Mariana in der Küche des Haus der Solidarität

Eat the world – Stop food waste

Die Studentin Mariana berichtet über ihr Auslandpraktikum in Brixen.

Haus der Solidarität (HdS) heisst die Organisation in welcher ich während fünf Monate mein zweites Praktikum als angehende Sozialarbeiterin absolviere. Der Name sagt schon viel über das Haus aus. Es soll ein Ort für alle sein und Menschen, die durch das Sozialnetz gefallen sind, ein Zuhause und sozialarbeiterische Unterstützung bieten. Unbürokratische Hilfe zur Selbsthilfe ist dabei der Leitgedanke und die Bewohner werden liebevoll Gäste genannt.

Momentan kommen unsere Gäste aus mehr als zehn verschiedenen Ländern und gehören unterschiedlichen Kulturen und Glaubensrichtungen an. Die Gründe, aus denen sie nun bei uns sind, könnten unterschiedlicher nicht sein. Von Geflüchteten über psychisch kranke Menschen, Obdachlose, Familien, Menschen mit Suchtproblematiken, Exhäftlingen bis hin zu älteren Personen, welche von Altersarmut betroffen sind und mehr, ist alles vertreten.

Und genauso kunterbunt, wie die Gäste des HdS sind, ist auch sein Essen. Da wir nur eine Küche und 55 Gäste haben, ist eine der wenigen Regeln, dass niemand nur für sich kochen darf. Eine oder zwei Personen kochen immer für die ganze Hausgemeinschaft inklusive Mitarbeitenden.

Die Gäste können sich für einen Kochdienst melden, dafür müssen sie dann keinen Putzturnus übernehmen.

So kommen wir jeden Tag in den Genuss von Essen aus einem anderen Land, ja sogar von einem anderen Kontinent. Alle Mitarbeitenden haben ihren Lieblingstag, was das Essen angeht. Meiner ist der Freitag, wenn ein Ehepaar aus Äthiopien für uns kocht.  

Eine weitere Besonderheit unsere Küche ist, dass wir fast ausschliesslich mit «geretteten» Lebensmittel kochen. Drei Mal wöchentlich fahren Ehrenamtliche verschiedene Supermärkte in der Umgebung ab und bringen uns dann Essen, welches schon über dem Verkaufsdatum liegt, aber noch geniessbar ist. Gemeinsam mit einer Zivildienerin habe auch ich einen wöchentlichen Kochturnus übernommen.

Es macht Spass, mal von einer anderen Seite an das Kochen ranzugehen. Denn normalerweise überlege ich, was ich kochen möchte und gehe dann dafür einkaufen. Hier schauen wir, was gerade hier ist und überlegen uns dann, was wir daraus leckeres zaubern können. Kreativität und Improvisation sind gefragt.

Der für mich schönste Nebeneffekt ist, dass man sowohl während des Kochens als auch Essens mit den Gästen ins Gespräch kommt und so mehr über ihre Person und Kultur erfahren kann. Man sagt nicht umsonst: Essen verbindet.


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