Isabel Rodriguez, Bachelorstudentin der ZHAW Soziale Arbeit, berichtet von der Studienreise nach Indien.

Immer zwei von uns begleiten einen Studierenden der Christ University in deren Organisation. Anupam holt uns am Morgen ab und los geht es mit dem Bus Richtung Aidshospiz «Accept». Wir müssen dreimal das Verkehrsmittel wechseln (die Fahrt dauert 1.5h) und nach einigen Minuten Fussmarsch erreichen wir die Institution «Accept».
Anupam hat uns schon auf dem Hinweg viel über seine Institution erzählt. Erster Eindruck: Ein gepflegtes Areal mit einer kleinen Siedlung und viel Umschwung. Es wirkt einladend.

Sicht auf das Areal des Aidshospiz «Accept» in Indien

Anupam führt uns durch die Institution und wir werden vom Direktor begrüsst. Er erzählt uns was «Accept» ist:

  • Hospiz für Aidskranke Menschen mit Quarantänestation für Patienten, welche von Tuberkulose betroffen sind
  • Kinderheim für Jungen und Mädchen, welche HIV + sind
  • Altersheim unabhängig der Krankheit
  • Christlich geführt

Währenddem wir die Institution besichtigen treffen wir auf Menschen, welche mehr oder weniger von Aids betroffen sind. Viele haben motorische Einschränkungen und/oder Mühe zu sprechen. Das Hospiz ist geschlechtergemischt. Die Menschen, welche wir treffen, scheinen offenbar Freude zu haben, dass jemand zu Besuch ist.

In einem zweiten Schritt besichtigen wir die Palliativstation. Wir werden gut darauf vorbereitet, was wir dort sehen werden und trotzdem sind wir erschüttert. Wir treffen auf eine Frau mit Aids im Endstadium, welche soeben gepflegt wird. Der Anblick der Frau und das Wissen, dass sie sich nicht äussern kann, ob sie den Besuch wünscht, beschäftigt uns noch eine ganze Weile und macht uns traurig.

Danach besichtigen wir das Areal und sehen uns das Kinderheim von aussen an. Die Kinder sind zur der Zeit in der Schule, wir können sie deshalb nicht besuchen. Die Institution bewirtschaftet viel Land und hält einige Nutz- und Haustiere. Sie versucht sich weit möglichst selbst zu versorgen und verkauft die übrigen Produkte. «Accept» finanziert sich somit selbst. Wir dürfen dann mit der Belegschaft zusammen Mittagessen und werden leicht belächelt über unsere noch dürftigen Fähigkeiten mit den Händen zu essen. Jedoch gibt es dadurch einiges zu Lachen am Tisch.

Nach der Mittagszeit besuchen wir noch die Damen im Altersheim, welche sich riesig freuen ein wenig mit uns zu schwatzen. Eine der alten Damen kümmert sich um Gracy, ein siebenmonatiges Mädchen, welches von ihrer aidskranken Mutter in der Institution zurückgelassen wurde. Gracy ist der Star der Institution und wird von allen verhätschelt und geliebt. Gracy muss nun warten bis sie 18 Monate alt ist, um zu testen, ob sie ebenfalls HIV+ ist. Ihr weiteres Leben hängt von dieser Diagnose ab. Wenn sie gesund ist, wird sie zur Adoption freigegeben, wenn sie HIV+ ist, wird sie in der Institution aufwachsen.

zwei Studierende der ZHAW Soziale Arbeit zusammen mit einer Dame des Aidshospiz, die die kleine Gracy auf den Armen hält.

Mit der kleinen Gracy geht unser Besuch zu Ende. Es war sehr schön zu sehen, mit wie viel Liebe die Mitarbeitenden ihre Patienten begleiten und umsorgen. Auch ist uns bewusst geworden, dass im Endstadium einer Krankheit der Glaube ein wichtiger Bestandteil darstellt. Tragisch ist, dass Aids in Indien immer noch ein riesiges Tabu ist und Menschen, welche HIV+ sind, kaum eine Chance in der Gesellschaft haben. Obwohl in Indien Medikamente an HIV+ Patienten abgegeben werden und diese ein noch langes Leben vor sich haben, werden HIV+ Menschen ausgegrenzt.

https://acceptindia.org/what-we-do/bangalore-centre/