{"id":6152,"date":"2019-06-07T09:35:16","date_gmt":"2019-06-07T07:35:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/?p=6152"},"modified":"2024-08-20T15:01:25","modified_gmt":"2024-08-20T13:01:25","slug":"die-linguistischen-wege-einer-ethnologin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2019\/06\/07\/die-linguistischen-wege-einer-ethnologin\/","title":{"rendered":"Die linguistischen Wege einer Ethnologin"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:20px\">Virgina Suter Reich, Jahrgang&nbsp;1977,&nbsp;war von 2011&nbsp;bis Februar 2019&nbsp;wissenschaftliche Mitarbeiterin am <a aria-label=\"ILC Institute of Language Competence (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/linguistik\/institute-zentren\/ilc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ILC Institute of Language Competence<\/a> und von&nbsp;2014&nbsp;bis Februar 2019&nbsp;Co-Leiterin&nbsp;des CAS Deutsch als Zweitsprache.&nbsp;In ihrer Doktorarbeit erforschte&nbsp;sie&nbsp;die Institutionalisierung und gesellschaftliche Verortung der alevitischen Bewegung in der Schweiz.&nbsp;Virginias&nbsp;facettenreicher&nbsp;Weg&nbsp;f\u00fchrte&nbsp;sie&nbsp;von der Universit\u00e4t Lausanne&nbsp;\u00fcber Forschungsaufenthalte in&nbsp;Afrika&nbsp;\u00fcber&nbsp;den&nbsp;Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat&nbsp;zur ZHAW.&nbsp;Virginia ist dreifache Mutter. Wie sie&nbsp;die Balance zwischen Familien- und Hochschulleben&nbsp;gemeistert&nbsp;hat und welche neuen beruflichen Herausforderungen auf sie warten,&nbsp;hat sie uns erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">von <a aria-label=\"Birgitta Borghoff (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/borg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Birgitta Borghoff<\/a>, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin Forschungsbereich Organisationskommunikation und \u00d6ffentlichkeit (OKOE) am <a aria-label=\"IAM Institut f\u00fcr Angewandte Medienwissenschaft (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/linguistik\/institute-zentren\/iam\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IAM Institut f\u00fcr Angewandte Medienwissenschaft<\/a> <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Als Ethnologiestudentin via\nDeutschland und Afrika zur\u00fcck in die Schweiz<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Meine Universit\u00e4tslaufbahn begann 1998 an der Universit\u00e4t Lausanne mit einem Studium der <em>sciences sociales<\/em>. Sp\u00e4ter wechselte ich an die Universit\u00e4t Bern, wo ich Ethnologie Volkswirtschaftslehre und Religionswissenschaft studierte. Um meinen Horizont zu erweitern, ging ich 2001 f\u00fcr zwei Jahre nach K\u00f6ln. Besonders inspiriert hat mich, dass ich neben dem Studium als Forschungsassistentin eigene Forschungsprojekte realisieren und ein sechsmonatiges Praktikum in Namibia absolvieren durfte. Im Rahmen meines Lizenziats habe ich auch Feldforschung in Westafrika betrieben. Hier untersuchte ich Narrative von jungen M\u00e4nnern, die aus Guinea Conakry nach Gambia migriert waren, um Europa zu erreichen. Die Aufenthalte in unterschiedlichen afrikanischen Regionen waren einerseits sehr bereichernd, andererseits wurde ich mit der Frage konfrontiert, wie stark ich mich pers\u00f6nlich mit dem Beruf der Ethnologin in aussereurop\u00e4ischen Kontexten identifizieren kann. Die Hierarchien in Afrika sind extrem, die Gestaltung von Beziehungen schwierig und Partizipation kaum m\u00f6glich. Als mir die Universit\u00e4t K\u00f6ln sp\u00e4ter die M\u00f6glichkeit bot, als Doktorandin erneut nach Afrika zu gehen, lehnte ich ab. Stattdessen arbeitete ich von 2005 bis 2006 f\u00fcr den Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat. Meine Aufgabe bestand in der Beratung. Oft hatte ich das Gef\u00fchl, \u00abf\u00fcr die Schublade\u00bb zu arbeiten, weil ich nicht wusste, was mit den Beratungen konkret passiert. Deshalb fiel mir die Identifikation mit der Aufgabe zunehmend schwerer. 2007 entschied ich mich, f\u00fcr ein Doktoratsstudium an die Universit\u00e4t Bern zur\u00fcckzukehren. In meiner Dissertation untersuchte ich, wie sich die alevitische Diasporagemeinschaft in der Schweiz angesichts von Integrationspolitik und Sprachf\u00f6rderung verortet. Die Doktorarbeit war der \u00abAnkerpunkt\u00bb, warum ich sp\u00e4ter an die ZHAW ging. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcber die Vereinbarkeit von\nBeruf und Familie in akademischen Gefilden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Doktorats wurde ich Mutter einer Tochter. Die neue Familiensituation regte mich an, 2010 ein Mentoring-Programm f\u00fcr junge Frauen zu absolvieren, das von der ehemaligen Rektorenkonferenz CRUS organisiert wurde. Ich wollte herausfinden, ob eine Hochschulkarriere zu mir passt. An der Universit\u00e4t sah ich kein gutes Modell zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. An meiner Entscheidung, die Universit\u00e4t zu verlassen, habe ich einige Jahre \u00abgekaut\u00bb, vor allem, weil ich noch kein neues Berufsziel f\u00fcr mich entwickeln konnte. In einem Gespr\u00e4ch mit meinem Mentor kristallisierte sich heraus, dass die Fachhochschule die ideale L\u00f6sung sein k\u00f6nnte. Thematische Ankn\u00fcpfungspunkte zur ZHAW waren die Bereiche Sprachf\u00f6rderung, Integration und Religionspluralismus. 