Dominique Spörri  berichtet von ihrem Auslandpraktikum in Brasilien.

Mein Leben hier in der Institution, zusammen mit den Jungs der Chácara Quatro Pinheiros ist geprägt von Hochs- und Tiefs. Es gibt Tagen, an denen ich es schaffe, die Jungs morgens zu motivieren mit mir Englisch zu üben, nachmittags in irgend einer Form kreativ zu sein und abends zu joggen oder Fussball zu spielen. An diesen Tagen falle ich um Mitternacht todmüde und glücklich ins Bett, um dann um 05:00 Uhr früh wieder von den streunenden Hunden oder dem krähenden Hahn geweckt zu werden.

Es gibt aber auch Tage, wo nichts zu machen ist. An diesen Tagen muss ich mich einfach treiben lassen, ganz nach dem brasilianischen Stil und dies geht so: Ich setzte mich zum Beispiel in den Garten mit ein paar Fäden Garn, Papier und Farbstifte. Ich beginne einfach mal irgendetwas zu malen oder Freundschaftsbänder zu knüpfen (ja genau, diese Freundschaftsbänder, die man in der Primarschule geknüpft hat ☺). Nach und nach kommen dann die Jungs angeschlichen und so schaffe ich es, sie in eine Aktivität zu involvieren.

Ich musste lernen, meine Ansprüche an die Jungs herunterzuschrauben. Viele, die hier leben, sind auf der Strasse gross geworden. Sie haben in ihrem jungen Leben bereits sehr viel erlebt. Sie genossen auf der Strasse grosse Freiheit, haben dafür aber einen hohen Preis bezahlt: Gewalt, Drogen, Hunger und den täglichen Kampf ums Überleben.

Das Highlight diesen Monat war der Ausflug an den Strand, den ich organisiert habe. Doch bei den Ausflügen dürfen nur jene Jungs teilnehmen, welche den ganzen Monat nie in der Schule gefehlt haben, keine Drogen konsumiert haben und einen respektvollen Umgang pflegen. Ich musste mein Wort halten und bin schlussendlich nur mit zwei von 29 Jungs an den Strand gefahren. Doch es hat sich gelohnt, wir verbrachten einen super Tag.

Austauschstudentin Dominique Spörri macht ein Selfie mit einem der Jungs aus dem Heim.

Diesen Monat besuchten wir zudem ein internationales Graffiti-Festival. Diese nehmen jeweils samstags am Workshop «Arte Urbano» teil. Dieser Workshop wird von Johnatan, einem ehemaligen Jungen aus der Chácara geleitet, der jetzt an der Universität Kunst studiert. Wir haben mit den Künstlern gesprochen und sie gebeten, den Jungs etwas über ihren Werdegang und ihre Kunst zu erzählen, sozusagen als Motivation und Inspiration. Das Graffiti-Festival hat den Jungs und auch mir sehr gut gefallen. 

Austauschstudentin Dominique schaut mit den brasilianischen Jungen einem Graffitikünstler zu.