Fiona Gisler und Daniela Wirz, Mitarbeiterinnen der ZHAW Soziale Arbeit, berichten vom Besuch der WSU School of Social Work aus Detroit.

Was mit einem Sabbatical in Zürich und einem Besuch in Detroit begann, wurde vergangene Woche mit einem Gegenbesuch einer Delegation der Wayne State University School of Social Work aus Detroit an der ZHAW Soziale Arbeit weitergeführt. Der viertägige Austausch war intensiv und hat das gegenseitige Interesse an einer Zusammenarbeit bestärkt.

Zehn Teilnehmende einer Austauschwoche stehen für ein Foto vor einer weissen Wand in einem Sitzungszimmer im Toni-Areal.

Nach ihrer Ankunft wurden unsere vom Jetlag gezeichneten Gäste durchs Toni Areal geführt und dabei in den lebhaften Campus-Alltag und die Geschichte der ehemaligen Molkerei eingeweiht. Ein offener Workshop mit diversen Präsentationen bildete den Auftakt zu intensiven Austauschtagen. Insbesondere die Beiträge unserer Gäste zur Praxisausbildung, Aufbau und Arbeit des Zentrums für Sozialarbeitsforschung sowie über ein aktuelles «Theory to Action»-Forschungsprojekt zur Prävention von Jugendgewalt in Beziehungen, stiessen auf reges Interesse und führten zu aufschlussreichen Diskussionen. In den nachfolgenden Meetings in thematischen Kleingruppen wurden zukünftige Kooperationsprojekte angedacht.

Der Besuch der Praxisorganisationen bildete eines der Highlights. Der Strichplatz am Depotweg mit der vor Ort aktiven Frauenberatung «Flora Dora» sowie der patrouillierenden «sip» (Sicherheit, Intervention, Prävention) bot mit seiner offenen und wertschätzenden Atmosphäre einen deutlichen Gegensatz zum Setting der aufsuchenden Sozialarbeit im horizontalen Gewerbe von Detroit. Die Jugendberatung Streetwork, insbesondere deren Möglichkeit zur Drogenüberprüfung , sowie das arud Zentrum für Suchtmedizin Stampfenbach, u.a. mit seiner Heroinabgabe, haben unsere Gäste sichtlich beeindruckt und uns eindrücklich vor Augen geführt, wie sehr diese sozialen Organisationen historisch geprägt sind.

Drogensüchtige sitzen konsumierend auf einem Gleis am Letten in Zürich.

Drogenszene am Letten zu Beginn der 1990er Jahre. Quelle: SRF

Der Steg am oberen Letten mit vielen Leuten die in der Limmatbaden oder sich sonnen.

Unterer Letten heute. Quelle: Tagesanzeiger, Nicola Pitaro

Beim gemeinsamen Abendessen im Restaurant Schipfe 16 (ein Arbeitsintegrationsangebot der Stadt Zürich) wurden all die Eindrücke lebhaft diskutiert und mit der Situation in Amerika verglichen. Gemeinsam zog man ein Fazit über den Besuch in Zürich. Es wurden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Hochschulen hervorgehoben. Dabei staunte man aus amerikanischer Sicht vor allem über die äusserst progressiven Praxisorganisationen in der Schweiz. Daneben wurde Freude über persönliche Begegnungen ausgedrückt und es wurden neue Kooperationen geplant.

Beeindruckt, zufrieden und etwas erschöpft wurde Abschied genommen. Eines war jedoch allen Beteiligten klar: Mit diesem Besuch wurde ein weiterer Grundstein für die zukünftige Zusammenarbeit gelegt.

Gruppenbild am Zürcher Letten vor einer Wand mit einem farbigen Graffiti.