Bachelorstudentin Johanna berichtet von ihrem Praktikum in Marseille.

Die Malateliers von «Arts et Dévéloppement» finden jeweils in den sogenannten «quartiers prioritaires» statt. Dies sind Quartiere mit vielen Problemen wie Obdachlosigkeit, Drogenhandel, Gewalt und Armut.

Ich arbeite in sechs Quartieren, die sehr unterschiedlich sind. Gewisse sind sehr schön gelegen und von Bäumen umsäumt, andere sind komplett zugemüllt und man sieht viele Jugendliche, die herumlungern und nichts zu tun haben. Durch diese Untätigkeit und teils auch Hoffnungslosigkeit ist es nicht verwunderlich, dass sie über kurz oder lang den Weg zum Drogenhandel finden. Somit befinden wir uns in einer etwas zweifelhaften Nachbarschaft.

Bei einem Atelier lagern wir unser Material für die Kurse in einem kleinen Abstellraum. Nur eine Tür weiter ist das «Réseau de drogue». Dorthin kommen die Dealer, um Drogen und Waffen abzuholen. Das erste Mal hat mich dies doch ziemlich schockiert und auch etwas beunruhigt. Mittlerweile ist es für mich jedoch völlig normal, dass unser Atelier gleich daneben stattfindet. Die Dealer tolerieren unsere Präsenz und sind auch sehr hilfsbereit und helfen uns manchmal das Material zu transportieren.

Paradox bleibt diese Situation trotzdem, da die Organisation Arts et Dévéloppement ja eigentlich zum Ziel hat, die Entwicklung des Kindes zu stärken und zu versuchen ihm eine Beschäftigung zu bieten, damit es eben nicht in den Drogenhandel abrutscht. Gefährlich war es bisher noch nie, die Augen offen halten muss man aber dennoch immer.