Fabiola berichtet von ihrem Auslandpraktikum in Gambia.

Gambia – das kleinste Land auf dem Festland von Afrika mit nur 2 Millionen Einwohnern. Gambia – einsame Palmenstrände, frische Mangos, Erdnüsse und Bananen. Gambia – «The Smiling Coast of Africa». Gambia – always smiling people?

Zwei schwarze afrikanische Frauen sitzen in ihren Röcken auf Hocker und schälen Maiskolben.

Schon vor meiner Ankunft hier hatte ich die Möglichkeit, Niederlassungspapiere für ein Jahr zu besorgen. Bei der Passkontrolle fragte mich der Beamte, wie lange ich in Gambia bleiben wolle. Als ich vier Monate erwidert hatte, fragte er weiter, ob ich ein Visum für sechs oder zwölf Monate wolle, es koste 20 Euro (dies entspricht etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Monatslohnes hier). Nachdem ich ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass ich eine Aufenthaltsbewilligung habe und kein Visum benötige, winkte er mich ohne ein weiteres Wort durch… Alles klar, obwohl die über 20-jährige Diktatur vor knapp eineinhalb Jahren der Demokratie gewichen ist, gibt es keinen Grund, gleich ganz auf Korruption zu verzichten 😉.

Zu meinen Aufgabenbereichen hier in Gambia gehört die aufsuchende Schulsozialarbeit. Es gilt, die kommende Generation – insbesondere die Mädchen und jungen Frauen – über ihre (Menschen-) Rechte aufzuklären. Während drei Lektionen innerhalb dreier Wochen führen zwei junge Mitarbeiterinnen (aus Gambia und Nigeria) und nun eben auch ich, die Klassen in die Themen «Selbstrespekt und Würde», «Beziehungen» und «Fortpflanzung» ein.

Aus kulturellen und religiösen Gründen (90% der Bevölkerung sind Moslems) haben Mädchen und Frauen in diesem westafrikanischen Land nach wie vor eine sehr untergeordnete Rolle. Es gilt also in erster Linie, ihre Würde und ihre Stellung in der Gesellschaft zu stärken sowie ihnen in ihren Nöten und mit ihren Fragen zu begegnen und Antworten auf diese Fragen bereitzuhalten.

Der Unterricht gestaltet sich mit Theorieteil, nachgestellten Situationen, persönlichen Beispielen, Fragekasten und Spielen sehr abwechslungsreich. Meine beiden Kolleginnen sind ein wunderbar eingespieltes Team und ergänzen sich mit einem einerseits ruhigen und andererseits sehr impulsiven Charakter optimal. Da weder in der elterlichen Erziehung, noch im schulischen Kontext etwas Vergleichbares geboten wird, sind die Schülerinnen und Schüler, wie auch die Lehrpersonen und Schulleitungen äusserst dankbar für diese Arbeit.

Das übergeordnete Ziel der Organisation ist jedoch der Schutz der jungen Menschen vor sexueller Ausbeutung und das Brechen der «Culture of Silence», welche eigentlich sämtliche Opfer von Gewalttaten hier generell davon abhält, irgendjemandem mitzuteilen, was ihnen zugestossen ist… Bis anhin wurde geschwiegen.

Gambia – always The Smiling Coast?