Bachelorstudentin Aurelia berichtet von ihrem Auslandsemester in Berlin.

Klischee Nr. 1: In Berlin tragen alle schwarz
Vielleicht weil ich selbst sehr oft schwarz trage, fühlte ich mich mit meinen Klamotten für diese Grossstadt gewappnet. Schon nach wenigen Tagen in Berlin merkte ich, dass das mit dem «in Berlin tragen alle ausschliesslich schwarz» so nicht ganz stimmt. Dieses Phänomen fiel mir auf, ja, aber eher abends, in Biergärten oder Technoclubs.

Farbenfrohe Traineranzüge, gemusterte Schlaghosen kombiniert mit gestrickten Socken, übergrosse Pullover… In dieser bunten Stadt kann meines Erachtens jedes Outfit getragen und nichts falsch gemacht werden.
Mich in ein Strassenkaffee in Friedrichshain zu setzen und Menschen in ihrer unglaublich vielfältigen Garderobe zu betrachten, schon das finde ich hier äusserst interessant.

Bild: Kreutzigerstrasse im Bezirk Friedrichshain

Klischee Nr. 2: Die «Berliner Schnauze» ist allgegenwärtig
Mehrmals gelesen und gehört. Bewohner*innen Berlins bedienen sich offenbar einer eher derben und unhöflichen Sprache. Gewiss musste ich manchmal nachfragen, wenn die Bäckerin genuschelt hat. Ich wurde jedoch, seit ich in Berlin angekommen bin, noch kein einziges Mal «angeschnauzt».

Ich bemerkte jedoch, dass in Berlin nicht gross drum herumgeredet wird. Mit Unhöflichkeit hat das nichts zu tun. Wer eine Frage stellt, bekommt eine einfache und klare Antwort. Ist mit der Berliner Schnauze womöglich diese Direktheit gemeint?

In der Schweiz, wo die Menschen sehr um Höflichkeit bemüht sind und Worte wie «Dankä» und «Bitte» schon früh zum Wortschatz eines jeden Kindes gehören, könnte dies vielleicht als uncharmant bezeichnet werden.

Ich persönlich jedoch mag diese Direktheit sehr und muss über fluchende und gleichzeitig äusserst wortgewandte Hausmeister, die es wirklich gut meinen, einfach nur schmunzeln.

Bild: Kulturdachgarten Klunkerkranich im Bezirk Neukölln

Klischee Nr. 3: Berlin ist grau und ungepflegt
Bevor ich das erste Mal nach Berlin reiste, hatte ich keine grossen Erwartungen an die Stadt. Heute wage ich zu behaupten, dass der, welcher meint, Berlin sei grau und hässlich, diese Stadt wahrscheinlich von einer falschen Seite kennen gelernt oder einfach nur Pech mit dem Wetter hatte.

Wohl gibt es unter Brücken, in Bahnhöfen oder Industriegebieten graue, ungepflegt und nach Urin stinkende Orte (wie in jeder Grossstadt), es überwiegen jedoch farbige, mit Kunst bemalte Fassaden, von Bäumen gesäumte Strassen und Bezirke voll von Strassenkaffees und Restaurants. Ausserdem gibt es verschiedenartigen Flohmärkte und kulturellen Angebote, wo das Auge hinreicht. Schon nach nur kurzer Zeit ist für mich eines klar: Berlin, ich mag dich!

Bild: Teufelsberg im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf