{"id":6022,"date":"2019-05-13T08:25:49","date_gmt":"2019-05-13T06:25:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/?p=6022"},"modified":"2024-08-13T14:22:35","modified_gmt":"2024-08-13T12:22:35","slug":"durch-linguistik-leichter-gesund-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2019\/05\/13\/durch-linguistik-leichter-gesund-werden\/","title":{"rendered":"Durch Linguistik leichter gesund werden"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:20px\">Besucht man seine \u00c4rztin, muss ins Krankenhaus oder sucht einen Physiotherapeuten auf, ist das Muster immer \u00e4hnlich: Etwas tut weh; man erkl\u00e4rt, was weh tut; und erh\u00e4lt eine Diagnose. Unter dem Motto dieser drei Schritte \u00abBeschwerden \u2013 Anamnese \u2013 Befund\u00bb tagte Ende Januar in Hamburg das Netzwerk Gesundheitskommunikation. Sie zeigte auf, wie linguistische Forschung Gesundheitskommunikation verbessern kann.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/meoi\/\">Olivia Meier<\/a>, Assistentin im Forschungs- und Arbeitsbereich Angewandte Text- und Gespr\u00e4chslinguistik am <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/linguistik\/institute-zentren\/iued\/\">IUED Institut f\u00fcr \u00dcbersetzen und Dolmetschen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir uns die drei Schritte\nvon oben zu Herzen: Bei der \u00c4rztin schildert man seine Beschwerden. Sie will es\netwas genauer wissen, hakt nach, fragt nach der Krankheitsgeschichte. Man antwortet,\nso gut man kannst und erh\u00e4lt schliesslich eine Diagnose. Es ist offensichtlich,\nwie zentral dieses erste Gespr\u00e4ch ist. Ebenso offensichtlich wird dabei, wie\nstark eine Behandlung von (erfolgreicher) Kommunikation abh\u00e4ngt. Die\nUntersuchung dieser sogenannten Arzt-Patient-Gespr\u00e4che ist ein Beispiel f\u00fcr den\nForschungsbereich \u00abGesundheitskommunikation\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist Gesundheitskommunikation <\/h2>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist\nGesundheitskommunikation nicht auf dieses Szenario beschr\u00e4nkt. Der Forschung bieten\nsich zahlreiche weitere Untersuchungsfelder. Denn Sprache ist in vielen\nBereichen des Gesundheitswesens ein wichtiger Faktor. Beispiele w\u00e4ren auch die\nKommunikation der Krankenkassen, medizinisches Marketing, Vortr\u00e4ge in der\nMedizin, die Beipackzettel von Medikamenten, der Gesundheitsdiskurs in den\nMedien oder der Austausch zwischen Nicht-ExpertInnen in Gesundheitsforen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesundheitskommunikation ist \u00e4usserst vielf\u00e4ltig. In ihrer Erforschung treffen denn auch zwei Forschungszweige aufeinander: die Gesundheits- und die Kommunikationswissenschaft. Diese Transdisziplinarit\u00e4t pr\u00e4gte die eingangs erw\u00e4hnte Tagung. Neben ExpertInnen f\u00fcr \u00abKommunikation\u00bb (Sprach\u2011, Translations- und KommunikationswissenschaftlerInnen) z\u00e4hlten deshalb auch \u00abGesundheitsexpertInnen\u00bb (\u00c4rztInnen sowie AkteurInnen der Gesundheits- und Pflegeberufe) zu den G\u00e4sten in Hamburg. Jede Profession beleuchtete das Feld aus ihrer je eigenen Perspektive.