Fabian Müller, Bachelorstudent der ZHAW Soziale Arbeit, berichtet von der Studienreise nach Indien.

Der zweitletzte Tag der Studienreise stand ganz im Zeichen der an der ZHAW allgegenwärtigen Leistungsnachweise. Der Morgen wurde für die ausstehenden Präsentationen der Zürcher Studierenden genutzt und vor einer Gruppe von Studierenden der Christ University gehalten, die notabene am Sonntag ihre rare Freizeit opferten.

Nach dem Pflichtprogramm folgte nochmals ein freier Nachmittag in der Stadt, in die wir mittlerweile diverse sehr tiefe, aber auch sehr unterschiedliche Einblicke erhalten hatten. Die meisten Studierenden brachen in die Stadt auf, um dem Shopping in einer Mall oder auf einem der Strassenmärkte zu frönen und allenfalls noch ein paar Mitbringsel vor der Heimreise zu ergattern.

Ein indischer Mann steht vor einem Hühnerkäfig in einer Garage.

Auf den besagten Märkten, fallen dem fleischessenden Besucher immer wieder die Hühnerstände auf, an denen das Geflügel in kleinsten Käfigen auf die Schlachtung oder den Verkauf wartet. Ruft man sich aus der Schweiz die öffentliche Debatten über Freiland- und Bodenhaltung in Erinnerungen, erscheinen die Bedingungen gar barbarisch. Gleichzeitig zeigt sich Indien als unvorstellbar vegetarierfreundliches Land. Während es selbst in Zürich noch oft vorkommt, dass vegetarische Menüs wirken, als sei einfach das Fleisch vergessen gegangen, findet sich hier selbst in weltweit bekannten Fastfood-Ketten prominent die Unterscheidung Veg / Non-Veg. Indische Restaurants werben an allen Ecken mit vegetarischem Essen und auf den meisten Karten ist die Fleischvariante erst auf den hinteren Seiten zu finden.

Indien präsentiert sich uns in der kurzen Zeit mit einer unglaublichen Zahl von Widersprüchen. Neben grenzenlosem Reichtum liegt bittere Armut nur wenige Meter entfernt. Neben der Kälte der modernen Grossstadt präsentiert sich die warme Gastfreundschaft von einfachen Bürgern. Neben der reizvollen Natur zeigt sich die schier endlose Verschmutzung. Insofern ist es wenig überraschend, dass Tiere einerseits als heilig behandelt werden und andererseits tiergerechte Haltung ein Fremdwort ist.