{"id":3290,"date":"2020-07-10T11:45:41","date_gmt":"2020-07-10T09:45:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/?p=3290"},"modified":"2021-10-13T17:12:13","modified_gmt":"2021-10-13T15:12:13","slug":"durchstarten-mit-dem-startup-waehrend-dem-ausnahmesemester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/durchstarten-mit-dem-startup-waehrend-dem-ausnahmesemester\/","title":{"rendered":"Durchstarten mit dem Startup w\u00e4hrend dem Ausnahmesemester"},"content":{"rendered":"\n<p>Nicolin Gauler ist Masterstudent in der Vertiefung Applied Computational Life Sciences an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. Nicolin erz\u00e4hlt im Interview, wie er w\u00e4hrend dem Ausnahmesemester seinen zweiten Masterabschluss angeht, am Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich arbeitet und nebenbei ein Startup gr\u00fcndet. Und nun \u00fcberlegt, ob er noch doktorieren soll. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em>Ciao Nicolin, erz\u00e4hl mal wie es f\u00fcr dich im vergangenen Semester in dieser speziellen Lage war und wie es dir so erging.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mir ging es generell sehr gut. Die Umstellung auf digital kam sehr schnell. Aber das war f\u00fcr mich kein Problem, da ich schon immer eher so als konventionell gelernt habe. Daher hatte ich nicht besonders M\u00fche damit. Zudem studiere ich Teilzeit an der ZHAW, weshalb es bei mir nur ein kleineres Pensum von knapp zwei Tagen betraf. Aber am st\u00e4rksten habe ich Ver\u00e4nderungen in der Phase wahrgenommen, in der ich an einem Projekt im Rahmen des <a href=\"https:\/\/www.de.versusvirus.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hackathon \u00abVersusVirus\u00bb<\/a> anfangs April mit Mitstudenten der ZHAW teilgenommen habe. Der 48 Stunden Sprint hat sich mit Herausforderungen rund um Covid19 befasst. Daraus entstand unser Fokus auf das Problem, dass Krankenh\u00e4user keine automatisierte Echtzeit-\u00dcberwachung f\u00fcr das Ressourcen Management rund um die Intensivpflegepl\u00e4tze haben. Wir haben dann das Konzept <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/en\/lsfm\/about-us\/topical-media\/news\/detailed-view\/event-news\/versusvirus-project-carefinder-real-time-monitoring-of-available-beds-for-intensive-care-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CareFinder<\/a> ausgearbeitet und mit einem Prototypen getestet. Aus diesem Projekt heraus habe ich mich vor rund zwei Monaten entschieden, parallel zum Studium, ein Startup zu gr\u00fcnden und mich selbstst\u00e4ndig zu machen. Folglich habe ich das Studium etwas limitierter mitverfolgt. Es war trotzdem sehr gut machbar, da das Studium Teilzeit ist. Ich hatte zu Beginn des Projekts noch eine Anstellung am Unispital, weil mir dann diese Stelle, aufgrund der Corona Situation, gek\u00fcndigt wurde, gab mir dies die ganze Kapazit\u00e4t, um mich dem Start-Up Projekt voll und ganz zu widmen. Ich bin zwar jetzt offiziell alleine an diesem Projekt dran, habe gute Unterst\u00fctzung von einem breiten Advisory-Board, wurde k\u00fcrzlich auch von der ZHAW am <a href=\"https:\/\/runway-incubator.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abRUNWAY Incubator\u00bb<\/a> in Winterthur angenommen. In diesem Programm werden Startups mit verschiedensten Coachings und Trainings, sowie Co-Working Infrastruktur, je nach Bed\u00fcrfnis, unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammengefasst ist es das, was ich die letzten zwei Monate gemacht habe. Es ist zwar alles aus dem Studium heraus entstanden, aber eigentlich war es das Projekt und die damit zusammenh\u00e4ngende Startup-Entwicklung, was mein Semester bestimmt hat. Dies wird meine kurz bis mittelfristige Zukunft beeinflussen und begleiten. Ohne das Studium und die gekn\u00fcpften Kontakte im Studium h\u00e4tte sich dieses Projekt nicht ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du warst ja zwei Tage die Woche im Studium eingebunden. Wie hat sich die von Corona beeinflusste Realit\u00e4t auf deine Tagesstruktur