brixen.

Gefühlt betrat ich gerade vor kurzem zum ersten Mal das kunterbunte «Haus der Solidarität» in Brixen, Südtirol. Und nun naht schon mein letzter Arbeitstag. Gleich von Beginn an war ich von der Fülle von verschiedenen Menschen, Kulturen und Geschichten im Haus beeindruckt. Momentan leben über 60 Personen im Haus, die aus 19 verschiedenen Ländern kommen und verschiedenen Kulturen und Ethnien angehören. Sie alle wurden in ihrem Leben mit Problemen konfrontiert und kamen aus unterschiedlichsten Gründen als Gäste in dieses Haus. Ich habe schnell gemerkt, dass dies ein besonderer Ort ist, der offen gegenüber allen Menschen und ihren Lebenswelten ist.

Wenn Interessierte eine Führung im Haus machen, kommt meist früher oder später die Frage auf, ob es nicht zu Konflikten kommt, wenn Menschen mit so unterschiedlichen Glaubenssätzen zusammenleben. Natürlich gibt es manchmal kleinere Streitereien, dabei handelt es sich aber meist nur um «gewöhnliche WG-Probleme», wie zum Beispiel beim Putzplan. Ich denke, dieses harmonische Zusammenleben ist nur durch ein hohes Mass an Offenheit und Toleranz unter den Gästen möglich.

Diese Offenheit wird auch von der Hausleitung vorgelebt und hat mich immer wieder beeindruckt. In der Vergangenheit hatte ich manchmal Berührungsängste, wenn ich auf Menschen getroffen bin, welche sich leider am Rande unserer Gesellschaft befinden. Ich wusste nicht, wie ich auf sie zugehen sollte und habe es daher teilweise einfach gelassen. Hier konnte ich lernen, dass man einfach ganz „normal“ auf sie zugehen kann und dann meist auch viel von ihnen zurückkommt.

Anfang Dezember übernachtete ein junger Mann, mit offensichtlichen psychischen Problemen, mehrere Nächte als «blinder Passagier» bei uns im Haus. Nach einigen Abklärungen wurde klar, dass er schon längerer Zeit auf der Strasse lebte und abgesehen von einigen Ehrenamtlichen, keine Hilfe für ihn vorhanden war. So wurde er von uns umgehend aufgenommen und sozialarbeiterisch begleitet. Solche «schwierigeren Gäste» können Unruhe in die Hausgemeinschaft bringen und bedeuten mehr Arbeit für die Hausleitung, deren Ressourcen sowieso schon knapp sind. Doch für mich zeigt dieses Beispiel vor allem die Offenheit und auch Solidarität, für welche das Haus steht. Diese Offenheit ist für mich der grösste Punkt, den ich aus meinem Praktikum mitnehmen kann und ich bin sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Schlagwörter: Deutsche Beiträge, Europa

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