2011 begann ich dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Weiterbildung am ILC. Schwerpunkt meiner T\u00e4tigkeit war die Entwicklung von Weiterbildungsangeboten f\u00fcr Lehrpersonen. Hier genoss ich grossen Gestaltungsspielraum und bin so in die DAF\/DAZ-Thematik hineingewachsen. Im 2012 nahm ich ein weiteres Jobangebot als Leiterin der Gesch\u00e4ftsstelle des Z\u00fcrcher Forums f\u00fcr Religionen an. Ein Jahr sp\u00e4ter bekam ich Zwillinge. In der Zeit des Mutterschutzes kl\u00e4rte ich f\u00fcr mich, was mir bei der Arbeit wichtig ist und was das berufliche Umfeld mir bieten muss, um meine drei kleinen Kinder fremdbetreuen zu lassen. Ich wollte nichts mehr machen, von dem ich nicht hundertprozentig \u00fcberzeugt war. Ich zweifelte auch, ob die ZHAW noch der richtige Ort f\u00fcr mich ist. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>G\u00fcnstige\nBedingungen und Entwicklungsm\u00f6glichkeiten an der ZHAW<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Zweifel haben sich in Luft aufgel\u00f6st, als mir die Co-Leitung des \u00abCAS Deutsch als Zweitsprache\u00bb angeboten wurde. Pl\u00f6tzlich war ich in neue spannende Forschungs- und Entwicklungsprojekte involviert. Mein Netzwerk etablierte sich und es er\u00f6ffneten sich neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr mich wie beispielsweise die \u00dcbernahme des Goethe-Pr\u00fcfungszentrums 2016. Hier lernte ich enorm viel \u00fcber das Testen im Sprachf\u00f6rderungskontext; vor allem auch dar\u00fcber, mit welchen Herausforderungen Nicht-MuttersprachlerInnen beim Erlernen von Deutsch als Zweitsprache konfrontiert sind. Um mein Standbein in der Forschung weiter auszubauen, gab ich die Leitung des Zentrums 2017 wieder ab. Im Moment ist vieles offen. Wohin mein Weg mich f\u00fchren wird, weiss ich nicht. Ich bin gespannt!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkung\nder Redaktion:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Interview mit\nVirginia Suter wurde im Sommer 2018 gef\u00fchrt. Inzwischen hat Virginia eine neue\nberufliche Herausforderung angenommen. Seit 1. M\u00e4rz 2019 engagiert sie sich als\nProjektleiterin im Team der Integrationsf\u00f6rderung der Stadt Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><strong><em>Career Stories:<\/em><\/strong><em> Die Idee dazu entstand im \nRahmen eines World Caf\u00e9s des Mittelbaus L (initiiert von der \nMittelbaukommission L) im Oktober 2017. Sie zeigt die Vielfalt von \nm\u00f6glichen Karrierewegen am Departement und dar\u00fcber hinaus auf. Es soll \nwissenschaftliche Mitarbeitende und Assistierende zudem dazu motivieren,\n einen kommunikativen Beitrag zur Profilierung und Entwicklung des \nMittelbaus zu leisten. Durch die Stories werden interdisziplin\u00e4re \nEinblicke in den beruflichen Alltag und die professionelle Entwicklung \nvon Mitarbeitenden erm\u00f6glicht. Dies f\u00f6rdert einerseits die Vernetzung \ndes Mittelbaus \u00fcber Instituts- und Zentrumsgrenzen hinweg und setzt \nandererseits Impulse f\u00fcr die eigene Karriereorientierung am Departement \nund dar\u00fcber hinaus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Basis f\u00fcr die einzelnen Career \nStories bilden narrative Interviews. Die Interviewten erz\u00e4hlen dabei \nihre Biographie und k\u00f6nnen durch die eigene Perspektive feinere \nZusammenh\u00e4nge erfassen, die bei einer rein objektiven Befragung \nwegfallen w\u00fcrden. <\/em><\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/daf-daz\/\">DaF\/DaZ<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/ilc\/\">ILC Institute of Language Competence<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Virgina Suter Reich, Jahrgang&nbsp;1977,&nbsp;war von 2011&nbsp;bis Februar 2019&nbsp;wissenschaftliche Mitarbeiterin am ILC Institute of Language Competence und von&nbsp;2014&nbsp;bis Februar 2019&nbsp;Co-Leiterin&nbsp;des CAS Deutsch als Zweitsprache.&nbsp;In ihrer Doktorarbeit erforschte&nbsp;sie&nbsp;die Institutionalisierung und gesellschaftliche Verortung der alevitischen Bewegung in der Schweiz.&nbsp;Virginias&nbsp;facettenreicher&nbsp;Weg&nbsp;f\u00fchrte&nbsp;sie&nbsp;von der Universit\u00e4t Lausanne&nbsp;\u00fcber Forschungsaufenthalte in&nbsp;Afrika&nbsp;\u00fcber&nbsp;den&nbsp;Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat&nbsp;zur ZHAW.&nbsp;Virginia ist dreifache Mutter. 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