Fulya Celebi, Bachelorstudentin der ZHAW Soziale Arbeit, berichtet von der Studienreise nach Indien.

Nach dem Morgenessen und einer Reflexionsrunde, ging es um 10.30 Uhr endlich los zum «State Home». Als wir ankamen, sahen wir kleine Kinder am Fenstergitter, welche uns neugierig anschauten. Aus Sicherheitsgründen wurden wir sofort gebeten keine Fotos zu machen. Bevor der Durchgang starten konnte, wurde unsere Gruppe getrennt. Alle Frauen durften ins Mädchenhaus und die Männer ins Haus der Jungen.

Farbiges Mädchen- und Jungenhaus «State Home» in Indien

Beim Eingang fiel mir sofort ein selbstgemaltes Bild auf. Ein Mädchen im Hochzeitskleid, das weint und nebenan ein älterer Mann… In diesem Haus leben Mädchen zwischen 6 und 18 Jahren mit unterschiedlichen Schicksalsschlägen. Einige sind da, weil sie zwangsverheiratet wurden, in der Prostitutionsszene ihr Leben führten oder von ihrer Familie ausgestossen wurden.

Beim Durchgang liefen wir an einem Büro vorbei. Im Zimmer sassen drei junge Mädchen. Sie seien einen Tag vorher angekommen und warteten auf den Aufnahmeprozess. Sie schienen sich nicht besonders wohl zu fühlen. Alle drei schauten mich an, ohne Mimik, einfach leer. Ich versuchte mit einem Lächeln einen Zugang zu ihnen zu finden, aber leider ohne Erfolg. Dieser Ausdruck in den Augen hatte meiner Meinung nach nichts in den Augen eines zehnjährigen Mädchens zu suchen.

Der Durchgang ging weiter. Wir wurden ins nächste Haus «Baby – Adoption Center» begleitet. Das Tor ging auf und wunderschöne kleine Kinder sassen auf dem Boden und begrüssten uns herzlich mit «Hy Mme». Das war das Haus für Babys bis 6 Jahren. Von hier aus ging es weiter zum «Children Home For Disabled Children». Für mich war dieser Besuch sehr interessant, weil ich mit diesem Bereich schon intensiv beschäftigt habe. Ich war überrascht, wie die Verhältnisse für Menschen mit Beeinträchtigung in Indien bzw. in diesem Heim sind. Indirekt machte ich immer wieder Vergleiche mit den Institutionen in der Schweiz.

Nach einer Tanzaufführung von den Jungs im Heim endete unser Besuch und wir fuhren zurück in die Christ Universität.

Wir werden täglich mit vielen Eindrücken und unvergesslichen Momenten konfrontiert. Und abends bleibt wenig Zeit, um die erlebten Ereignisse zu verarbeiten. Noch einmal geht ein intensiver Tag zu Ende. Ein Tag, der mich sehr zum Nachdenken brachte.