{"id":5768,"date":"2019-03-18T10:00:48","date_gmt":"2019-03-18T09:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/?p=5768"},"modified":"2024-08-14T15:50:04","modified_gmt":"2024-08-14T13:50:04","slug":"bienvenido-en-winterthur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2019\/03\/18\/bienvenido-en-winterthur\/","title":{"rendered":"\u00a1Bienvenido en Winterthur!"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:20px\">Die Einwohnerkontrolle ist die erste Anlaufstelle f\u00fcr Menschen aus dem Ausland. Diego Serrano ist es wichtig, ihnen verst\u00e4ndnisvoll zu begegnen. Dabei hilft ihm sein ZHAW-Studium in Angewandten Sprachen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">von Andrea S\u00f6ldi, freie Journalistin aus Winterthur<\/p>\n\n\n\n<p>In Sachen Fremdsprachen hatte Diego Serrano bereits einen Heimvorteil: Als Sohn einer eingewanderten Familie aus Spanien wurde ihm das Spanisch in die Wiege gelegt. Sp\u00e4ter lernte der Winterthurer Italienisch, Franz\u00f6sisch und Englisch. Heute kann er sich in f\u00fcnf Sprachen fliessend verst\u00e4ndigen. \u00abIn meinem Job habe ich jeden Tag Gelegenheit, meine Sprachkenntnisse anzuwenden\u00bb, freut sich der Leiter Publikumsdienste der Einwohnerkontrolle Winterthur. \u00abWir bedienen eine grosse Vielfalt an Kunden aus verschiedensten L\u00e4ndern.\u00bb W\u00e4hrend Schweizer die meisten Gesch\u00e4fte heute online erledigen k\u00f6nnen, m\u00fcssen neu zugewanderte Ausl\u00e4nder pers\u00f6nlich am Schalter erscheinen. Zum Beispiel, um eine Aufenthaltsbewilligung zu beantragen. Viele von ihnen sprechen zu diesem Zeitpunkt noch kaum Deutsch. Insgesamt decken die sieben Mitglieder des Schalterteams elf Sprachen ab: Neben Deutsch, Englisch, Franz\u00f6sisch, Italienisch und Spanisch auch Portugiesisch, T\u00fcrkisch, Albanisch, Griechisch, Russisch und Arabisch. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/files\/2019\/03\/Diego-Serrano_2-600x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5781\" srcset=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/files\/2019\/03\/Diego-Serrano_2-600x1024.jpg 600w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/files\/2019\/03\/Diego-Serrano_2-176x300.jpg 176w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/files\/2019\/03\/Diego-Serrano_2-768x1310.jpg 768w, https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/files\/2019\/03\/Diego-Serrano_2.jpg 945w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption>Sprachen faszinieren Diego Serrano, Leiter Publikumsdienste der Einwohnerkontrolle Winterthur. Er und sein Team decken elf Sprachen ab. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anspruchsvolle Aufgabe<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die anspruchsvolle Aufgabe qualifizierte sich Serrano durch das Bachelor-Studium Angewandte Sprachen mit Vertiefung Mehrsprachige Kommunikation an der ZHAW, das er 2013 abgeschlossen hat. \u00abMein Traumjob w\u00e4re das Untertiteln von Filmen gewesen\u00bb, sagt der 36-J\u00e4hrige und l\u00e4chelt. Doch er habe bald gemerkt, dass die Berufsaussichten in diesem Bereich nicht rosig sind. Wie bereits w\u00e4hrend des Studiums arbeitete er nach dem Abschluss zun\u00e4chst im Weinhandel.<br> Von der Vakanz auf der Einwohnerkontrolle, wo der gelernte Kaufmann bereits fr\u00fcher gearbeitet hatte, erfuhr er von ehemaligen Arbeitskollegen. \u00abDie Berufsaussichten nach dem Studiengang sind nicht so eindeutig\u00bb, weiss Serrano. Es handle sich aber um eine solide Basisausbildung, die viele M\u00f6glichkeiten biete. Man m\u00fcsse sich seiner Talente und Interessen bewusst werden und Netzwerke nutzen. Hilfreich k\u00f6nnen auch die studienspezifischen Alumni-Vereinigungen sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Manchmal wird es emotional<\/h2>\n\n\n\n<p>Anfang 2015 trat Serrano seine neue Stelle an. Zu seinen ersten Aufgaben geh\u00f6rte die Mitarbeit beim Umzug in den Superblock im Sulzerareal, wo die Stadt Winterthur damals einen Grossteil ihrer Verwaltung konzentrierte. Die Raumverh\u00e4ltnisse seien hier viel geeigneter als am fr\u00fcheren Standort, findet der Teamleiter. Vor allem gew\u00e4hren die voneinander abgetrennten Schalterkabinen wesentlich mehr Diskretion. \u00abWir haben es manchmal mit tragischen Schicksalen zu tun\u00bb, erkl\u00e4rt Serrano. Wenn jemand etwa keinen festen Wohnsitz angeben kann, erh\u00e4lt er keine Aufenthaltsbewilligung und kann somit auch kein Bankkonto er\u00f6ffnen, das er dem Arbeitgeber f\u00fcr den Lohn angeben kann. Folglich fehlt auch das Geld f\u00fcr eine Wohnung \u2013 ein Teufelskreislauf. Wenn Kunden ihre Situation beschreiben und ihre Anliegen vorbringen, h\u00f6ren er und seine Teammitglieder gut zu und versuchen, im Rahmen des rechtlichen Handlungsspielraums pragmatische L\u00f6sungen zu finden. \u00abDie Dargebotene Hand k\u00f6nnen wir aber nicht spielen\u00bb, sagt Serrano.