Studentin Debora berichtet von ihrem Auslandspraktikum in Lesbos

Stell dir vor, du musst aus politischen oder persönlichen Gründen aus deiner Heimat flüchten. Sei es zum Beispiel aufgrund deiner sexuellen Orientierung oder weil du seit Kind Opfer von Menschenhandel oder Sklaverei bist. Du verlässt deine Heimat, in welcher du Familie und Freunde hast. Du gehst und hoffst auf ein sicheres Leben. Du nimmst einen harten Weg auf dich und dann endlich die Freude, wenn du es schaffst in Griechenland anzukommen. Dich erwartet eine neue Welt, eine neue Kultur, eine andere Sprache und du bist umgeben von Menschen, die du nicht kennst. Innerhalb von wenigen Tagen gibst du dein Interview und anschliessend hoffst du, dass dein Antrag auf Asyl angenommen wird. Über das Verfahren und deine Rechte wirst du im besten Fall kurz informiert. Du hoffst nun auf einen positiven Bescheid und in der Zwischenzeit musst du dich an einem fremden Ort mit tausenden von anderen Menschen unter unmenschlichen Bedingungen zurechtfinden.

Die Freude ist gross, wenn du einen positiven Bescheid bekommst. Du bist deinem Ziel bereits einen Schritt näher und du hast Hoffnung, dass alles seinen Weg gehen wird. Jetzt heisst es abwarten, bis du deinen Pass und deine ID bekommst, denn ohne die Dokumente kommst du nicht weiter. Doch dieser Prozess dauert länger als erwartet und zusätzlich musst du dich der Herausforderung stellen, dass du als anerkannter Flüchtling keine Unterstützung «mehr» vom Staat erhältst. Nach Monaten der Warterei ist deine erste Freude verflogen und dir bleibt nur die Hoffnung, dass du deine Dokumente so schnell wie möglich erhältst. Doch was sind die Optionen, wenn du deinen Pass endlich hast?

In den Grossstädten von Griechenland ist das Leben nicht einfach, du fängst wieder von vorne an ohne Geld, ohne Haus, ohne Job und ohne Unterstützung. Die einzige Unterstützung die du eventuell finden wirst, sind NGO’s. Und auch die Idee, in einem anderen Land neu zu starten, ist alles andere als Glamourös. Denn dies bedeutet, in einem anderen Land Asyl zu beantragen und bei 0 zu starten. Zudem besteht das Risiko, dass dieser Antrag abgewiesen wird und man ohne nichts dasteht. 

Eine Realität, mit welcher all die geflüchteten Menschen in Griechenland auskommen müssen. Die Realität, dass Aufklärung über den Prozess und die Rechte nicht stattfindet. Die Realität, dass es keine adäquate Integration gibt und die Realität, dass alle auf sich selbst gestellt sind und sich in einem Teufelskreis von Hoffnung und Freude befinden. Und nicht zu sprechen von der fehlenden Unterstützung für Menschen, welche abgewiesen wurden und Jahre auf der Insel Lesbos gefangen sind.