Sophia Bauer, Bachelorstudentin, berichtet von ihrem Auslandpraktikum in der Jugendbewährungshilfe in Berlin.

Seit zwei Monaten bin ich bereits als Praktikantin in der Jugendbewährungshilfe in Berlin tätig. Die Arbeitsweise der Allgemeinen Bewährungshilfe in der Schweiz scheint sich nicht stark zur Arbeitsweise Deutschlands zu unterscheiden. Die Arbeit mit Jugendlichen gestaltet sich wohl aber ein bisschen anders, da es in der Schweiz weder Bewährungshilfe noch Straffvollzug für Jugendliche gibt. Schon fast paradox scheint mir daher, dass in der Schweiz Personen ab zehn Jahren als strafmündig gelten, in Deutschland hingegen erst ab 14 Jahren.

Empfangsraum der Bewährungshilfe Berlin mit orangen Stühlen

In den letzten zwei Wochen habe ich jedoch festgestellt, dass diese kleinen Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland nichts im Vergleich zu den Differenzen der Jugendbewährungshilfe in Berlin und Kalifornien sind.

Unsere Abteilung führt zurzeit ein Austauschprojekt mit der Jugendbewährungshilfe aus Kalifornien durch. Elf BewährungshelferInnen aus den USA kamen für zwei Wochen nach Berlin und konnten bei Projektbeteiligten übernachten. Die Idee ist, dass die BewährungshelferInnen einen Einblick in die Arbeitsweise und das System der Jugendbewährungshilfe in Berlin bekommen. Aus diesem Grund besuchten sie möglichst viele Institutionen: darunter die Hauptzentrale und die Aussenstellen unserer Abteilung, dieAlice Salomon Hochschule, das Gerichtdie Staatsanwaltschaft, die Jugendgerichtshilfe, freie Träger wie beispielsweise die Asylberatungsstelle, sowie den Strafvollzug und den Jugendarrest. Aber auch ein bisschen Sightseeing musste natürlich sein. Im Sommer werden die Rollen getauscht und elf Sozialarbeitende aus Berlin fliegen nach Kalifornien.

Im Austausch mit den sogenannten «Juvenile Probation Officer» habe ich vieles über ihre Arbeit erfahren. Faszinierend ist, dass sie in diversen Stellen / Arbeitsbereichen eingesetzt werden. Die einen arbeiten im Bootcamp, andere im geschlossenen Strafvollzug oder im Jugendheim. Mir wurde erklärt, dass weitere im Büro hinter dem Schreibtisch sitzen und andere sogar in Uniform und Blaulicht auf «Streife» sind.

Lohntechnisch wäre es wohl eine Überlegung wert, nach Kalifornien zu ziehen. Das Gehalt ist unglaublich viel höher als in Berlin. Es sei jedoch auch ein sehr gefährlicher Job. Es gibt viele Gangs und die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen ist sehr hoch. Aus diesem Grund ändern einige «Juvenile Probation Officer» ihren Heimweg immer etwas ab. So können sie nicht so einfach abgepasst werden. Waffen besitzen sie alle. Aber gut, Waffen haben wohl ohnehin die meisten in Kalifornien.

Nur schade, dass ich nicht Teil dieses Projektes bin und nicht mitfliegen kann. Da muss mir mein Austausch nach Berlin fürs erste wohl genügen 🙂