ausgewirkt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zu dieser Zeit war ich noch kurz vorher zu 40% Teilzeit im Universit\u00e4tsspital angestellt. W\u00e4hrend der Corona Zeit, also Mitte M\u00e4rz bis Ende April, konnte ich mein Pensum auf 80% erh\u00f6hen. Durch das erh\u00f6hte Arbeitspensum habe ich die Kurse, in Absprache mit meinen Vorgesetzten, oftmals an meinem Arbeitsplatz im Universit\u00e4tsspital nachverfolgt. Ich durfte dort die Infrastruktur nutzen, um mein Studium nachzuverfolgen. Somit war ich m\u00f6glichst schnell im Krankenhaus wieder verf\u00fcgbar, wenn sie mich brauchten. Teilzeit war ich im USZ und der Rest der Zeit war ich zu Hause und habe aus dem Home-Office gearbeitet. Das waren eigentlich meine beiden Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin1-576x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3297\" width=\"334\" height=\"594\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin1-576x1024.jpg 576w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin1-169x300.jpg 169w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin1-rotated.jpg 599w\" sizes=\"auto, (max-width: 334px) 100vw, 334px\" \/><figcaption>Der Arbeitsplatz zu Hause in der WG von Nicolin Gauler (Gauler, 2020)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>Wie k\u00f6nnen wir uns denn deine Arbeitssituation im USZ vorstellen? Hast du einfach deinen Laptop ins Spital mitgenommen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte vor Ort einen Arbeitsplatz mit zwei Bildschirmen und habe meinen privaten Laptop dabei. Je nachdem, welches Fach oder was ich zu tun hatte, habe ich zum Beispiel meinen Laptop Bildschirm geteilt und ein anderes Ger\u00e4t zum Notizen oder Codes erstellen gebraucht. Haupts\u00e4chlich habe ich aber meinen Laptop benutzt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"498\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin-2-1024x498.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3299\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin-2-1024x498.jpg 1024w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin-2-300x146.jpg 300w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin-2-768x374.jpg 768w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin-2-676x329.jpg 676w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/files\/2020\/07\/Arbeitsplatz-Nicolin-2.jpg 1377w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Der flexible Arbeitsplatz auf Abruf von Nicolin Gauler im Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich (Gauler, 2020)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Bist du vor weiteren bestimmten Herausforderungen im letzten Semester gestanden? Hat dir etwas gefehlt oder hast du etwas als besonders schwierig empfunden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was mir am meisten gefehlt hat, war der direkte Austausch mit meinen Mitstudierenden und den Dozenten. Nat\u00fcrlich gab es auch M\u00f6glichkeiten, in Chats oder in Videoanrufen zu sprechen. Nichtsdestotrotz haben mir die kleinen menschlichen Dinge, wie zum Beispiel in der Pause gemeinsam an der frischen Luft einen Kaffee zu trinken, doch sehr gefehlt. Tage, an denen bestimmte F\u00e4cher von neun bis vier gehen, sind schon sehr fordernd. Ganz speziell, wenn man den ganzen Tag zu Hause ist und Pausen im Endeffekt auch wieder alleine verbringt. Das war nicht besonders am\u00fcsant und erschwerte somit umso mehr, die Motivation \u00fcber sechs oder sieben Stunden lang im Unterricht aufrecht zu erhalten. Knapp den ersten Monat hatten wir noch Vorlesungen an der FHNW in Olten. Das war nat\u00fcrlich etwas v\u00f6llig anderes. Dort konnte man nach sp\u00e4testens ca. 45 Minuten immer mit jemandem sprechen, war draussen oder einfach von Menschen umgeben. Fachlich war es eigentlich nur von Vorteil, ganz speziell der technische Aspekt und die damit erschaffenen M\u00f6glichkeiten. Das haben die Dozenten wirklich sehr gut gemacht und super umgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem m\u00fcsste ich hier noch kurz erg\u00e4nzen, dass ich zwar alle Module besucht habe, aber die Pr\u00fcfungen aus diesem Semester verschoben habe. Ich habe einfach meine Priorit\u00e4ten auf das Startup legen wollen. Da war ich transparent und habe nat\u00fcrlich entsprechend mit meinen Dozenten kommuniziert. Dies ist mein zweiter Master und ich habe diesen ausschliesslich aus intrinsischer Motivation, Interesse, und um mich mehr in Data Science einzugeben, angefangen. Entsprechend ging es mir nie nur darum einen Abschluss zu machen, sondern mehr darum, mein Wissen zu erweitern, den Fokus so zu legen, wie es f\u00fcr mich stimmt, und um den akademischen Austausch zu haben. Mittlerweile ziehe ich auch in Erw\u00e4gung ein Doktorat anzuh\u00e4ngen, da ich mich nicht zu weit weg vom akademischen Forschungsbereich weg entwickeln will. Daher fand ich dieses Studium eine gute M\u00f6glichkeit, einen Fuss drin zu lassen, weiter meine Kontakte aufzubauen und \u00e0 jour zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gab es f\u00fcr dich auch Vorteile an dieser Corona-Situation?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, Vorteile gab es ganz klar! Alle, vor allem Dozierende, mussten sich mal mit den digitalen Plattformen auseinandersetzten. Ganz speziell sind das wahrscheinlich auch eher die \u00e4lteren Generationen, die sich in den letzten Jahren wenig mit der Digitalisierung befasst haben und damit auch etwas mehr M\u00fche hatten. Ich glaube, diese Situation war trotzdem sehr wertvoll, dass verschiedene Leute gelernt haben, mit diesen flexiblen M\u00f6glichkeiten umzugehen. Vielleicht beeinflussen diese neuen Erkenntnisse, nicht nur das Studium, sondern grunds\u00e4tzlich die akademische Arbeitsweise. Allenfalls reicht es so weit, dass sich die verantwortlichen Personen in diesem Zusammenhang \u00f6fter fragen, ob es wirklich notwendig ist, dass man eine physische Sitzung oder eine Konferenz h\u00e4lt. Also hinterfragt, ob es bedingt, dass Leute aus allen Erdteilen irgendwohin reisen \u00abnur\u00bb um sich auszutauschen. Vielleicht gibt es auch M\u00f6glichkeiten, statt bei jedem Anlass physisch dabei zu sein, die Zusammenk\u00fcnfte einmal physisch und einmal virtuell durchf\u00fchrt. Ausserdem w\u00e4re es hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt, f\u00fcr die akademische Welt ganz bestimmt ein weiterer Bonus. Schliesslich haben j\u00fcngste Ereignisse ja gezeigt, dass es auch so geht. Selbstverst\u00e4ndlich ist der zwischenmenschliche Kontakt unersetzbar, wichtig und sollte auch nicht vernachl\u00e4ssigt werden. Nichtdestotrotz denke ich, dass es hier trotzdem viel Potential gibt, wo man alles so ausbalancieren kann, damit sich beides potenzieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was sind deine wichtigsten Learnings aus der Corona-Zeit? Hast du etwas getan, das dir half mit dieser Situation besser umgehen zu k\u00f6nnen? Nimmst du etwas mit?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch, dass ich zu Hause war, hatte ich viel Zeit, mich um andere Dinge zu k\u00fcmmern. Ich habe sehr viele Sachen entdeckt, die ich sonst nie gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie zum Beispiel?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe meine Wohnung total begr\u00fcnt, mir eine kleine Liegelounge auf dem Balkon gebaut, Sachen auseinander gebaut und upcyclet. Einfach alles Dinge, f\u00fcr die ich sonst nie oder sehr wenig Zeit (zu Hause) hatte, weil ich viel draussen war, mich mit Freunden getroffen habe, und am Arbeiten war. Also mir war nie langweilig, noch habe ich je sagen m\u00fcssen, dass ich mich eingesperrt f\u00fchle. Nat\u00fcrlich habe ich auch noch das Gl\u00fcck, dass ich einen Balkon habe, der relative ruhig gelegt ist. Ehrlich gesagt, war f\u00fcr mich diese Phase eigentlich eine der besseren Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Lerneffekt, den ich durch das Studium und diese Plattformen wie zum Beispiel MS Teams, Zoom, usw. erfahren durfte, hat mir bei der Weiterentwicklung des Startups und des Netzwerkes selbstverst\u00e4ndlich enorm geholfen. Im Endeffekt war es \u00abnur\u00bb ein Transfer von einem zum anderen Thema, denn die digitalen Hilfsmittel blieben dieselben. Die ganzen Kontakte, die ich in den vergangenen Monaten aufgebaut habe, waren 95% digitale Begegnungen. Ich habe diese Leute noch nie physisch gesehen und es funktioniert. Man kann auch so das Vertrauen aufbauen, eine offene und direkte Kommunikation f\u00fchren. Das empfinde ich als etwas sehr Sch\u00f6nes und Wichtiges, dass solche Dinge m\u00f6glich sind und viele Menschen diese Erfahrung machen durften. Man sch\u00e4tzt den Stellenwert eines physischen Treffens oder die menschliche Interaktion auf diesem Weg noch viel mehr und realisiert vielleicht aber auch, dass dies nicht so selbstverst\u00e4ndlich ist, wie man es die letzten Jahre annahm. Ultimativ hat sich f\u00fcr manche Menschen auch das Bewusstsein ver\u00e4ndert, wie man mit gewissen Menschen umgeht, egal, ob das jetzt jemand aus der Gesch\u00e4ftswelt ist oder irgendjemand auf der Strasse. Ich finde das sehr interessant, dass es auch f\u00fcr mich psychologisch eine Erkenntnis ergab. Heute habe ich einen viel bewussteren Umgang mit meinen Mitmenschen. Unabh\u00e4ngig davon, ob man von seinem Gegen\u00fcber etwas braucht oder nicht. Sondern dass man gemeinsam eine Umgebung teilt, sollte schon genug sein, dass man einem anderen Menschen Wertsch\u00e4tzung entgegen bringt. Diese Zeit hat mir diesbez\u00fcglich als Lerneffekt gedient und ich hoffe, dass das auch bei anderen Menschen etwas vermittelt hat, das sich nachhaltig f\u00fcr unsere Gesellschaft weiterbildet. Genau f\u00fcr solche Gedanken hatte ich viel Zeit und habe mir diese gerne genommen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was nimmst du aus dieser speziellen Zeit mit f\u00fcr die Zukunft? Gibt es etwas, das du dir von der ZHAW f\u00fcr die Zeit nach Corona, dem \u00abneuen Normalzustand\u00bb, w\u00fcnscht?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an das Potential dieses Pilotsemesters, in dem alles digital war. F\u00fcr die nahe Zukunft sollte diese Phase evaluiert und in R\u00fccksprache mit Dozenten, Professoren und den Studenten m\u00f6glichst gut analysiert werden. Die digitalen Erfahrungen der involvierten Parteien im vergangenen Semester bilden dann das Grundger\u00fcst f\u00fcr die Umgestaltung des allt\u00e4glichen Unterrichts und sollte auch in die Semesterplanung einfliessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte anfangen solche Vorteile zu nutzten und zu sch\u00e4tzen wissen, dass beispielsweise die Leute nicht mehr von ihrem Standort abh\u00e4ngig sind. Das ist ebenfalls ein Faktor der entscheidet, ob jemand studieren kann\/will oder nicht. F\u00fcr viele ist es teilweise eine grundlegende Entscheidung, ob sie das Studium an spezifischen Universit\u00e4ten aufgrund Distanzen und der Wohnsituation aufnehmen, denn es ist meistens stark abh\u00e4ngig von finanziellen Mitteln. Das beeinflusst entweder die Bereitschaft zum Pendeln oder zum mehr Miete in grossen St\u00e4dten zu bezahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin der Meinung, dass das Bildungssystem mit den technologischen M\u00f6glichkeiten noch viel inklusiver und gleichberechtigter werden kann. Ganz speziell f\u00fcr Menschen, die nicht dieselben Voraussetzungen von Haus aus mitbringen wie andere. So k\u00f6nnten auch finanziell Schw\u00e4chere genauso gut an einem Studium teilhaben, wie jemand der sich \u00fcber die finanziellen Mittel wenig bis gar keine Gedanken machen muss. Hier k\u00f6nnen diese Erkenntnisse wirklich genutzt werden, um die Zug\u00e4nglichkeit von Ausbildungsst\u00e4tten der Terti\u00e4rstufe sicherzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sicher auch ein weiterer Verbesserungsvorschlag w\u00e4re, ist der Pr\u00fcfungsmodus in den einzelnen Studieng\u00e4ngen. Vielleicht k\u00f6nnte man darauf schauen, dass man mehr und vor allem besser koordinierte M\u00f6glichkeiten den Studierenden dabei bietet. Ich habe diesen Punkt nun oft in meinem Umfeld von Mitstudierenden geh\u00f6rt. Anscheinend war oft weder der Pr\u00fcfungsmodus klar, noch wie die Pr\u00fcfung aufgebaut oder der genaue Ablauf ist. F\u00fcr genau solche Erfahrungen