Bachelorstudent Manuel berichtet von seinem Auslandsemester in Marseille.

Eine Woche nachdem die Ausgangssperre ab 18 Uhr in Marseille eingeführt worden war, begann ich mein Austauschsemester in der französischen Hafenstadt. Neben dieser doch sehr einschränkenden Massnahme und den geschlossenen Bars und Restaurants ist das Studierendenleben hier doch ziemlich annehmlich. So sind etwa die für die Provence typischen, bunten Wochenmärkte geöffnet und die hiesige Hochschule darf den Grossteil ihrer Kurse als Präsenzunterricht anbieten.

Neben dem schulischen Teil wurde mir ein Parcours mit fünf zwei- bis dreiwöchigen Praktika in den verschiedenen Institutionen der Sozialen Arbeit in Frankreich vorbereitet. Eines dieser Praktika durfte ich in der «PJJ» absolvieren (Protection Judiciarie de la Jeunesse), vergleichbar mit einem Massnahmenzentrum für Jugendliche. Was mich an der Arbeit der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen hier beeindruckt, ist ihre sehr ungezwungene, nonchalante Art. Auch fällt mir die geringe Distanz zu den Jugendlichen auf.

Mein Praktikum in der PJJ fiel just auf die zweiwöchigen Winterferien, wodurch ich einige Aktivitäten miterleben konnte, die in dieser Zeit geplant waren. Hierbei war der sehr unkomplizierte, spontane Umgang eindrucksvoll. In der ersten Woche errichteten wir mit den Jugendlichen eine Mauer unter der Anleitung eines Mitarbeitenden mit handwerklichem Geschick. Vom Stemmen des Betons mit dem Bohrhammer über das Mischen des Mörtels im hauseigenen Betonmischer bis zum Schneiden der Betonsteine mit der Flex bauten wir die Wand von Grund auf selbst. Die vorhin angesprochene Nonchalance zeigte sich dabei auch bei den eher legeren Sicherheitsvorkehrungen.

Die handwerkliche Arbeit kam bei den Jugendlichen gut an, mitunter da sie sehr dankbar ist und man rasch sieht, was man geschaffen hat. Desweitern hat das Bauen einer Mauer fast schon etwas Philosophisches, was zu spannenden Diskussionen führte.

In meiner Freizeit hatte ich bereits die Möglichkeit, einige Annehmlichkeiten, welche das Leben am Mittelmeer mit sich bringt, zu geniessen. Spaziergänge am Strand, die ersten Schwimmzüge im noch frischen Salzwasser und ein kurzer Bootsausflug mit dem Segelschiff eines Mitstudenten standen bereits auf dem Programm. Speziell angetan haben es mir die Calanques. Gleich vor den Toren der Stadt laden diese fjordähnlichen Buchten zum Sonnbaden und Wandern ein.