Nicola Keller, Bachelorstudent, berichtet von seinem Austauschsemester in Berlin.

In Berlin angekommen musste ich eines schnell verstehen: Berliner können ganz schön unfreundlich sein. Meiner Erfahrung nach bedeutet Ausland oft auch sehr offene und freundliche Leute. Hier in Berlin ist das meiner Meinung nach anders. Gerade Urberliner neigen dazu, ganz schön unfreundlich zu sein.

Als ich noch nicht allzu lange in Berlin war wollten eine Freundin und ich uns in einer Bar nach draussen setzten. Draussen hatte die Bar einen Tisch der Platz für ca. 10 Leute hatte. Ganz der freundliche Schweizer fragte ich die zwei Personen, die bereits dasassen, ob wir uns setzen könnten. Als Antwort kam ein knappes aber bestimmtes: «Nee, eigentlich nicht». Leicht irritiert hackte ich nach, die Antwort blieb dieselbe. Einen Grund konnte ich nicht feststellen.

In den Einführungstagen an der Alice Salomon Hochschule wurden wir dann davor gewarnt, dass Berliner ganz schön unfreundlich sein können. Es wurde uns geraten, möglichst schlagfertig damit umzugehen und auch mal zurückzugeben. Dieser Ratschlag stellte sich als besonders wichtig heraus.

Was genau mit dem Ratschlag gemeint war, erfuhr ich, als ich an einem Currywurststand stand. Ein junger Mann wollte seine Currywurst mit einem 50 Euro Schein bezahlen. Der Besitzer des Standes reagierte gereizt, fragte weshalb der junge Mann denke er könne hier mit 50 Euro bezahlen und beklagte sich darüber, dass er nicht genügend Geld verdiene, um auf den 50er Schein herausgeben zu können. Der junge Mann konterte, er würde sonst mit 100 Euro zurückkommen und ihm seinen ganzen Stand abkaufen, wenn dieser so schlecht rentiere, worauf die beiden lachten und er sein Rückgeld bekam.

Nach nun schon über einem Monat in Berlin habe ich gemerkt, dass die Berliner Unfreundlichkeit eben auch seinen Charme hat. Die Schlagabtausche die sich immer wieder ergeben, werden mit viel Witz geführt und enden meist in einem Schmunzeln. Auch wenn es anfangs schwer zu verstehen war, habe ich mich langsam daran gewöhnt, es sogar zu schätzen gelernt.

Übrigens bin ich nicht der Einzige, dem die mangelnde Freundlichkeit in Berlin aufgefallen ist. Auch Berliner beklagen sich hin und wieder darüber:

«Wir Berliner haben ein Problem mit der Freundlichkeit»
«Berliner Unfreundlichkeit»
«Berlin, wo Freundlichkeit Schwäche ist»