w\u00e4re ein standardisiertes Protokoll sehr von Vorteil. Darin k\u00f6nnte jede Universit\u00e4t sicher einmal die Grundbedingungen schaffen und nachher in einem f\u00f6deralistischen Prinzip jedes Departement eigenst\u00e4ndig umsetzen lassen. Ich f\u00e4nde das sehr wichtig, dass das mit einer sehr hohen Transparenz passiert, so dass Studenten von Anfang des Semesters schon wissen, wie die Pr\u00fcfungsarten aussehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sollte man das jetzt nat\u00fcrlich nicht als Vorwurf aufnehmen, da dies das erste Mal f\u00fcr alle Involvierten war. Nichtdestotrotz bin davon \u00fcberzeugt, dass man voneinander lernen kann, wenn man zusammensitzt. Die Chancen st\u00fcnden am besten, wenn man innerhalb der einzelnen Departemente ein Gremium bilden w\u00fcrde, das sich mit der Digitalisierung an der Ausbildungsst\u00e4tte auseinandersetzt. Das gemeinsame Arbeiten mit Studenten, Dozenten und Studentenvereinigungen an Zielvorgaben, die einen m\u00f6glichst transparenten Prozess erarbeiten, der ultimativ f\u00fcr alle Beteiligten mit der besten oder zumindest angenehmsten Situation endet. Das w\u00e4ren meine Erwartungen an die ZHAW: dass sie da N\u00e4gel mit K\u00f6pf machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schliesslich r\u00fchmt sich die ZHAW auch mit dem Digitalen, vor allem unser Studiengang, der genau f\u00fcr die Nachfrage der Digitalisierung konzipiert wurde. Und trotzdem ist das Studium noch sehr analog unterwegs. Beispielsweise musste ich ganz am Anfang des Studiums alle Studienvereinbarungen und Formulare analog ausf\u00fcllen. Nat\u00fcrlich konnte ich die Unterlagen auch via PDF ausf\u00fcllen aber das war auch nicht wirklich sehr vorteilhaft. Ich musste meine zuvor gesammelten ECTS Punkte alle einzeln eintragen, von Hand zusammenz\u00e4hlen, mich durch diese Seiten durchk\u00e4mpfen und habe mich gef\u00fchlte 100 Mal verrechnet. Es ist nicht nur sehr wichtig, hoch gesteckte Ambitionen zu haben, man sollte auch diese kleinen Schritte machen, um einen Prozess ganzheitlich digitalisieren zu k\u00f6nnen. Es f\u00e4ngt immer dort an, wo die Leute tagt\u00e4glich durch einen gewissen Prozess durchm\u00fcssen. Das sind ja schliesslich Menschen, die in der Studienkoordination arbeiten, aber auch Professoren, Dozenten und Studenten, die von einem vereinfachten Prozess profitieren w\u00fcrden. Ich finde schon, dass das etwas ist, das die ZHAW zukunftsorientiert und noch mehr wirtschaftsaffin machen w\u00fcrde. Ich habe die ETH vorher erlebt. Das sind zwei v\u00f6llig unterschiedliche Arten, eine Institution zu f\u00fchren und akademische Bildung zu vermitteln. Das Eine sehr auf Grundlagenforschung und theoretisches Wissen basiert und das Andere hat eher den direkten Bezug zur Wirtschaft. Dementsprechend finde ich, trotz agileren Strukturen, sollte die ZHAW auf solche Bed\u00fcrfnisse schneller eingehen k\u00f6nnen. Da kommt vielleicht auch die Herausforderung, dass die ZHAW eher wie ein Unternehmen gemanagt wird, als wie eine Universit\u00e4t\/ETH, in den Professoren und Dozenten viel mehr Eigenverantwortung haben. Ich glaube das ist die grosse Herausforderung in den n\u00e4chsten Semestern, um die neuen Erkenntnisse in den Alltag einfliessen zu lassen und vor allem einen transparenten Prozess zu erarbeiten.<\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/tag\/hackathon\/\">Hackathon<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/tag\/lockdown\/\">Lockdown<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/tag\/mindfulness\/\">Mindfulness<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/tag\/online-studium\/\">Online-Studium<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/tag\/remote-learning\/\">Remote Learning<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/papierlosesstudium\/tag\/startup\/\">Startup<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicolin Gauler ist Masterstudent in der Vertiefung Applied Computational Life Sciences an der ZHAW Life Sciences und Facility Management. 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