Bachelorstudentin Martina berichtet von ihrem Auslandspraktikum in Ghana.

Angekommen in Accra, der Hauptstadt von Ghana, habe ich erst einmal alle Blicke auf mich gezogen. Natürlich ist mir bewusst, dass ich eine andere Hautfarbe habe. Aber an diese vielen Blicke muss man sich definitiv erst einmal gewöhnen, es kann auch schnell einmal unangenehm werden.

In meinen ersten Wochen habe ich viel über die ghanaische Kultur gelernt. Freundlichkeit, Religion und Musik ist Alltag, Respekt und Anstand sind von zentraler Bedeutung und kommuniziert wird sehr direkt. Personen mit einer helleren Hautfarbe werden auf der Strasse als «obroni» bezeichnet. Übersetzt heisst das so viel wie «Weisser» oder auch «Fremder» und wird grundsätzlich nicht abwertend gemeint. Für mich als «Weisse» ist dies jedoch trotzdem ziemlich unangenehm.

Als ehemalige Angestellte in der Integrationsarbeit war für mich von Anfang an klar, dass ich mich bestmöglich in Ghana integrieren möchte. Als Neuankömmling muss man aber vieles erst kennenlernen und es lauern überall Fettnäpfchen, die zu unangenehmen Situationen führen können. Hierzu zwei Beispiele:

Schon bevor ich nach Ghana kam, wusste ich, dass es wichtig ist, jeweils die rechte Hand zu benützen, wenn man etwas nehmen oder geben möchte. Die linke Hand wird angeblich für «ihr wisst schon was» im Badezimmer benützt. Für eine Linkshänderin ist das ziemlich gewöhnungsbedürftig! Die Blicke, die ich durch meine helle Hautfarbe auf mich ziehe, sind nichts dagegen :D.

Auch die Fahrt mit TroTros (öV in Form von Mini-Bussen) birgt Schwierigkeiten. Hier gilt: Der kleine Bus wird vollgestopft von hinten nach vorne. Einmal setzte ich mich weiter vorne hin, damit nicht die Hälfte der Mitfahrenden wegen mir zwei Stationen später wieder aussteigen muss. Nach Zurechtweisung durch einen Einheimischen setzte ich mich dann aber doch nach hinten und kurze Zeit später stieg die Hälfe der Mitfahrenden wieder aus, damit ich wieder aussteigen konnte.

Wie man sehen kann, habe auch ich einige Integrationsschwierigkeiten. Schlussendlich gibt es allerdings auch viele schöne Momente, die ich enorm zu schätzen gelernt habe. Momente der Anerkennung, Wertschätzung oder auch ganz simple freundliche Begrüssungen. Einmal lief ich in einer Strasse und ein kleines Mädchen kam direkt auf mich zu und umarmte mich. Was hat sie sich wohl gedacht? Oh, ein weisser Mensch, den umarme ich jetzt?

Unglaublich interessant, die Kultur in Ghana.