Der stille Beifang menschlicher Aktivität
Walhaie filtern täglich grosse Wassermengen, um Plankton zu fressen. Dabei nehmen sie zwangsläufig auch mikroskopisch kleine Plastikpartikel auf. Diese können sich im Körper anreichern, Schadstoffe freisetzen und Organe belasten. Als im Dezember 2022 ein junger Walhai (Rhincodon typus) in La Paz (Mexiko) strandete war dies eine seltene Gelegenheit für wissenschaftliche Untersuchungen. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit konnte ich mich daran beteiligen und wichtige Erkenntnisse zum vorhandenen Mikroplastik (Plastik < 5 mm) im Magen des grössten Fisches der Welt beisteuern.

Autorin: Desirée Thommen, Bachelor-Studentin Umweltingenieurwesen mit Vertiefung Naturmanagement
Untersuchung und Vergleich mit Wasserproben
Zwischen Januar und April 2025 erfolgte in Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Forschungsinstitut CICIMAR die Untersuchung des gesamten Magens und eines Teils des Spiraldarms. Ergänzend wurden drei Wasserproben aus dem saisonalen Fressgebiet der Walhaie nahe der Sandbank El Mogote im mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur entnommen. Ziel von mir war es, Partikelart und -farbe zu bestimmen und festzustellen, ob diese mit den Partikeln aus dem Verdauungstrakt übereinstimmen.
Ergebnisse
Allein im Magen fanden sich 1 264 Mikroplastikpartikel; zusammen mit der Darmprobe ergibt dies insgesamt 1 415 Partikel. Dabei dominierten vor allem schwarze (45 %) und blaue (35 %) Fasern. In den Wasserproben überwogen hingegen deutlich blaue Fasern. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass der Walhai Mikroplastik nicht nur lokal, sondern vermutlich auf seiner gesamten Wanderroute, also auch in anderen Meeresregionen, aufgenommen hat.
Die Farbverteilung der Partikel ist typisch für Fischereigerät wie Netze, Seile und Leinen, die durch Abrieb oder Verlust ins Meer gelangen. Daneben sind synthetische Textilfasern aus Waschmaschinenabwässern und zersetzte Kunststofffolien und Verpackungen wahrscheinliche Quellen. Besonders problematisch ist, dass an den Mikroplastikteilchen Schadstoffe wie Weichmacher, Pestizide oder Schwermetalle festsetzen, die über die Partikel in den Organismus gelangen können.
Verteilung der im Magen des Walhais gefundenen Mikroplastikpartikel

Links: Farben mit Anzahl | Rechts: Art des gefundenen Mikroplastiks | Grafik: Desirée Thommen
In einer Wasserprobe wurde zudem ein Makropartikel (Plastik > 5 mm) gefunden, der per Analyse eindeutig als Polyamid 6 (Nylon) identifiziert werden konnte – ein Material, das häufig in Fischernetzen und robusten Seilen eingesetzt wird.


Bedeutung und Grenzen der Studie
Mikroplastik stellt eine ernst zu nehmende Bedrohung für Walhaie dar – mit möglichen Folgen für ihre Gesundheit. Die Untersuchung eines einzelnen Tieres erlaubt zwar keine generellen Aussagen, liefert jedoch wertvolle Hinweise auf die Belastung dieser Art. Sie unterstreicht die Notwendigkeit weiterer standardisierter und langfristiger Studien, um die Auswirkungen von Mikroplastik auf Walhaie und andere Filterfresser besser zu verstehen. Der Fund verdeutlicht, dass auch ein einzelner Walhai wichtige Einblicke in die Gefahr durch Mikroplastik geben kann und zeigt, wie dringend Massnahmen gegen Plastikverschmutzung sind.