{"id":2764,"date":"2012-09-10T15:32:46","date_gmt":"2012-09-10T13:32:46","guid":{"rendered":"http:\/\/ianus.zhaw.ch\/marketingmanagement\/?p=2764"},"modified":"2012-09-10T15:32:46","modified_gmt":"2012-09-10T13:32:46","slug":"hybride-beackern-die-stadte-trend-urban-farming","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/marketingmanagement\/hybride-beackern-die-stadte-trend-urban-farming\/","title":{"rendered":"Hybride beackern die St\u00e4dte &#8211; Trend Urban Farming"},"content":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von <a href=\"http:\/\/www.zhaw.ch\/fileadmin\/php_includes\/popup\/person-detail.php?kurzz=pama\">Marilena Palmisano<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.zhaw.ch\/fileadmin\/php_includes\/popup\/person-detail.php?kurzz=wolc\">Christian Wohler<\/a>, beide wissenschaftliche Mitarbeitende am <a title=\"iunr\" href=\"http:\/\/www.iunr.zhaw.ch\/science\/iunr\/zentren.html\" target=\"_blank\">Institut f\u00fcr Umwelt und Nat\u00fcrliche Ressourcen <\/a>(Zentrum Hortikultur, Fachstelle Spezialkulturen) und <a href=\"http:\/\/www.zhaw.ch\/fileadmin\/php_includes\/popup\/person-detail.php?kurzz=berv\">Verena Berger<\/a>, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum f\u00fcr Marketing Management:<\/p>\n<p><strong>Es vergeht kaum ein Tag ohne dass uns die Medien an den avancierenden Megatrend <em>Urban Farming<\/em> erinnern. Zurzeit g\u00e4rtnert jeder ein bisschen, ob in den Genossenschaften Ortoloco, Agrico, Dunkelh\u00f6lzli, Stadtlandnetz, W\u00e4dich\u00f6rbli oder einfach vor der eigenen Haust\u00fcre \u2013 \u00abmeh Dr\u00e4ck\u00bb ist angesagt. <\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2807\" aria-describedby=\"caption-attachment-2807\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/marketingmanagement\/files\/2012\/09\/urbangardensweb.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2807\" title=\"urbangardensweb\" src=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/marketingmanagement\/files\/2012\/09\/urbangardensweb-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2807\" class=\"wp-caption-text\">www.urbangardensweb.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><br \/>\nUrban Farming<\/em> oder <em>Urban Gardening<\/em> ist IN. Der St\u00e4dter von heute f\u00e4hrt nach dem Feierabend auf das genossenschaftlich organisierte Ackerfeld oder den Gemeinschaftsgarten und j\u00e4tet bis er m\u00fcde und zufrieden ist.<strong> <\/strong>Der Biss in seine selbst angebaute Tomate l\u00e4sst jeden Schmerz vergessen und sie gibt ihm Recht \u2013 das heiss begehrte Feierabendbier weicht dem \u201egr\u00fcnen Work-out\u201c.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher traf man sich noch im eigenen oder in Nachbars Garten, heute organisiert man sich in urbanen Farmen zum gemeinschaftlichen G\u00e4rtnern \u2013 gr\u00fcne Oasen inmitten der urbanen Hektik. Sich selbst zu versorgen steht nicht im Vordergrund, viel mehr m\u00f6chte der urbane Farmer mit Gleichgesinnten etwas gesundes, naturnahes, frisches, \u00f6kologisches s\u00e4en, die Z\u00f6glinge hegen und pflegen und sie schliesslich verkosten.<\/p>\n<p>Was treibt so viele\u00a0St\u00e4dter pl\u00f6tzlich auf das Feld? Medienberichte \u00fcber Label und deren Schwindel verwirren und verunsichern die Konsumenten zunehmend. Einkaufen beim Grossverteiler oder Detaillisten ist daher f\u00fcr einige nur noch eine Alternative. <em>Back to the roots<\/em> \u2013 sich mit den essentiellen Dingen des Lebens \u2013 der Nahrung \u2013 zu besch\u00e4ftigen, scheint wieder IN zu sein.