Fabiola berichtet von ihrem Auslandpraktikum in Gambia.

Der Hauptfokus meines Praktikums hat sich – für mich überraschenderweise – auf Kinder und Teenager (und deren Mütter) konzentriert. Ich hätte dieses Arbeitsfeld wohl nie bewusst gewählt und bin deswegen umso glücklicher darüber, wie sehr mir die Arbeit mit dieser Altersgruppe gefällt.

Grösstenteils bin ich für meine Arbeitsgenerierung selbst zuständig, was eine Herausforderung ist, da ich meine Sollarbeitsstunden zu erreichen habe.

Neben Präventionsarbeit in Schulen habe ich unter anderem die Möglichkeit, in einer kleinen Gruppe von Mädchen, welche in irgendeiner Weise mit sexuellem Missbrauch in Berührung gekommen sind, mitzuarbeiten.
Einerseits haben wir ein Sommerprogramm für diese Mädchen zusammengestellt, welches momentan gerade in unserem Zentrum durchgeführt wird. Andererseits gehört es zu meinen Aufgaben, die Familien jener Mädchen aufzusuchen und (zumindest) ihre Geschichten und ihr Leid anzuhören. Mehr kann ich ihnen oft nicht anbieten, da meine Organisation fachlich wie auch finanziell limitiert ist. Jenes «limitiert-sein» ist es auch, was immer wieder enorm frustriert. Dies ist nicht nur mein eigenes Empfinden; es wurde mir von zahlreichen Expats, die hier sozial engagiert sind, bestätigt.

Gerade hat mir die Mutter eines Opfers von sexuellem Missbrauch ihre Geschichte erzählt. Sie selbst wurde mit 18 Jahren selbst sexuell missbraucht, immigrierte aus einem anderen westafrikanischen Land, hat acht Kinder (davon dreimal Zwillinge!) von drei verschiedenen Männern (der letzte ist an Aids gestorben), lebt mit den Kindern bei ihrer Pflegemutter, welche die Kinder negativ beeinflusst, sodass sie ihre Mutter nicht mehr respektieren, hat mit ihrem «Freund» Sex für Geld, damit sie Essen und Schulzubehör für die Kinder bezahlen kann, usw. …

Erst vor eineinhalb Jahren, nach jahrzehntelanger Diktatur zur Demokratie erklärt, ist Gambia kein Sozialstaat. Die Regierung ist auf die Hilfe von NGOs und Hilfsprojekten angewiesen, denn für soziale «Fachkräfte» und Einrichtungen ist kaum Geld vorhanden. Und wenn Geld vorhanden wäre, verschwindet es durch Korruption. Gambia scheint ein Fass ohne Boden zu sein, was die Hilfe für Bedürftige betrifft (und leider auch sonst in vielerlei Hinsicht).

Obwohl ich hie und da auch mal einen positiven Ausgang von einer Misere erfahre, sind diese für mein Empfinden doch sehr rar gesät. Die Änderungen im System gehen sehr, sehr schleppend voran. Viele Einheimische klagen über ihre eigene Situation: «It’s not easy!». Ein junger Mann erwiderte jedoch kürzlich hoffnungsvoll darauf: «… but it’s possible!».