Majka berichtet aus ihrem Auslandsemester in Den Haag.

Die zweite Halbzeit meines Austausches wurde schon längst angepfiffen. Höchste Zeit ein kleines Fazit zu ziehen.

Ich beginne mit etwas lieb gemeinten, kritischen Worten: Meine Austauschuni ist ziemlich chaotisch. Mit ziemlich, meine ich ziemlich extrem. Der Stundenplan für den neuen Block hat sich beispielsweise in der Nacht auf den ersten Anwesenheitstag geändert. Folglich sassen am Montagmorgen(!) 50 Studierende vergebens in der Vorlesung. Bei solchen Ereignissen drückte ein paar Mal der „Schweizerbünzli“ in mir durch und ich fragte mich, wie man so unstrukturiert sein kann. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und gemerkt, dass es sich nicht lohnt, sich aufzuregen.

«Go with the flow» hiess es am Anfang und seit dem versuchen wir Austauschstudierenden alles etwas lockerer zu nehmen. Wie die HolländerInnen halt, die das Leben allgemein einfacher nehmen und die Dinge nicht so streng und eng sehen. Während wir uns in der Schweiz an Abmachungen und klare Regeln halten, wird hier auch mal eine Ausnahme gemacht. So auch in einer Situation, in welcher ich, zwar ungern, aufgrund des strömenden Regens das Velo durch ÖV ersetzt habe. Der Bus kam, (5min später als geplant, was hier normal ist) doch dann war – ach du Schreck – mein Ticket nicht gültig. Der Busfahrer zwinkerte mir zu und bat mich einzusteigen.

Mittlerweile weiss ich diese unkomplizierte Art sehr zu schätzen und sehe auch das „chaotische“ als eine Stärke. «Keinen Plan zu haben», fordert die Improvisation und Kreativität. Ich habe das Gefühl, es macht die Menschen lebendiger. Sie geniessen ihr Leben und nehmen es sehr gelassen. Den HaagerInnen und mittlerweile auch wir Austauschstudierenden, treffen sich gerne auch spätabends unter der Woche noch für ein oder zwei «biertjes« in einer Bar.  Die anderen «Exchange-Students» kommen übrigens aus Australien, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Portugal, Russland und der Schweiz. Dies macht die Kommunikation nicht immer einfacher, aber sicher spannender und  «super lässig». 🙂

grote-markt-nachtleben

Nachtleben beim «Grote Markt»

Leute die mich kennen, wissen: Ich liebe es, andere Länder, Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Die Vorlesung «Social work across borders» war daher ein «must». Wir betrachteten die Geschichte der Sozialen Arbeit aller Kontinente und verglichen spezifische Themen unterschiedlicher Länder miteinander.

exchange-students-in-gent

Gruppe der Austauschstudierenden beim Ausflug nach Gent

Um das absolute Gefühl von «social work across borders» zu erleben, stand ein Austausch nach Belgien an. Für uns Austauschstudierenden wurde es somit ein «Exchange im Exchange» und damit ein Highlight! Wir besuchten die Uni in Gent, schauten zwei Institutionen an und erkundeten das bildhübsche Städtchen, inklusive Nachtleben. Kurz vor Abfahrt wurde es wieder holländisch, chaotisch: Unsere Reisgruppe, bestehend aus 60 Personen, suchte während ca. 40 Minuten verzweifelt den zu gut parkierten Car. So lautete das Motto einmal mehr «Go with the flow»: Tempo rausnehmen und drüber schmunzeln.

Doei = Tschüss!