{"id":2091,"date":"2017-07-11T15:04:09","date_gmt":"2017-07-11T13:04:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/?p=2091"},"modified":"2024-08-07T15:57:49","modified_gmt":"2024-08-07T13:57:49","slug":"wer-studiert-kulturpublizistik-und-warum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2017\/07\/11\/wer-studiert-kulturpublizistik-und-warum\/","title":{"rendered":"Wer studiert Kulturpublizistik und warum?"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2009 gibt es den <a href=\"http:\/\/www.kulturpublizistik.ch\">Master Kulturpublizistik<\/a> der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste als Kooperation mit dem IAM. Zu den AbsolventInnen des Master geh\u00f6ren rund zwei Dutzend AbsolventInnen des IAM Bachelor Kommunikation. Hier erz\u00e4hlen Elena Ibello und Michael F\u00e4ssler, was sie heute tun und wie sie auf ihre Studienzeit zur\u00fcckblicken.<\/p>\n<h3><strong>Elena Ibello \u2013 Ein Thema wird Beruf<\/strong><\/h3>\n<p>Seit dem Abschluss meines Masterstudiums vor drei Jahren arbeite ich als Kommunikationsbeauftragte f\u00fcr palliative zh+sh, der regionalen Sektion der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Palliative Care f\u00fcr die Kantone Z\u00fcrich und Schaffhausen. Das Thema Sterben und Tod, das viele ja immer noch als Tabuthema sehen, besch\u00e4ftigt mich aber schon viel l\u00e4nger. Dass ich schon im Studium nebenbei f\u00fcr diesen Verein gearbeitet habe, hat sicher damit zu tun. Ich bin dort durch Zufall hingekommen und wollte eigentlich gar nicht so lange bleiben. Nach dem Abschluss war dann aber relativ schnell klar, dass ich dort neue Aufgaben \u00fcbernehmen und mehr arbeiten k\u00f6nnte.&nbsp;<br \/>\nW\u00e4hrend des Studiums habe ich, noch bevor ich meine Masterarbeit geschrieben habe, gemeinsam mit der Filmemacherin <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/pani\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rebecca Panian<\/a> ein Buch \u00fcber das Sterben ver\u00f6ffentlicht. Es heisst <a href=\"http:\/\/www.zuendeleben.ch\/buch.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eZu Ende denken\u201c<\/a> und ist 2013 erschienen. Wir haben daf\u00fcr ungef\u00e4hr f\u00fcnfzig Menschen angefragt \u2013 SchriftstellerInnen, SchauspielerInnen und andere Personen des \u00f6ffentlichen Lebens, aber auch \u00c4rztinnen, SeelsorgerInnen, BestatterInnen \u2013 und sie gebeten, einen pers\u00f6nlichen Text zum Thema Sterben und Tod zu schreiben. Fast alle haben sofort zugesagt. Manche haben noch am Telefon damit angefangen, mir ihre Geschichte zu erz\u00e4hlen!<br \/>\nDas Buchprojekt hat sich ganz organisch aus der gemeinsamen Arbeit an einem Drehbuch f\u00fcr einen <a href=\"http:\/\/www.zuendeleben.ch\/film.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dokumentarfilm<\/a> entwickelt. Rebecca, mit der ich befreundet bin, hat damals ihren Vater verloren. Ich hatte gerade mit meinem Nebenjob bei palliative zh+sh begonnen. Auch privat hat mich das Thema damals umgetrieben: Ein enger Freund von mir hat sich das Leben genommen.&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_2099\" aria-describedby=\"caption-attachment-2099\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/vis-a-vis\/files\/2017\/07\/Elena-Ibello.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"300\" class=\"wp-image-2099 size-medium\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/vis-a-vis\/files\/2017\/07\/Elena-Ibello-200x300.jpg\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2099\" class=\"wp-caption-text\">Elena Ibello (Foto: Irene Stiefel)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit fast allen AutorInnen des Buches haben wir auch filmische Interviews gef\u00fchrt, von denen wir einige in Ausschnitten im Dokumentarfilm zeigen. Wir haben gefragt: Was w\u00e4re Dir wichtig, wenn Du w\u00fcsstest, es geht nicht mehr lang? Wovor hast Du Angst? Und nat\u00fcrlich: Kommt danach noch was \u2013 und wenn ja, was? \u00dcberrascht hat mich, dass keine Antwort wie die andere war. Wir haben wirklich f\u00fcnfzig verschiedene Theorien geh\u00f6rt. Und das innerhalb von drei Wochen. Das war zum Teil auch eine \u00dcberforderung f\u00fcr uns. Zugleich waren wir total befl\u00fcgelt von den Gespr\u00e4chen. Ich bin oft beschwingt nach Hause gegangen \u2013 auch, weil immer so viel Hoffnung da war.