Dominique Melissa Rieser berichtet von ihrem Auslandpraktikum in Windhoek, Namibia.

Kindergärten in Namibia sind nicht staatlich, sondern privat organisiert und somit können sich nur die wohlhabenderen Familien einen Kindergartenplatz leisten. Zudem ist die Stellung von Kindern oder Menschen mit besonderen Bedürfnissen hier in Namibia schlecht.

Austauschstudentin in einem Heim in Namibia mit einem Kind spielend am Boden.Beeinträchtigte Kinder werden z.B. teilweise noch immer in Hütten versteckt und auch durch diverse Gespräche mit Einheimischen hier, vom Lehrer bis zum Taxifahrer, hat sich mir immer wieder ein ähnliches Bild gezeigt: Ein bisschen Bewunderung mit ganz viel Unverständnis, warum ich denn freiwillig mit «solchen» Menschen arbeiten wolle. Obwohl der Staat mit einem sogenannten «Disability Grant» (NAD 250 / Monat, das sind ca. CHF 18.50 / Monat) Kinder mit einer Beeinträchtigung unterstützt, ist dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein und reicht besonders für Familien aus bescheidenen Verhältnissen nicht aus.

Sonderschulen gibt es in ganz Namibia genau zwei. Folglich sind die Wartelisten sehr lang, d.h. man wartet teilweise mehrere Jahre auf einen Schulplatz. Der Erziehungsstil an den Schulen ist autoritär und es herrscht Disziplin und Ordnung: Wer sich nicht einfügt, kann unter Umständen seinen Platz wieder verlieren.

Ein Kind sitzt auf einer türkis farbenen Yoga-Matte und spielt Memory.

Ich absolviere mein Praktikum im «Side by Side Early Intervention Centre», einer Frühförderungsstelle für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Unser Angebot ist sehr breit angesiedelt und reicht von Tagesbetreuung und Beratungen über Elterntrainings, Hausbesuche bis hin zu Frühförderstunden im Einzel- und Gruppensetting. Das Centre bietet Platz für neun Kinder mit besonderen Bedürfnissen (Autismus, Down Syndrom, Cerebral Parese, Lernschwächen und Wahrnehmungsbeeinträchtigungen) als auch für drei Kinder, die den Großteil ihres Lebens im Waisenhaus verbracht haben.
Ein strukturierter, kreativer und bedürfnisorientierter Tagesablauf bietet Raum und Zeit für die Entwicklung der Sinne, Kommunikation, Fähigkeiten im motorischen als auch im sozial-emotionalen Bereich und der Spielentwicklung. Montags bis freitags von 7:30 bis 16:00 Uhr begleiten wir die Kinder, die zumeist aus ärmlichen Lebensverhältnissen stammen.
Bei den Hausbesuchen und Elterntrainings werden die Eltern aktiv in die Förderung miteinbezogen, um auch zu Hause die Unterstützung weiterführen zu können.

Ich bin stolz, mein Praktikum im «Side by Side» machen zu dürfen und so Kinder aus ärmlichen Verhältnissen mit besonderen Bedürfnissen in ihren Träumen und Möglichkeiten unterstützen zu können. Leider neigt sich mein Praktikum schon ganz bald dem Ende zu und ich bin unendlich dankbar für alle Erfahrungen, die ich hier in Namibia machen durfte.

Selfie einer Austauschstudentin und einem namibischen Kind, die beide lächeln.