<\/p>\n<p><strong>Was heisst dieser Trend eigentlich f\u00fcr das Ansehen Schweizer Landwirtschaft?<\/strong> Was sucht der freakige Stadt-Banker nach Feierabend? Den harten Alltag unserer Bauern oder die sch\u00f6ne heile Welt der Bauernromantik? F\u00fcr viele ist der \u00abLandwirt\u00bb doch eigentlich eine rural oder periurban<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> angesiedelte Spezies, die auf der roten Liste zu finden ist, h\u00e4ufig assoziiert mit den negativen Klischees des stinkenden, umweltverpestenden, tierqu\u00e4lerischen und subventionsfressenden Berufsstands.<!--more--><\/p>\n<p>Medienberichte lassen die Wahrheit nicht immer klar einordnen: \u00ab<em>Ein 21.7 ha grosser Landwirtschaftsbetrieb kassiert ohne dass der Bauer einen Finger zu r\u00fchren hat CHF 22\u2018134.- an Fl\u00e4chenbeitr\u00e4gen\u00bb (<\/em>Z\u00fcrichsee-Zeitung vom 13. August 2012). Unerh\u00f6rt! Die Realit\u00e4t zeigt jedoch, dass ein landwirtschaftliches Einkommen bei j\u00e4hrlich rund CHF 39\u2018000.- liegt<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>. Daf\u00fcr darf der Bauer sieben Tage die Woche, min. 70h\/ Woche arbeiten, ist daf\u00fcr wohlbemerkt selbst\u00e4ndig erwerbend \u2013 tr\u00e4gt also das betriebliche Risiko selbst. Er produziert nach strengen Richtlinien und wird engmaschig kontrolliert. Im besten Fall hat er einen Abnehmervertrag f\u00fcr seine Produkte und muss sich oftmals auf sogenannte \u00abgute Gesch\u00e4ftsbeziehungen\u00bb verlassen. Verkauft er beispielsweise seine Karotten einem Abnehmer, werden Qualit\u00e4t und Preis erst bei der Auslagerung (Verkauf) bestimmt. Der Bauer tr\u00e4gt somit auch das Risiko der Lagerung, auf die er keinen Einfluss hat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend <em>Urban Farming<\/em> in der Schweiz noch der Freizeitgestaltung zugeordnet werden kann, ist <em>Urban Farming<\/em> f\u00fcr viele Bewohner von Grossst\u00e4dten in Schwellen- und Drittweltl\u00e4ndern der einzige \u00abbezahlbare\u00bb Zugang zu Frischgem\u00fcse und Fr\u00fcchten.<\/p>\n<p>Bei uns ist es vielleicht vielmehr der Aspekt der Bildung, der nicht zu untersch\u00e4tzen ist. <em>Urban Farming<\/em> als eine der letzten M\u00f6glichkeiten st\u00e4dtisch aufwachsenden Kindern und Interessierten den direkten Bezug zur Nahrungsgewinnung zu vermitteln? Dabei darf gehofft werden, dass im Schulunterricht nicht nur \u00fcber die negativen Gesichtspunkte der landwirtschaftlichen Produktion referiert wird wie beispielsweise synthetische D\u00fcngung, Pestizideinsatz, Treibhausgasemissionen wie CO<sub>2<\/sub> und methanfurzende K\u00fche, die unserem Klima richtig einheizen, sondern auch \u00fcber den Wasserverbrauch, die Herkunft und die Zusammensetzung von g\u00e4rtnerischer Erde sowie die Schwermetallbelastung der Fr\u00fcchte und Gem\u00fcse durch die st\u00e4dtische Schadstoffbelastung. Die Berichterstattungen \u00fcber den Megatrend <em>Urban Farming<\/em> blenden diese Aspekte noch aus.