Bachelorstudentin Raphaela berichtet aus ihrem Auslandsemester in Groningen.

Zeit ist endlich und kostbar und hier in Groningen scheint die Zeit im Nu an mir vorbeizufliegen. Dieses Gefühl liegt ziemlich sicher an den vielen abwechslungsreichen Menschen und schönen Momenten. Ein Gespräch, ein internationales Essen, zusammen im Park an der Sonne liegen.

Schöne Momente gab es auch im Rahmen meines Studiums in Zürich. Dass ich mich aber zu 99% auf jedes einzelne Meeting einer Gruppenarbeit freue ist neu für mich. Noch nie war eine Gruppenarbeit an der ZHAW so stark mit einem ausgeprägten Gefühl der Verbundenheit und Freude gekoppelt wie ich es hier im Rahmen des «Capability Approach» gerade erlebe.

Das Programm ist gefüllt mit Gruppenarbeiten. Sie beanspruchen mehr Zeit, kulturelle Unterschiede verlangsamen den Prozess. Dennoch habe ich Gruppenarbeitsprozesse selten so produktiv, konstruktiv, anregend und innovativ empfunden. Noch nie habe ich mich so oft und so gerne für einzelne Kurse in die Bibliothek gesetzt wie hier in Groningen. Ich kann mich vollumfänglich auf die Kurse fokussieren. Das ist ein spezielles und schönes Gefühl.

Eine Gruppenarbeit, die das ganze Semester über dauert, ist das Projekt «Journal». Zu zehnt erarbeiten wir ein Print-Magazin das sich einem freigewählten, übergeordneten Thema widmet. Dabei soll neues Wissen aus den anderen Kursen in einem kreativen Prozess miteingebunden werden. Wir sind frei in der Gestaltung: Wen wollen wir erreichen und wie? Jeder kann seine Interessen und Stärken einbringen. Das macht das Projekt interessant und attraktiv. Die Motivation ist hoch, die Verbundenheit untereinander wächst stetig. Wann haben wir sonst die Möglichkeit in einem internationalen Kontext mit anderen zukünftigen Sozialarbeitern ein solches Produkt zu gestalten?

Die internationale Gruppe, bestehend aus 19 Personen, schenkt mir die Chance, mich ganz offen auf neue Menschen einzulassen. Wir verbringen Zeit miteinander. Sogar meine niederländischen Mitstudierenden schenken uns Internationalen einen Teil ihrer Freizeit. Sie empfinden das internationale Programm als bereichernd. Sie lernen z.B. durch den Kontakt mit uns Internationalen neue Strukturen und Orte von Groningen kennen. Trotz aller Unterschiede verbindet uns der «Capability Approach». Mein Gefühl, ein globaler Bürger zu sein, wächst von Tag zu Tag.

Und wieder entsteht eine Frage in meinem Kopf: Was würde ich über die Schweiz lernen, wenn es an der ZHAW eine festes internationales Programm geben würde?