Bachelorstudentin Melanie berichtet von ihrem Auslandsemester in Hamburg.

Als ich am 1. März in Hamburg ankam, war es kalt und grau. Es regnete konstant und der Wind war nahezu gefährlich. Während der Welcome Week, der Erasmus-Willkommenswoche, sagte ein Hamburger Student: «Wenn du der Typ Mensch bist, der bei schlechtem Wetter nicht rausgeht, wirst du in Hamburg nicht rausgehen.» Diese Aussage motivierte uns alle sofort und niemand bereute es, diese Stadt gewählt zu haben.

Mittlerweile kennen wir die Stadt aber schon bei schönem Wetter. Am ersten schönen Tag verirrten wir uns sogar, da wir die Stadt so noch nicht kannten. Sie ist wirklich hübsch! Man findet überall grüne Flecken und Gewässer, und sie ist richtig bunt durch alle Graffitis und Sprayereien mit meist linkspolitischen Sprüchen.

Der Fussballverein St. Pauli, für den Hamburg bekannt ist, brilliert zwar nicht wirklich im Fussball spielen, er ist aber äusserst sympathisch und höchst beliebt. St. Pauli ist jedoch auch ein Stadtteil Hamburgs. Dort befinden sich tolle Läden, Cafés, Restaurants mit Kulinarischem aus der ganzen Welt, hippe Bars und Nachtclubs, alternative Kinos mit Soli-Preisen, Lesungen und täglichen Konzerten für jeden Geschmack. Auch die bekannte Reeperbahn befindet sich da, wobei diese sehr kommerziell und vom Tourismus geprägt ist. An der Reeperbahn gibt’s das «Thomas Read», eine Bar, in der sich alle Austauschstudierenden jeden Mittwochabend treffen. Allein von der HAW (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) sind es über 200 Austauschstudierende. Und wenn man zu ihnen gehört, kann man sogar zwei Bier zum Preis von einem kaufen.

Ganz hübsch und nennenswert ist an dieser Stelle auch der Stadtteil Sternschanze. Einerseits gibt’s da besetzte Häuser und eine grosse linkspolitische Szene, andererseits ist sie geprägt von der Gentrifizierung. Designershops und Boutiquen findet man dort also auch. Auch die Folgen der G20 Krawalle sind noch gut erkennbar. Einige Gebäude wurden total zerstört. Darunter war auch eine grosse Bank. Nun kommt dort eine neue Bank hin.

Die HAW hat ca. 20’000 Studierende. Die sind aber, wie bei der ZHAW, an verschiedenen Standorten. Der Campus der Sozialen Arbeit ist zentral gelegen im Stadtteil St. Georg, einem bekannten Schwulenviertel. Der Studiengang Soziale Arbeit hat ein sehr vielfältiges Angebot von Modulen. Ich lerne zurzeit die Gebärdensprache. Der Dozent, der dies unterrichtet, ist selbst gehörlos, was nicht immer einfach ist. Einerseits kann man anfangs nicht wirklich Fragen stellen, andererseits muss man als hörende Person die Stille aushalten können. Das Semester hier ist bereichernd – ich empfehle es von ganzem Herzen.