<\/p>\n<p><strong>Wer ist dieser Urban Farmer eigentlich<\/strong>? Der professionelle <em>Urban Farmer<\/em> \u2013 ein Hybrid durch und durch. Meist periurbaner Migrationshintergrund, terti\u00e4res Bildungsniveau, gr\u00fcner Background gepaart mit einem MBA und stets das trendige Business suchend. Er hat unter anderem das Ziel, ungenutzte Geb\u00e4udedachfl\u00e4chen in St\u00e4dten f\u00fcr die Nahrungsmittelproduktion zu nutzen. So lassen sich z.B. mit \u00abAquaponic\u00bb \u2013 Systemen Gem\u00fcse und Fische in einem Kreislauf produzieren und das dort, wo es zubereitet und verzehrt wird. Nat\u00fcrlich ist an diesem System vor allem der N\u00e4hrstoffkreislauf \u2013 und weniger die Fischhaltung in den Bottichen. Aber alles hat eben seinen Preis \u2013 auch lokal produziertes.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2806\" aria-describedby=\"caption-attachment-2806\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/marketingmanagement\/files\/2012\/09\/urbangardenmagazine.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2806\" title=\"urbangardenmagazine\" src=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/marketingmanagement\/files\/2012\/09\/urbangardenmagazine-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2806\" class=\"wp-caption-text\">www.urbangardenmagazine.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Eine kleine Anekdote \u2013 Erfahrungsbericht eines <em>Urban Farmers<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Wetter hat einige Kapriolen geschlagen und Nachbars nette Schnecke hat an meinen s\u00fcssen Fr\u00fcchtchen geknabbert. Die kleinen Dellen schneide ich weg, beisse rein, trotzdem ein Hochgenuss! Beim Surfen im Internet stosse ich auf die Seite der <a title=\"Schweizerische Qualit\u00e4tsbestimmungen f\u00fcr Gem\u00fcse\" href=\"http:\/\/www.qualiservice.ch\/de\/dienstleistungen\/normen_gemuese.html\">Schweizerischen Qualit\u00e4tsbestimmungen f\u00fcr Gem\u00fcse<\/a>.<\/p>\n<p>Salatgurken wie auch ich sie anbaue. Ich lese die \u00abbesonderen Bestimmungen\u00bb f\u00fcr den Handel. Ich bin erstaunt und gleichzeitig besch\u00e4mt. Meine mit Passion gehegten Gurken k\u00e4men niemals in den Handel, sondern direkt auf den Kompost. Ich lese: \u00abMaximale Kr\u00fcmmung von 10mm auf 10cm L\u00e4nge der Gurke.\u00bb Ich frage mich, ob der gute Geschmack wohl in den steigenden Winkelgraden verloren geht? Mein Geschmackstest beweist \u2013 NEIN. Dann lese ich: \u00abKerne in der Gurke d\u00fcrfen nicht entwickelt sein\u00bb und ich begreife, dass ich keine Ahnung vom G\u00e4rtnern, geschweige denn von der professionellen Gem\u00fcseproduktion habe. Ich weiss nicht wie man mit dem unberechenbaren Wetter, den zahlreichen Sch\u00e4dlingen und Nachbars Schnecken tonnenweise Qualiservice-gerechtes Gem\u00fcse produzieren kann und zus\u00e4tzlich sollen die Gurken keine reifen Kernen haben, aber trotzdem reif und geschmackvoll sein\u2026?!<\/p>\n<p>Wie kommen solche Qualit\u00e4tsbestimmungen eigentlich zu Stande? Habe ich wohl mit dem samst\u00e4glichen Einkauf dazu beigetragen? Wir h\u00f6ren von den Medien: 30% der Nahrung schmeissen wir weg; gleichzeitig h\u00f6ren wir von D\u00fcrre, Hunger etc. W\u00fcnschenswert w\u00e4re doch, dass <em>Urban Farming<\/em> die Schwierigkeiten der landwirtschaftlichen Arbeit aufzeigt, einen nachhaltigen Wertewandel der Konsumenten ausl\u00f6st und zu einem best\u00e4ndigen Megatrend f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Was macht die ZHAW eigentlich in diesem Bereich? <\/strong><\/p>\n<p>Die Anekdote zeigt nur eine winzige Facette der Herausforderungen mit welchen die Schweizer Landwirte in der Realit\u00e4t konfrontiert sind. Verschiedene Forschungsinstitutionen versuchen darum der Landwirtschaft mit neuster Technologie Tools zur Verf\u00fcgung zu stellen, welche helfen sollen das Risiko im Anbau zu minimieren. Leider gibt es wenige Tools, die sich in der Praxis durchsetzen konnten. Entweder sind diese zu wenig praxisorientiert oder generieren keine eindeutigen Resultate.