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gesten und Gespr\u00e4che untersuchen<\/h2>\n\n\n\n<p>So beobachtete eine Psychologin mit Videoaufnahmen, dass Gesten oft mehr \u00fcber den inneren Zustand und das Selbstbild von PatientInnen aussagen als die ge\u00e4usserten Worte \u2013 beispielsweise, wenn diese, sobald sie von \u00abich\u00bb sprechen, auf ihren Bauch, nicht wie wir erwarten w\u00fcrden auf die Brust. Oder innere Konflikte kommen zum Vorschein, wenn zwar von \u00abOffenheit\u00bb die Rede ist, aber gleichzeitig die Arme verschr\u00e4nkt werden. Werden TherapeutInnen kommunikativ so geschult, dass sie solche redebegleitenden Gesten bewusst wahrnehmen, k\u00f6nnen sie diese f\u00fcr pr\u00e4zisere Diagnosen nutzen. Dies zeigt, was die Untersuchung von Sprache im Gesundheitsbereich bringen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Beispiel zeigte, wie die Untersuchung der Kommunikation bei\nder Behandlung von Kindern helfen kann: Von Bauchschmerzen betroffene Kinder\nbeschrieben einem Arzt ihre ersten, letzten und schlimmsten Schmerzen und\nwurden gebeten, ihre Beschwerden zu malen. Die gespr\u00e4chsanalytische\nUntersuchung der begleitenden Unterhaltung kann Aufschluss dar\u00fcber geben, ob\ndie Schmerzen der Kinder psychosomatischen oder k\u00f6rperlichen Ursprungs sind.\nAuch dies eine Chance f\u00fcr die bestm\u00f6gliche Behandlung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bringt die Erforschung von Gesundheitskommunikation?<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine Untersuchung der Gesundheitskommunikation schafft aber nicht nur Grundlagen\nf\u00fcr bessere Behandlungen, sondern kann auch Defizite aufzeigen: Sei es, wenn\nEltern beim Gespr\u00e4ch mit dem Arzt anstelle ihrer Kinder sprechen oder wenn mangelnde\nDeutschkenntnisse im Krankenhaus die Kommunikation zwischen PatientInnen, \u00c4rztInnen\nund Pflegepersonal behindern. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">N\u00e4chste Tagung in Winterthur<\/h2>\n\n\n\n<p>Sprache spielt in der medizinischen Versorgung eine wesentliche Rolle. Dringender Handlungsbedarf besteht in vielen Bereichen des Gesundheitssystems. Beides wurde an der Hamburger Tagung deutlich. Deshalb organisiert das Netzwerk Gesundheitskommunikation am 1.\/2. September 2019 in Winterthur eine <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/linguistik\/forschung\/tagung-gesundheitskommunikation\/\">zweite Tagung<\/a>. Diese widmet sich den Themen <em>Digital Literacies, Mehrsprachigkeit <\/em>und <em>Multimodalit\u00e4t im Gesundheitswesen<\/em>. Organisiert wird die Tagung von <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/klul\/\">Ulla Kleinberger<\/a>, Leiterin Forschungs- und Arbeitsbereich Angewandte Text- und Gespr\u00e4chslinguistik an der ZHAW, zusammen mit <a href=\"https:\/\/www.slm.uni-hamburg.de\/germanistik\/personen\/buehrig.html\">Kristin B\u00fchrig<\/a>, Universit\u00e4t Hamburg, und <a href=\"https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/fb3\/institute\/ikk\/mitglieder\/schlickau\/biografisches\/\">Stephan Schlickau<\/a>, Universit\u00e4t Hildesheim. <\/p>\n\n\n\n<p>Anmelden kann man sich noch bis zum 15. Juli 2019 unter: <a href=\"mailto:gesundheitskommunikation.linguistik@zhaw.ch\">gesundheitskommunikation.linguistik@zhaw.ch<\/a><\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/imk\/\">IMK Institut f\u00fcr Mehrsprachige Kommunikation<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besucht man seine \u00c4rztin, muss ins Krankenhaus oder sucht einen Physiotherapeuten auf, ist das Muster immer \u00e4hnlich: Etwas tut weh; man erkl\u00e4rt, was weh tut; und erh\u00e4lt eine Diagnose. Unter dem Motto dieser drei Schritte \u00abBeschwerden \u2013 Anamnese \u2013 Befund\u00bb tagte Ende Januar in Hamburg das Netzwerk Gesundheitskommunikation. 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