Aufkleber nationalistische Kackscheisse

Es braucht Haltung – GEGEN RECHTS

Stella berichtet über ihr Auslandssemester in Berlin.

«Passt auf beim Wegnehmen der Sticker: Darunter sind oft Rasierklingen angebracht.»

Ein Satz der aufhorchen lässt, auf den solidarischen Kiezspaziergängen durch Hellersdorf jedoch oft gesagt wird. Wer kommt auf die Idee, unter Sticker Rasierklingen zu platzieren? Und von welchen Stickern ist hier überhaupt die Rede?

Unser Rundgang startet auf dem Alice-Salomon-Platz in Hellersdorf, direkt vor der Hochschule. Wie wir erfahren, war der Platz ab 2013 oft Startpunkt für Demonstrationen von Neonazis. Aufgrund anhaltender Proteste positionierte sich die Alice Salomon Hochschule fortan mit einem grossen Banner am Gebäude «Gemeinsam Nazis und Rassismus entgegentreten – hier & überall». Dies hielt Nazis jedoch nicht davon ab, sich auf dem Platz weiterhin zu versammeln. Vor allem die neonazistische Kleinpartei «Der III. Weg» ist in Hellersdorf sehr präsent. Immer wieder sieht man Plakate und Sticker. Und genau hier kommen die obengenannten Rasierklingen ins Spiel: Sie dienen dazu, Menschen physisch zu verletzen, die Sticker mit rassistischen und rechtsextremen Motiven und Aussagen entfernen wollen. Dass dies ein direkter Angriff der rechten Szene gegen Menschen ist, die von Rassismus betroffen sind und Menschen, die sich mit ihnen solidarisch zeigen, liegt auf der Hand. Zur Erfassung solcher rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle in Marzahn-Hellersdorf, gibt es die antirassistische Registerstelle, welche die Fälle aufnimmt. Eine solche Registerstelle gibt es nicht nur in Hellersdorf, sondern in allen Bezirken Berlins. Da die Erfassung von Vorfällen leider bei vielen Kiezen hinterherhinkt, hat die ASH selbst auch eine Registerstelle eingerichtet.

Unser Rundgang führt uns weiter auf den Place Internationale, eine Brachfläche, welche unter anderem von Künstler*innen genutzt wird und wo Kontakt zu den Anwohner*innen gesucht wird. In unmittelbarer Nähe befindet sich das ehemalige Max-Reinhardt-Gymnasium, welches seit 2013 als Notunterkunft für Geflüchtete genutzt wird. 2013 gab es für die Planung der Notunterkunft eine öffentliche Informationsveranstaltung, ursprünglich für Anwohner*innen des Kiezes. Doch es kam anders. Neonazis aus ganz Berlin sowie die «Bürgervereinigung Marzahn-Hellersdorf», in der auch NPD-Mitglieder (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) aktiv waren, mobilisierten sich getarnt als «Anwohner*innen» gegen die Unterkunft und die Menschen, die dort einziehen sollten. Hellersdorf wurde immer mehr als «Nazi-Kiez» gesehen. Viele Menschen aus der Zivilgesellschaft versuchten sich dem entgegenzusetzen. Auch die ASH beteiligte sich und bot Lehrveranstaltung für alle Interessierte in der Unterkunft an. Es wurden Praktikumsstellen für Studierende geschaffen, aber auch viel freiwillige Arbeit wie beispielsweise Hausaufgabenhilfe geleistet.

Auf dem Weg zurück an die Hochschule beschäftigen mich viele Fragen. Ich merke, dass ich nie so nahe am Thema Rassismus und Rechtsextremismus war wie an der ASH. Dieser Kiezspaziergang hat den nötigen Bogen zur Praxis geschlagen und ich erinnere mich an die Diskussionen im Seminar zum Thema «Haltung gegen Rechts in der Sozialen Arbeit» und dass Schweigen und Wegschauen nicht das Ziel sein kann. Wenn sich Soziale Arbeit eine Menschenrechtsprofession nennen will, braucht es Menschen in dem Beruf, welche hinschauen und sich positionieren. Vor allem gegen rechts.

Ich laufe in die Hochschule und erinnere mich an das Banner, welches an der Fassade hing. Ich fasse in meine Hosentasche wo in Zukunft hoffentlich immer genügend Stickers sein werden, um rechtsextreme Aussagen zu überkleben.


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