<\/p>\n<p>Als Mitglied einer Projektgruppe der ZHAW Life Science and Facility Management in W\u00e4denswil versuchen wir mit molekularbiologischer Diagnostik, Krankheitserreger m\u00f6glichst fr\u00fch auf dem Feld zu erkennen und genau zu identifizieren. Das hilft dem Produzenten f\u00fcr die jeweilige Kultur die geeignete Massnahme (chemisch oder biologisch) zutreffen. Das Wissen \u00fcber den genauen Krankheitserreger ist f\u00fcr den Entscheid unabdingbar. Das Ziel ist es, ein Tool zu Verf\u00fcgung zu stellen, welches m\u00f6glichst fr\u00fch den Erreger erkennt, das Resultat in weniger als 15 Minuten generiert und die Analyse m\u00f6glichst feldtauglich macht. Mehr zum Thema \u00abMolekulare Diagnostik f\u00fcr den Umweltsektor\u00bb findet im <a title=\"Newsletter TRANSFER\" href=\"http:\/\/www.lsfm.zhaw.ch\/fileadmin\/user_upload\/life_sciences\/Dateien\/Forschung\/Transfer\/Transfer-1-2012.pdf\">Newsletter Transfer<\/a> (1-2012, S. 8).<\/p>\n<p>F\u00fcr Informationen zum Projekt sowie Interessen an fachlicher oder finanzieller Kooperation: Marilena Palmisano (<a href=\"mailto:pama@zhaw.ch\">pama@zhaw.ch<\/a>) und Christian Wohler (<a href=\"mailto:wolc@zhaw.ch\">wolc@zhaw.ch<\/a>) <ins datetime=\"2012-09-03T09:11\" cite=\"mailto:zhaw\"><\/ins><\/p>\n<p><ins datetime=\"2012-09-03T09:11\" cite=\"mailto:zhaw\"><\/ins><\/p>\n<div>\n<hr size=\"1\" \/>\n<div>\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Hybrider Landschaftstyp, der aus urbanen und l\u00e4ndlichen, aber auch aus hybriden Elementen und Eigenschaften besteht. (Quelle: Antrop, M. (2000). Changing patterns in the urbanized countryside of Western Europe. Landsc. Ecol. 15, 3: 257\u2013270<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Landwirtschaftliches Einkommen minus Zinsanspruch Eigenkapital je Familien-Jahresarbeitseinheiten. (Quelle: Bundesamt f\u00fcr Statistik [BFS]. (2011). Buchhaltungsergebnisse der landwirtschaftlichen Betriebe.)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<hr size=\"1\" \/>\n<\/div>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/marketingmanagement\/tag\/forschung\/\">Forschung<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/marketingmanagement\/tag\/landwirtschaft\/\">Landwirtschaft<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/marketingmanagement\/tag\/urban-farming\/\">Urban Farming<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/marketingmanagement\/tag\/wadenswil\/\">W\u00e4denswil<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Marilena Palmisano und Christian Wohler, beide wissenschaftliche Mitarbeitende am Institut f\u00fcr Umwelt und Nat\u00fcrliche Ressourcen (Zentrum Hortikultur, Fachstelle Spezialkulturen) und Verena Berger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum f\u00fcr Marketing Management: Es vergeht kaum ein Tag ohne dass uns die Medien an den avancierenden Megatrend Urban Farming erinnern. 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