&nbsp;<br \/>\nIch habe durch diese Gespr\u00e4che erkannt, wie wichtig das Reden und der Austausch \u00fcber das Sterben und den Tod sind. Seither l\u00e4sst mich das Thema nicht mehr los. In meiner Masterarbeit bin ich der Frage nachgegangen, welche Rolle das Schreiben \u00fcber den Tod in der pers\u00f6nlichen Auseinandersetzung mit dem Thema spielt. In meiner qualitativen Untersuchung hat sich herausgestellt: Eine grosse! Nach dem Abschluss 2014 habe ich an einem zweiten Buch gearbeitet, das palliative zh+sh im letzten Herbst herausgegeben hat. \u201eReden \u00fcber Sterben\u201c ist, wie der Titel schon verr\u00e4t, ein Pl\u00e4doyer daf\u00fcr, mit Vertrauenspersonen \u00fcber das Sterben zu sprechen. Verschiedene AutorInnen \u2013 darunter Fachpersonen \u2013 haben das Thema aus ihrem Blickwinkel und ihrer Praxis beleuchtet.&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>\u201eObwohl ich mir urspr\u00fcnglich vorgestellt habe, als Journalistin zu arbeiten, kann ich mit solchen Buchprojekten auch in der Organisationskommunikation die Fragen aufgreifen, die mir wichtig sind.\u201c \u2013 Elena Ibello<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich schreibe auch nach wie vor viele Texte, vor allem f\u00fcr die Newsplattform von palliative zh+sh. Um dort Themen zu setzen, vertraue ich auf meine Wahrnehmung. Dass subjektive Beobachtungen wichtige Daten liefern, mit denen man arbeiten darf, war im Studium eine Art Schl\u00fcsselerkenntnis f\u00fcr mich. Mittlerweile habe ich schon \u00f6fter die Erfahrung gemacht, dass das, was die Leute in der Palliative Care besch\u00e4ftigt, sich oft mit dem deckt, was auch mich selbst umtreibt. Wenn ich dann so ein Thema \u2013 wie etwa das Reden \u00fcber Sterben \u2013 vorschlage, sagen pl\u00f6tzlich alle: Ja, genau! Vor dem Studium h\u00e4tte ich mich das wahrscheinlich nicht getraut. Ich h\u00e4tte nicht den Mut gehabt, zu sagen: Das besch\u00e4ftigt mich \u2013 und deshalb will ich unbedingt etwas dazu machen!<\/p>\n<p><em>Elena Ibello schloss den BA Journalismus und Organisationskommunikation des IAM 2010 und den Master Kulturpublizistik der ZHdK 2014 ab. Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte und protokollierte Eva Mackensen im Mai 2017.<\/em><\/p>\n<p>*Titelbild: Elena Ibello (Foto: Barbara Munz)<\/p>\n<hr>\n<h3><strong>Michael F\u00e4ssler \u2013 Ausstellungen als Form von Publizistik<\/strong><\/h3>\n<p>Morgen endet meine dritte Arbeitswoche im Alpinen Museum in Bern. Im Stapferhaus Lenzburg, meiner vorherigen und bisher wichtigsten Station in meinem Berufsleben, war ich Kommunikationsverantwortlicher und betreute die Publikationen; im Alpinen Museum steht in meiner E-Mail-Signatur \u201eProjektentwicklung\u201c. Hier wie dort ist f\u00fcr mich die M\u00f6glichkeit, mich stark an der Konzept- und Strategiearbeit zu beteiligen, sehr wichtig. Dadurch, dass sich unsere Ausstellungen als \u201eThemenmagazin im Raum\u201c verstehen lassen, und dass das Museum den Anspruch hat, \u00f6ffentliche Diskurse anzustossen und zu pr\u00e4gen, kann ich meine publizistische Ader ausleben.<br \/>\nIn meinem derzeit wichtigsten Projekt geht es unter anderem darum, die Sammlungsbest\u00e4nde, die zu Beginn der Amtszeit von Beat H\u00e4chler, dem Direktor des Museums, erstmal in den Keller gez\u00fcgelt wurden um gegenwartsbezogenen Themenausstellungen Platz zu machen, in einem neuen Raum und in einer neuen Form wieder sichtbar zu machen. Dazu geh\u00f6rt die Aufgabe, die reichhaltige, teils aber auch l\u00fcckenhafte Sammlung als solche noch einmal zu befragen: Was sagen uns die Objekte, und weshalb ist es wichtig, sie zu sammeln? Das Projekt heisst \u201eFundb\u00fcro f\u00fcr Erinnerungen\u201c und versteht sich, ein St\u00fcck weit im Sinne eines Schaulagers, als Scharnier zwischen dem Publikum und der Sammlung. Ab 2018 wird das Thema die Skikultur in der Schweiz sein. Hierbei interessieren uns beispielsweise die unterschiedlichen Erfahrungen verschiedener Generationen und die darin gespiegelten gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen.&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_2098\" aria-describedby=\"caption-attachment-2098\" style=\"width: 199px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/vis-a-vis\/files\/2017\/07\/Michael-F\u00e4ssler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"199\" height=\"300\" class=\"wp-image-2098 size-medium\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/vis-a-vis\/files\/2017\/07\/Michael-F\u00e4ssler-199x300.jpg\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2098\" class=\"wp-caption-text\">Michael F\u00e4ssler<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das \u201eFundb\u00fcro\u201c und die Sammlung soll auch im Netz pr\u00e4sent sein, auch hier im Sinne eines Ortes der Interaktion mit dem Publikum. Wir wollen das Wissen der Menschen in Form von Erz\u00e4hlungen und Geschichten sammeln. Wie es der Titel \u201eFundb\u00fcro f\u00fcr Erinnerungen\u201c schon vermittelt, ist der Einbezug spezifischer Zielgruppen, wie beispielsweise Leute aus dem Schweizer Alpen Club, sehr wichtig. In meiner Arbeit kommen somit sehr viele Dimensionen dessen, was ich schon gemacht habe, \u2013 namentlich: Konzeption, Erz\u00e4hlen, Strategieentwicklung, Interaktion mit dem Publikum \u2013 zusammen. Was mir besonders Spass macht, ist, dass die Arbeit nicht prim\u00e4r aus einem Erledigen von Mikrotasks bei gleichzeitigem Zusammenhalten verschiedenster paralleler Abl\u00e4ufe besteht, wie es bei der Kommunikationsarbeit oft der Fall war, sondern dass ich manchmal zwei Tage lang ununterbrochen an einem Konzept br\u00fcte. Ich lasse mich auf ein anderes Tempo ein und muss lernen, l\u00e4nger und tiefer \u00fcber Dinge nachzudenken. In einem Buch, das ich gerade lese, wird das diskutiert: \u201eDeep Work\u201c als Kompetenz, an einem Thema vertiefend dranzubleiben, ist in unserer Wissensgesellschaft zunehmend gefragt, aber die gleiche Wissensgesellschaft neigt immer mehr zur Zerstreuung.<\/p>\n<p>Ein weiteres f\u00fcr mich sehr wichtiges Charakteristikum der Arbeit im Alpinen Museum ist der Umstand, dass man sich nicht in einem hermetischen Circuit der Kunstproduktion und des Kunstdiskurses bewegt, sondern dass mit jeder Ausstellung und jedem Thema wieder eine neue Welt aufgeht und unterschiedlichste gesellschaftliche Akteure involviert werden. Dass wir etwa \u00fcber Sinn und Unsinn des Erinnerns und Bewahrens nachdenken, und dass wir dabei im Dialog mit sehr vielen Stimmen und Bed\u00fcrfnissen stehen, macht die Arbeit herausfordernder, aber auch spannender.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch wollte einmal Journalist werden. Jetzt mache ich gewissermassen Journalismus mit anderen Mitteln.\u201c \u2013 Michael F\u00e4ssler<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Formate, die Medien, der Rhythmus sind anders. Aber am Schluss geht es darum, \u00fcber unsere Zeit nachzudenken und dar\u00fcber ein f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit interessantes Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Im Depot des Alpinen Museums gibt es die ersten Skis und die Ausr\u00fcstungen der fr\u00fchen Schweizer Himalaja-Expeditionen. Aber was uns wirklich interessiert, wenn wir Geschichte und Geschichten erz\u00e4hlen, ist das Verh\u00e4ltnis der Menschen zu den Bergen in der Gegenwart.<\/p>\n<p><em>Michael F\u00e4ssler schloss den BA Journalismus und Organisationskommunikation des IAM 2010 und den Master Kulturpublizistik der ZHdK 2015 ab. Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte und protokollierte Ruedi Widmer im Juni 2017<\/em><\/p>\n<hr>\n<p>Weitere Absolventenportr\u00e4ts im IAM Blog<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2016\/12\/02\/vom-iam-bis-ueber-die-wolken\/\">Vom IAM bis \u00fcber die Wolken \u2013 Adrian Schindler<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2016\/05\/09\/vom-kindheitswunsch-zum-traumjob\/\">Vom Kindheitstraum zum Traumjob \u2013 Rafaela Roth<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2014\/09\/29\/vom-iam-ans-zurich-film-festival\/\">Vom IAM ans Zurich Film Festival \u2013 Rebecca Panian<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/alumni-bachelor-kommunikation-und-medien\/\">Alumni Bachelor Kommunikation und Medien<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/bachelor-kommunikation-und-medien\/\">Bachelor Kommunikation und Medien<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/iam\/\">IAM Institut f\u00fcr Angewandte Medienwissenschaft<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2009 gibt es den Master Kulturpublizistik der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste als Kooperation mit dem IAM. 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