Sophia Bauer, Bachelorstudentin, berichtet von ihrem Austauschsemester in Berlin.

Ich mag Berlin, sehr sogar. Ich kenne meinen Kiez und habe meine Stammlokale. Wenn ich meine Wohnung betrete, fühle ich mich zu Hause. Ich möchte noch nicht zurück in die Schweiz und habe daher entschieden meinen Auslandaufenthalt in Berlin zu verlängern und mein zweites Praktikum in Berlin zu absolvieren.

Abendrot von einer Brücke in Berlin

Die Alice Salomon Hochschule hat ähnlich wie die ZHAW eine Praxisstellenbank mit anerkannten Praxisstellen. Auffallend ist die unglaublich hohe Anzahl von Praktikumsstellen. Die Diversität der Stellen ist exorbitant. Für mich schien das absolut kein Vergleich zu Zürich zu sein.

Bei genauerem Betrachten der Stelleninserate erkannte ich jedoch, dass es sich nur um eine Auflistung anerkannten Praxisorganisationen handelt. Es sind keine konkreten Stelleninserate bei denen ersichtlich ist, ob die Organisationen aktuell eine Praktikumsstelle zu vergeben haben. Telefonieren war also angesagt.

Dem Praktikumsbeschrieb sind die Grunddaten der Praxisorganisation, sowie eine Beschreibung des Arbeitsfeldes und der Praktikumsstelle zu entnehmen. Des Weiteren ist der Punkt «Bezahlung» vermerkt. Bereits nach kurzem durchstöbern der Anzeigen fragte ich mich, weshalb die Bezahlung überhaupt genannt wird. Denn eine Entlöhnung scheint in Berlin alles andere als üblich zu sein. Hallo unentgeltliche Arbeit!

Besonders interessant finde ich, dass unentgeltliche Praktika in Deutschland verboten wurden. Diese Regelung hebt sich jedoch auf, wenn das Praktikum ein Pflichtpraktikum während eines Studiums ist.

Nun gut, das Leben in Berlin wird ja auch nicht zunehmend teurer (Stichwort Miete). Daher ist es auch kein grosses Ding, sich ohne Gehalt durchzuschlagen. Natürlich besteht immer die Möglichkeit, sich einen Nebenjob zu suchen. Die Koordination mit der 100% Praktikumsstelle könnte allerdings etwas knifflig werden, aber Flexibilität wird in der Arbeitswelt ohnehin erwartet.

Ich kann mir aber vorstellen, dass die gesamte Praktikumskultur für Studierende der Sozialen Arbeit in Deutschland leider einen harten Realitätsbezug hat. Auch ausgelernte Sozialarbeitende, werden meiner Meinung nach in Deutschland unglaublich schlecht bezahlt. Die gesellschaftliche Wertschätzung dieser Profession ist sehr gering.

Obwohl ich das Ganze alles andere als okay finde, habe ich diesen Monat meinen Arbeitsvertrag im Bereich Jugendbewährungshilfe unterschrieben. Für mich ist dies eine absolute Traumpraktikumsstelle, welche ich in der Schweiz wohl nie gefunden hätte.

Ab März werde ich daher das erste Mal in meinem Leben ohne Bezahlung arbeiten. Aber wie heisst es so schön: «Geld alleine macht nicht glücklich».