Jessica Sigerst, Masterstudentin der ZHAW Soziale Arbeit, berichtet von der Studienreise nach Indien.

Nach drei Tagen in ländlichen Gebieten erhielten wir an unserem ersten Tag an der Christ University die volle Ladung des indischen Campus-Lebens. Top gestylt, im für uns ungewohnt formellen Business-Look, machte sich die Delegation Schweizer Studierende auf in den Hörsaal.

Dort trafen wir auf etwa dreissig Studierende der Christ University, die wir bei einer kleinen Vorstellungsrunde näher kennen lernten. Anschliessend standen die Präsentationen einiger Schweizer Studierenden auf dem Programm, welche ihre Arbeitsfelder in kurzen Vorträgen vorstellten. Dabei ging es um Soziale Arbeit im Strafvollzug, Sozialhilfe und Arbeitsintegration, sowie Drogenprävention. Besonders Letzteres führte zu interessanten Diskussionen, da ein nicht abstinenz-orientierter Umgang mit Suchterkrankten für viele indische Studierende neu war.

Klassenzimmer an der Christ University in Bangalore, Indien.

Im Austausch mit indischen Studierenden der Sozialen Arbeit

Danach stellten uns die einheimischen Studierenden ihre aktuellen Praktikumsstellen vor und wir durften auswählen, wen wir am nächsten Tag begleiten und bei der Arbeit über die Schulter gucken möchten. Dabei standen so viele spannende Organisationen zur Auswahl, dass es uns nicht leicht viel, uns zu entscheiden. Beim Mittagessen hatten wir dann bereits die Gelegenheit «unsere» Studierenden näher kennen zu lernen und uns auf den morgigen gemeinsamen Tag einzustimmen.

Am Nachmittag stand «Interaction» auf dem Programm. In Kleingruppen mit indischen Studierenden internationaler Beziehungen sollten wir uns interkulturell austauschen. An meinem Tisch sprachen wir circa fünf Minuten über die direkte Demokratie, bevor wir uns wichtigeren Themen wie Boyfriends und Ausgang widmeten 🙂 . Ich verliess den Tisch nach einer Stunde mit einer detailierten Liste der besten Bars und Clubs in Bengaluru und einem interessanten Einblick in das Leben junger, privilegierter Studentinnen in Bengaluru: Ist es okay, wenn ich mich als Christin in einen Hindu verliebe? Wie erkläre ich meinen Eltern, dass ich meinen Ehemann gerne selber auswählen möchte? Werde ich einen Job finden, der sich später mit einer Familie vereinbaren lässt?

Studierende internationaler Beziehungen der Christ University in Indien

Zum Abschluss dieses bereits sehr intensiven Tages wurden wir in die Aula geführt um in den Genuss einer kulturellen Veranstaltung zu kommen. Nach einer kurz aufflammenden Panik, da wir aufgrund eines Missverständnis meinten, wir müssen auf der riesigen Bühne die Schweizer Nationalhymne performen, kehrte wieder Ruhe ein und wir konnten die kulturellen Darbietungen in Ruhe geniessen.

indische Tänzerinnen auf einer Bühne

Eine Tanzgruppe performt den traditionellen Bharatanatyam-Tanz, um Gottes Segen zu beschwören.