Bachelorstudentin Martina berichtet von ihrem Auslandspraktikum in Ghana.

In meinem Praktikum in Ghana arbeite ich in einer Unterkunft für missbrauchte Kinder. Die Kinder sind zwischen 6 und 17 Jahre alt und kommen aus verschiedensten Regionen von Ghana oder auch von umliegenden Ländern wie z.B. Togo, Benin, Elfenbeinküste, Burkina Faso oder Liberia. Es sind Kinder, denen körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt angetan wurde, die Opfer von Kinderhandel oder Zwangsheirat wurden oder von den Eltern verlassen wurden. In der Regel werden sie von der Polizei oder durch jemanden vom Ministerium in die Unterkunft gebracht und ab diesem Zeitpunkt beginnt unsere Arbeit.

Nach der Ankunft eines neuen Kindes wird ihm zuerst die Gelegenheit gegeben, das neue Areal und die anderen Kinder kennenzulernen, bevor es dann nach ein paar Tagen durch Sozialarbeitende interviewt wird. In dem Interview werden, falls möglich, die Kontaktdaten aufgenommen und es wird über den Missbrauch gesprochen. Die Aufgabe der Sozialarbeitenden ist es, nun einen passenden, dauerhaften Platz für das Kind zu finden. Dadurch, dass jedes Kind eine ganz andere Geschichte mit sich bringt, muss hier sehr individuell vorgegangen werden. Wenn es möglich ist, versucht man das Kind in der Familie oder bei Verwandten unterzubringen. Falls die Umstände dies jedoch nicht erlauben, gibt es notfalls andere NGOs, die Kinder dauerhaft aufnehmen können. Die Dauer der Vermittlung sollte eigentlich höchstens 3 Monate dauern. In der Realität dauert es teilweise jedoch bis zu einem Jahr. 

Während des Aufenthalts in unserer Unterkunft hat jedes Kind sein eigenes Bett und erhält 3 grosse Mahlzeiten pro Tag. Das Wasser wird vor allem vom Wasserhahn getrunken, da es zu teuer wäre gereinigtes Wasser für alle zu kaufen. Zudem ist durchgehend immer jemand vom Team vor Ort, falls etwas passiert oder die Kinder etwas brauchen.

Viele der Kinder hatten nie die Möglichkeit in die Schule zu gehen. Um die Tage ein bisschen lehrreicher zu gestalten, haben die Kinder von montags bis freitags, jeweils am Morgen ein vorgegebenes Programm: Englisch (Mo), Mathematik (Di), Informatik (Mi), Art (Do) und Spiele (Fr). Da wir als Sozialarbeitende diese Stunden durchführen, kann nicht von professionellem Unterricht gesprochen werden. Das ist in meinen Augen jedoch immer noch besser als gar nichts zu lernen.

Trotz wahnsinnig grossen Unterschieden zur Sozialarbeit in der Schweiz gefällt mir das Praktikum in Ghana sehr. Was mich besonders fasziniert, ist, dass sie enorm wenig Ressourcen zur Verfügung haben und den Kindern trotzdem so viel geben können. Da kann man sich auf alle Fälle eine Scheibe davon abschneiden! 😊