Bachelorstudentinnen Isa Wilhelm und Andraina Frauenfelder berichten von der Studienwoche in Indien

Der neunte Tag in Indien versprach spannend zu werden. Vormittags hatten wir einen Termin im Indian Social Institut (ISI) und am Nachmittag stand ein Besuch in einem der über 2000 Slums von Bengaluru bevor.

Gegen halb elf trafen wir am Indian Social Institut ein. Traditionell wurden wir mit Tee und Kaffee empfangen. Anschliessend hatten wir eine Audienz beim Direktor Dr. Fr. Francis D’souza. Dieser selbst arbeitet seit über 35 Jahren im Bereich der Sozialen Arbeit. Diese lange Berufserfahrung spürte man deutlich in seinem beinahe zweistündigen Vortrag über das Institut sowie über vergangene und erwartete soziale und politische Veränderungen des Landes.

Die Vision des ISI besteht im Aufbau einer egalitären und inklusiven Gesellschaft durch die Förderung sozialbewusster Gemeinschaften. Auch hier ist die Förderung der Frauen einer der wichtigsten Aspekte. Wissensvermittlung und Befähigung der Frauen sowie Bekämpfung von Sexismus und die Beantwortung damit zusammenhängender Fragen sind wichtige Themen.

Nach einem traditionellen Mittagessen ging es mit dem Schulbus der Christ Universität weiter in eines der Slums von Bengaluru. Dort betreibt das „Center for Social Action“ (CSA) diverse Projekte, die wir besuchten.

Durch ineinander verlaufende Wege, vorbei an Ziegen, Kühen und spielenden Kindern, führten uns die Projektleiter zum ersten Projekt. Sie erklärten uns, dass im Slum Regeln gelten und die Bewohner für ihr Wohnobjekt Miete an den Staat bezahlen. Die Schwerpunkte der Projekte des CSA liegen auf Bildung, Gesundheit, Ernährung. Der massive Alkohol Konsum von Männern sowie der Cannabis Konsum von Jugendlichen ist ein grosses Problem in diesem Slum. Da die Vergangenheit gezeigt hat, dass weder die Männer noch die Jugendlichen auf die Angebote des CSA eingehen, probieren sie nun diese Personengruppen mit Strassentheatern zu erreichen, in denen die Folgen des Drogenkonsums aufgezeigt werden.

Im Projekt „Day Care für Kleinkinder“ werden Kinder von Montag bis Samstag durch geschultes Fachpersonal betreut. Auf eine spielerische Art werden ihnen Lesen und gesundheitliche Aspekte beigebracht. Jedes Kind erhält dort mindestens eine Mahlzeit sowie Milch und Früchte.

In einem weiteren Projekt, der „Transit School“, können Kinder, die eine längere Zeit keine Schule mehr besucht haben, den fehlenden Schulstoff in einer Kleinklasse aufarbeiten. Gründe für den Nichtbesuch der normalen Schule sind z.B. finanzielle Probleme in der Familie, so dass die Kinder gezwungen werden, selbst arbeiten zu gehen oder weil sie zu Hause auf Familienmitglieder aufpassen müssen. Das Ziel ist es, diese Kinder wieder in die obligatorische Schule zu integrieren. In den meisten Fällen gelingt dies nach 6-10 Monaten. Die Schule findet von Montag bis Freitag statt und in der Mittagspause erhalten die Kinder dort eine Mahlzeit. Samstags werden Aktivitäten angeboten wie zum Beispiel gemeinsam Fussball spielen. Darüber hinaus beinhaltet das Programm Besuche der Lehrer bei den Familien. Diese finden ungefähr einmal im Monat statt. Dabei werden die familiären Verhältnisse in Augenschein genommen und die Familien auf weitere Unterstützungsangebote hingewiesen.

Ein weiteres Projekt ermöglicht einen drei monatigen Computerkurs, den Kinder und Jugendliche besuchen können. Dadurch können sie sich Fertigkeiten im IT- Bereich aneignen. Das CSA unterstützt auch auserwählte Jugendliche aus dem Slum finanziell, damit diese an einer Universität studieren können.

Der Besuch im Slum hat uns alle tief beeindruckt. Es zeigte uns einmal mehr wie engagiert soziale Arbeit in Indien ist und wie versucht wird den Kindern und Jugendlichen mittels Bildung eine Chance zu geben für eine Zukunft in weniger Armut.

Am Abend durften wir mit den Studierenden der Christ University in ein Kino gehen und einen Bollywood Film schauen…auf indisch! Nach der ersten Halbzeit hatte fast jeder von uns eine andere Handlung mitbekommen und so nahmen wir gerne die Unterstützung der indischen Studierenden in Anspruch. Schlussendlich schafften wir es den Film zu verstehen. Vergessen werden wir diesen Abend ganz bestimmt nicht.