Bachelorstudent Manuel berichtet von seinem Auslandsemester in Marseille.

Im Inserat meines WG-Zimmers, das ich vor meinem Aufenthalt in Marseille suchte, beschrieben sich meine späteren Mitbewohner als fussballbegeistert. In meiner Anfrage räumte ich auch meinerseits ein Interesse für den Ballsport ein und erhielt als Antwort: «Sag mir dein Lieblingsteam und ich sag dir, ob das Zimmer noch frei ist».

Natürlich war die richtige Antwort Olympique Marseille. Der Stadtklub hat eine grosse Bedeutung und Präsenz in der Hafenstadt, man sieht Jung und Alt mit Fussballtrikots herumlaufen. Zum Glück wusste ich um den Rückhalt des Vereins bereits im Vornherein und konnte mir so mein WG-Zimmer sichern. Das Thema Fussball hatte nicht nur in diesem Fall eine Schlüsselfunktion. Gerade beim Small Talk zum Knüpfen neuer Kontakt oder beim Kennenlernen der Kinder und Jugendlichen in den Praktika waren die Champions League-Resultate oder die (leider zahlreichen) Unentschieden und Niederlagen von OM ein Eisbrecher als Gesprächsthema.

Auch in meiner Freizeit konnte ich davon profitieren. In den ersten Wochen meines Auslandsemesters, als die Ausgangssperre noch um 19 Uhr war, verbrachten wir einige WG-Abende vor dem TV und tauschten uns zum Spielgeschehen aus. Selbst konnte ich mir die «Tschuttschuhe» auch mal schnüren und kam durch einen Mitarbeitenden eines Praktikums sogar zu drei Einsätzen für seinen Quartierverein. In diesen Momenten fühlte ich mich wirklich mittendrin und konnte sie richtig geniessen.

Das letzte Highlight vor meiner Abreise war dann noch die Europameisterschaft. In der sowieso schon fussballbegeisterten Stadt entstanden vor allen Bars mit Bildschirmen traubenförmige Menschenansammlungen, welche die Spiele emotional ausdrucksstark verfolgten. Der Abend schlechthin war schliesslich die einschneidende Partie zwischen der Schweiz und Frankreich. Als einziger Fan im rot-weissen Trikot unter Tausenden «Bleus» das Achtelfinale zu verfolgen, war schon speziell. Dass die Affiche dann aber noch dermassen aufwühlend, hochspannend und mit dem glücklicheren Ende für meine Farben ausging, hätte im Vornherein niemand geglaubt. Umso besser für mich, der ich dann meine Freude neben meinen den Tränen nahen Mitbewohnern jedoch etwas zurückhalten musste.

Dieser Abend kurz vor dem Abschluss meines Aufenthalts bleibt mir noch lange in Erinnerung. Das Tüpfchen auf dem i wäre auch ein Besuch bei einem Olympique Marseille-Spiel gewesen. Leider war während meiner Zeit in Südfrankreich das legendäre Vélodrome-Stadion Covid-bedingt für Zuschauer nicht zugänglich. Aus diesem Grund heisst es für mich nun nicht nur «Adieu Marseille» sondern ganz bestimmt auch «Au revoir».