Dominique Melissa Rieser berichtet von ihrem Auslandpraktikum in Windhoek, Namibia.

Für mein Auslandpraktikum in Namibia hatte ich alles in der Tasche: Learning Agreement, Flug, Unterkunft, nur das Visum fehlte noch. Sorgen diesbezüglich machte ich mir nicht, warum denn auch? Ich habe dieses im Oktober beim namibischen Konsulat in Genf beantragt. Naja, falsch gedacht. Die Monate vergingen wie im Fluge und kein Lebenszeichen vom Konsulat. Ich entschied mich daher dort mal anzurufen und nachzufragen.

Der Konsul, ein ganz flotter Kerl, gab mir breitwillig Auskunft und meinte, ich müsse mich noch etwas gedulden, meine Unterlagen seien im Ministry of Home Affairs in Windhoek, werden dort geprüft und er melde sich wieder. Die folgenden drei Monate lassen sich eigentlich ganz einfach beschreiben: Dreimal pro Woche rief ich den hilfsbereiten Herrn vom Konsulat an und unsere zu Beginn zweckorientierten Telefonate veränderten sich schnell zu freundschaftlichem Smalltalk und ich muss gestehen, ich vermisse sie mittlerweile schon fast ein bisschen.

Das einzige sehr grosse Problem war, dass von meinem Visum bis 10 Tagen vor Abflug noch weit und breit keine Spur war. Während mein Freund beim Konsulat bis anhin immer sehr optimistisch gestimmt war, rief er mich ganz zu meinem Erstaunen am Tag X an und meinte, dass es schlecht aussehe und dass ich mein Visum nicht mehr kriege.

Meine Nerven lagen blank und ich bastelte mir schon irgendwie einen dürftigen Plan B zusammen. Den Tränen nahe sass ich im Tram als mein Handy klingelte und die 022 Nummer liess mich schon erahnen, wer mich hier zu erreichen versuchte. Der Konsul, dessen Name ich bis heute nicht kenne, informierte mich darüber, dass das Ministry in Windhoek angerufen und mein Visum «approved» hat. Ich konnte es kaum glauben und brach im überfüllten 13er-Tram in Tränen aus. Mein Freund der Konsul verstand die Welt nicht mehr, gleich wie mein Sitznachbar, der mir irgendwann mal ganz dezent ein Taschentuch reichte.

Genau 4 Tage vor meinem Abflug nach Windhoek, ganz African-Time-like, erhielt ich meinen Pass mit einem wunderschönen Stempel darin zurück und jetzt konnte das Abenteuer Namibia definitiv losgehen.