Christian Dano, Bachelorstudent der ZHAW Soziale Arbeit, berichtet von der Studienreise nach Indien.

Nach zwei Tagen und zwei Nächten in Kolar hatten wir uns an die rudimentäre Infrastruktur gewöhnt und nahmen die Verhältnisse mit Humor. Nach dem Frühstück hätten wir gegen acht Uhr nach Hosekote gefahren werden sollen, doch weit und breit war kein Bus zu sehen. Es stellte sich heraus, dass es ein Misverständnis zwischen den Fahrern gegeben hatte und ein Ersatzfahrzeug aufgetrieben werden musste. An dieser Stelle kam die indische Flexibilität und Spontaneität zum Tragen, denn bereits eine Stunde später standen zwei Ersatzfahrzeuge inklusive Fahrer vor unserer Unterkunft.

Das Chatana-Projekt unterstützt die Bewohner von Hosekote und anderen Dörfern in verschiedenen Belangen wie beispielsweise bei der Organisation von Selbsthilfegruppen oder der Bildung von Kindern. Das Projekt wurde von 2003 bis 2010 von CSA (Centre for Social Action) geführt. Seit 2010 ist es unabhängig und wird von den Dorfbewohnern, oder genauer gesagt den Dorfbewohnerinnen, erfolgreich weitergeführt.

Indische Frauen einer Selbsthilfegruppen sitzen am Boden

Selbsthilfegruppe in Hosekote

Auf eindrückliche Weise schilderte die Leiterin der lokalen Selbsthilfegruppe, wie zunächst die Widerstände der männlichen Dorfbewohner gegen des Projekt abgebaut werden mussten, da viele diesem skeptisch gegenüber standen. Die positiven Effekte des Projektes überzeugten die Dorfbewohner jedoch. Zudem konnte durch das Projekt die Emanzipation der Dorfbewohnerinnen in der Dorfgemeinschaft gefördert werden.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen wurde die Reise im ursprünglich vorgesehenen Bus nach Bangalore fortgesetzt. Zu Hause angekommen, nahmen viele von uns auf einmal wahr, wie wertvoll es ist, ein klassisches Badezimmer mit fliessendem Warmwasser und ein richtiges Bett zur Verfügung zu haben. Wir wussten nun wie es sich anfühlt, wenn man auf diesen Komfort verzichten muss. Für uns war dieser Verzicht ein Abenteuer, welches auf drei Tage beschränkt war – für viele Menschen in Indien ist dies jedoch tägliche Realität.