<br> Manchmal w\u00fcrden Kunden auch laut, zum Beispiel wegen anfallender Geb\u00fchren. F\u00fcr bedrohliche Situationen wurde an den Schaltern ein Notfallknopf installiert. Gebraucht wurde er aber noch nie. Mit einer geschickten Kommunikation sei es bisher immer gelungen, erhitzte Gem\u00fcter zu beruhigen, erz\u00e4hlt Serrano. F\u00fcr einen friedlichen Umgang spielten auch nonverbale Elemente wie Mimik und Gestik eine bedeutende Rolle, ist er sich bewusst. Dies versucht er stets auch seinen Mitarbeitenden weiterzugeben. \u00abScheinbare Kleinigkeiten, wie etwa den Augenkontakt mit dem Kunden suchen statt den Blick auf den Bildschirm richten, k\u00f6nnen einen grossen Unterschied ausmachen.\u00bb Zudem hat Serrano an der ZHAW einiges gelernt dar\u00fcber, wie man Menschen aus anderen Kulturen am besten begegnet. Die Kundschaft kommt aus allen Teilen der Welt \u2013 rund 150 Nationen sind in Winterthur vertreten. Und sie stammt aus verschiedenen sozialen Schichten: vom Asylbewerber, der seine Aufenthaltsgenehmigung ausdehnen will, bis zum Konzernchef einer international t\u00e4tigen Firma, der seine Familie in die Schweiz bringen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausgehtipps gratis inklusive<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch die ZHAW zieht j\u00e4hrlich Hunderte von Austauschstudierenden\nnach Winterthur. Sie m\u00fcssen sich bei der Stadtverwaltung anmelden und eine\nKurzaufenthaltsbewilligung beantragen. Aufgrund seines Erasmussemesters w\u00e4hrend\ndes Studiums im spanischen Salamanca hat Serrano Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihre Lage.\n\u00abGerne komme ich mit dieser Kundschaft ins Gespr\u00e4ch und gebe auch Ausgehtipps\u00bb,\nsagt der kommunikative junge Mann. Obwohl er zeitlebens in der Schweiz gelebt\nhat, schimmert das s\u00fcdl\u00e4ndische Temperament noch ein wenig durch. In seinem Job\nseien aber typisch schweizerische Tugenden wie etwa Genauigkeit ebenfalls\nextrem wichtig, betont der Secondo. \u00abWenn wir einen Fehler machen, entsteht ein\nlanger Rattenschwanz von Problemen.\u00bb Die Einwohnerkontrolle ist die erste\nAnlaufstelle, welche die Daten aufnimmt; unter anderem amtiert sie als\nSchnittstelle zum kantonalen Migrationsamt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ein besseres Verst\u00e4ndnis der Rechtslage beim Thema Migration innerhalb der EU ist Serrano das begonnene Masterstudium in Europastudien an der Universit\u00e4t Fribourg \u00e4usserst hilfreich. Fribourg verlangt von Fachhochschulabg\u00e4ngern lediglich einen Mehraufwand von 30 ECTS, bei den meisten anderen Hochschulen liegen die H\u00fcrden h\u00f6her. In Seminararbeiten setzte er sich etwa mit dem Freiz\u00fcgigkeitsabkommen, der Entstehungsgeschichte der EU oder den Verh\u00e4ltnissen in der Ukraine und Georgien auseinander. Auch die Masterarbeit, die demn\u00e4chst ansteht, will er einem Thema widmen, das ihm beruflich von Nutzen ist. Konkrete Ideen hat er aber noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weiterbildung im Teilzeitmodus<\/h2>\n\n\n\n<p>Der anspruchsvolle Vollzeitjob und die Weiterbildung \u2013 seit 2015 im Teilzeitmodus \u2013 nehmen Diego Serrano zeitlich stark in Anspruch. Zum Ausgleich spielt er Volleyball oder f\u00e4hrt Ski. Viel Zeit f\u00fcr andere Aktivit\u00e4ten bleibe ihm momentan nicht, bedauert er. Sobald er den Mastertitel in der Tasche hat, m\u00f6chte er aber wieder mehr reisen, um andere Kulturen auch vor Ort zu erleben. Sein n\u00e4chstes Ziel ist Lateinamerika. Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten wird er dort sicher keine haben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Dieser Beitrag  wurde  im Hochschulmagazin <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/storage\/hochschule\/medien\/zhaw-impact\/zhaw-impact-4218.pdf#page=8\">ZHAW-Impact Nr. 42<\/a>  erstver\u00f6ffentlicht. Danke ZHAW-Impact f\u00fcr die Erlaubnis zur Zweitver\u00f6ffentlichung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<p><\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/alumni-bachelor-mehrsprachige-kommunikation\/\">Alumni Bachelor Mehrsprachige Kommunikation<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/bachelor-mehrsprachige-kommunikation\/\">Bachelor Mehrsprachige Kommunikation<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/imk\/\">IMK Institut f\u00fcr Mehrsprachige Kommunikation<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Einwohnerkontrolle ist die erste Anlaufstelle f\u00fcr Menschen aus dem Ausland. Diego Serrano ist es wichtig, ihnen verst\u00e4ndnisvoll zu begegnen. 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