Masterstudentin Sabera Wardak und Bachelorstudentin Mona Debrunner gewähren erste Einblicke in die Studienreise nach Indien (24.1.-4.2.19).

Der zweite Tag an der Christ (Deemed To Be University) begann mit einem leckeren Frühstück im Indian Coffee House auf dem Campus. In der darauf folgenden ersten Academic Session befassten wir uns dann mit den Themen Sexualität und Gender im indischen Kontext.

Dr. Rajeev K, Dozent der Soziologie an der Christ (Deemed To Be University), gab uns  einen Überblick in seiner Präsentation: «Historical and Conteporary Registers of Gender and Sexuality: The Indian Context». Eine der zentralen Botschaften aus dieser Vorlesung ist die Feststellung, dass Gender ein soziales Konstrukt ist und als Rechtfertigung für soziale Ungleichheiten dient. Vor dem Hintergrund einer patriarchalen Gesellschaft werden Individuen mit der Erziehung und Sozialisation in die jeweilige Geschlechtsrolle gedrängt. Dr. Rajeev K nannte es gendering of human beings. Es ist eine komplexe und ambivalente Thematik: Fragen der Religion und Säkularisierung spielen dabei eine wichtige Rolle, genauso wie die Frage, wie Stereotypen produziert und reproduziert werden. Wobei es in Indien so aussieht, dass traditionalistische, insbesondere religiöse Strömungen zunehmen. Gleichzeitig verfügt das Land aber über eine starke Zivilgesellschaft, die mit Protesten für einen öffentlichen Diskurs sorgt.

Danach hatten wir die Gelegenheit uns in kleinen Gruppen, zusammen mit den indischen Studierenden, über das Studium der Sozialen Arbeit auszutauschen. Es stellte sich überraschenderweise heraus, dass die Christ (Deemed To Be University) nur Masterstudiengänge anbietet. Die Mehrheit der Studierenden hat einen Bachelorabschluss in einer anderen Fachrichtung.

Am Nachmittag besuchten wir das katholische St. John‘s Medical College und das dazugehörige Spital. Drei Mitarbeitende der klinischen Sozialen Arbeit hielten Vorträge über das professionelle Vorgehen und den konkreten Arbeitsalltag auf ihren Stationen.

Wir durften unter anderem auch die Notfallstation besichtigen. Die 16 Betten stehen alle im selben Raum, sie sind durch Vorhänge separiert und werden je nach Dringlichkeit mit den Farben Grün, Gelb und Rot markiert. Rund um die Uhr ist ein „Medical Social Worker“ vor Ort und kümmert sich bei Bedarf unter anderem um die kurzfristige Finanzierung der Behandlung, die Betreuung von ausgesetzten Kleinkindern und die Nachbetreuung und Beratung bei Missbrauchsfällen.

Mehrmals wurde die Wichtigkeit der Angehörigenarbeit betont. Einerseits kommt diese zum Zuge bei Trauerarbeit, andererseits deeskaliert der zuständige „Medical Social Worker“ die Situation, wenn angespannte Angehörige das medizinische Vorgehen nicht nachvollziehen können. Nebst den Angehörigen hält der „Medical Social Worker“ auch die Patienten auf dem Laufenden und erklärt das Prozedere. Für einen reibungslosen Ablauf der Notfallbehandlung sei es das A&O, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige sagen zu können.

Trotz der professionellen Präsenz der klinischen Sozialen Arbeit bin ich froh, dass niemand der Mitreisenden einen Spitalaufenthalt in Anspruch nehmen musste!