Dominique Spörri  berichtet von ihrem Auslandpraktikum in Brasilien.

Ich bin sehr glücklich hier in Brasilien. Es gefällt mir sehr gut und ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung, mein Praktikum hier zu absolvieren. Ich gebe zu, dass es nicht für jeden passend ist. Man muss Herausforderungen mögen und man muss damit klarkommen, sprachlich, kulturell, arbeitstechnisch und im Alltag immer und immer wieder ins kalte Wasser geschubst zu werden.

Zuerst werde ich etwas über meine Arbeit hier in Brasilien erzählen, damit ihr besser versteht was ich hier mache und wo ich überhaupt bin.

Selfie von 5 Jugendlichen aus einem Kinderheim in Brasilien und einer Praktikantin aus der Schweiz

Ich studiere Soziale Arbeit im 5. Semester. Hier in Brasilien absolviere ich mein zweites Praktikum in einer Institution für Kinder und Jugendliche, die auf der Strasse lebten oder aus schwierigen Familienverhältnissen stammen. Das Projekt «Fundação Educacional Meninos e Meninas de Rua Profeta Elias», weil dies auch der geläufige Name hier ist, befindet sich in einem kleinen Dorf namens Quatro Pinheiros, 1.5 Stunden der 3 Millionen Stadt Curitiba entfernt. Die Institution ist sehr schön gelegen inmitten der Natur mit viel grün, Tieren und Pflanzen. Hier leben momentan 32 Kinder und Jugendliche, nach Alterverteilt auf zwei Häuser.

Ich wohne ebenfalls hier in der Institution. Das Leben hier ist simpel. Ein Bett zum Schlafen, Reis und rote Bohnen zum Mittagessen und Abendessen und zum Frühstück schwarzer Kaffee mit viel zu viel Zucker. Was braucht man mehr? 🙂

In der Institution arbeiten insgesamt 16 ErzieherInnen, 4 Köchinnen, eine Raumpflegerin und eine Sehnora, die für die Wäsche zuständig ist. Die Tagesschicht der ErzieherInnen dauert vom 8:00 Uhr morgens bis 20:00 Uhr abends, die Nachtschicht von 20:00 Uhr bis 8:00 Uhr. Die ErzieherInnen arbeiten in einem 36 Stunden Rhythmus: 12 Stunden durcharbeiten und danach 36 Stunden frei. Das Fachteam bilden eine Psychologin, zwei Sozialarbeiterinnen, 3 Pädagoginnen, zwei Koordinatorinnen, zwei Fachleute, die für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen verantwortlich sind und ich, Praktikantin in Sozialer Arbeit.

Für mich war es am Anfang schwierig herauszufinden, wie hier alles funktioniert. Leider ist es hier nicht üblich, dass man eingearbeitet wird, sondern man muss alles selber herausfinden und erfragen. Man wird nicht dem Team vorgestellt und in die Arbeit eingeführt, sondern man schaut zu, beobachtet, lernt und macht einfach mal.

Die Tagesstruktur und die Arbeitsmoral sind hier anders als in der Schweiz. Doch auch dies war keine Überraschung für mich. Einerseits ist es anfangs schwierig, weil man die Sprache und die Umgangsformen nicht versteht. Mit viel Geduld lernt man aber jeden Tag dazu. Doch diese lockere Tagesstruktur, ich nenne es jetzt mal so, bringt auch viele Vorteile mit sich. Denn ich kann so das Programm flexibel gestalten und meine Ideen einbringen und umsetzten.