Bachelorstudentin Manuela berichtet von ihrem Praktikum in Ecuador.

Intensive vier Monate liegen hinter mir. Ich behalte den Umgang mit Menschen mit Alzheimer an meinem Praktikumsplatz als sehr positiv in Erinnerung. Nebst meiner Arbeit konnte ich Land und Leute intensiv erleben. Ich wurde oft von Arbeitskolleginnen und Freunden und Freundinnen zu Geburtstagen und Familienfeiern eingeladen, habe Wanderungen auf Vulkane unternommen und viel getanzt.
Ein Highlight war das Wochenende in Huamboya im Amazonasgebiet. Familienangehörige einer Arbeitskollegin leben dort als einfache Bauern, die zu 100 % Selbstversorger sind. Sie gehören den Shuar, dem zweitgrössten Stamm nach den Kichwas, an. Ihre Sprache ist Shuar. Insgesamt wohnen etwa 20 Familien mit ungefähr 150 Personen in diesem Dorf.

Bei der Ankunft morgens um zwei Uhr wurde mir eine Fischsuppe serviert. Ich war so müde, dass ich nur wenig davon essen mochte. «Macht nichts», meinte der Vater, «du kannst sie morgen zum Frühstück fertig essen». Es kostete mich etwas Überwindung, wenn ich sah, wie alle mit den Händen assen und alles Übriggebliebene von unseren Tellern zurück in die Pfanne geworfen wurde. Zudem tranken wir alle aus derselben Schale «Chicha», ein süsslich saures Getränk aus Yucca und Wasser. Ich habe vor dem Essen ein stilles Stossgebet zum Himmel geschickt und war dankbar, dass mein Magen in keiner Weise rebellierte. Mir ist neu bewusst geworden, in welcher Wegwerfgesellschaft ich lebe und wie hart das Leben der Menschen dort ist.

Morgens um vier Uhr stehen die Leute auf. Die Frauen bereiten das Frühstück zu und verbringen den ganzen Tag mit waschen und kochen, während die Männer den Urwald mit der Machete bändigen und bewirtschaften.

Die Familie, insgesamt waren etwa zwanzig Personen anwesend, kennt ausser mir keine Ausländer. Beim Nachtessen war der Vater sehr gesprächig und hat mir viele Fragen über unsere Kultur gestellt. Er scheint mit seinem Leben zufrieden und meinte, das einzige, was ihnen fehle, sei Geld. Aber weil sie ausschliesslich von dem leben würden, was das Land und die Tiere hergeben, gehe es ihnen gut. Am Sonntag unternahmen wir eine kleine Wanderung zum Rio Chiguaza, wo wir uns bis auf die Unterwäsche auszogen und ein Bad genossen.

Nicht nur dieses Wochenende, sondern der ganze Aufenthalt in Ecuador wird mir in unvergesslicher Erinnerung bleiben. Ich erachte es als riesiges Privileg, dass ich mein Praktikum im Ausland absolvieren durfte und sich mein Lebensrucksack mit unzähligen wertvollen und reichen Erfahrungen gefüllt hat.