{"id":2078,"date":"2017-06-28T16:30:29","date_gmt":"2017-06-28T14:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/iam\/?p=2078"},"modified":"2024-08-15T13:57:27","modified_gmt":"2024-08-15T11:57:27","slug":"offen-schnell-und-dialogisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2017\/06\/28\/offen-schnell-und-dialogisch\/","title":{"rendered":"Offen, schnell und dialogisch"},"content":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung erfordert einen neuen Kommunikationsstil. Ein Auszug des Interviews mit <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/ueber-uns\/person\/roni\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prof. Dr. Nicole Rosenberger<\/a>, Professorin f\u00fcr Organisationskommunikation und Management am IAM, von&nbsp;<em>persorama*.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was ist Ihre Beobachtung als Medienwissenschaftlerin: Ist die Lust der Unternehmen auf Transparenz mit Social Media, digitaler Transformation, Big Data &amp; Co. gestiegen?<\/strong><br \/>\nDie Lust auf Transparenz nicht. Aber ich w\u00fcrde sagen das Bewusstsein ist gestiegen, dass Intransparenz heute sehr viel rascher skandalisiert wird als fr\u00fcher. Hingegen versp\u00fcren die Unternehmen sehr viel mehr Begeisterung, wenn es darum geht, dank Social Media und Big Data vertiefte Einblicke in Verhalten und Bed\u00fcrfnisse von Kunden und Usern zu gewinnen. Zugleich sind sie hier aber auch wieder in Bezug auf Transparenz gefordert: Wie geht das Unternehmen mit den vielen gesammelten Daten um, wozu werden sie verwendet? Dies sind Fragen, auf die ein Unternehmen gefasst sein sollte. Oder noch besser: Das Unternehmen vermittelt pro-aktiv, zu welchem Umgang es sich selber verpflichtet.<\/p>\n<p><strong>Wie spielt hier das Thema Werte hinein?<\/strong><br \/>\nWelche Werte ein Unternehmen \u00fcber F\u00fchrung vorlebt, ist in Bezug auf das Thema Transparenz ganz zentral. Denn abgesehen von Organisationen aus dem \u00f6ffentlichen Sektor, die dem \u00d6ffentlichkeitsprinzip unterstellt sind, kann es nie im Interesse eines Unternehmens oder einer Non-Profit-Organisation sein, wirklich alle Fakten, Zahlen und strategischen Entscheidungen offenzulegen. Denn sie stehen im Wettbewerb um Kunden und Geldgeber. Deshalb sprechen wir von der organisationspolitisch sinnvollen \u00abfunktionalen Transparenz\u00bb, dank der Chancen genutzt und Risiken minimiert werden. Unter Druck, in einer Krise, wird ein Unternehmen deshalb sehr viel mehr offenlegen m\u00fcssen als in Zeiten, in denen es ein hohes Vertrauen geniesst.<\/p>\n<p><strong>Welche Art der Kommunikation macht mit Blick auf mehr Transparenz Sinn?<\/strong><br \/>\nKommunikation sollte erstens offen sein,&nbsp;das heisst, dass Unternehmen beispielsweise gemachte Fehler eingestehen m\u00fcssen. Zweitens muss Kommunikation schnell sein. Dazu werden in der Praxis heute viele Kommunikationsabteilungen in Richtung Newsroom entwickelt. Drittens hat Kommunikation dialogisch zu sein. Hier spielt unter anderem der Einsatz von Social Media eine wichtige Rolle.<\/p>\n<figure id=\"attachment_95\" aria-describedby=\"caption-attachment-95\" style=\"width: 252px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/vis-a-vis\/files\/2014\/05\/Nicole_Rosenberger_web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"252\" height=\"300\" class=\"wp-image-95 size-medium\" alt=\"\" src=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/vis-a-vis\/files\/2014\/05\/Nicole_Rosenberger_web-252x300.jpg\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-95\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Nicole Rosenberger<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Welche Risiken sehen Sie?<\/strong><br \/>\nOffene, schnelle und dialogische Kommunikation birgt die Gefahr einer inhaltlichen Verzettelung. Deshalb ist es heute noch viel wichtiger als fr\u00fcher, dass ein Unternehmen eine langfristig ausgerichtete Positionierungs- und Kommunikationsstrategie entwickelt und umsetzt. Unsere Forschung zeigt, dass Kommunikation dann am meisten Wirkung erzeugt, wenn sie direkt mit Mission, Werten und Strategie des Unternehmens verkn\u00fcpft ist und gut mit Human Resources, Marketing und Branding abgestimmt ist. In dem an meiner Professur entwickelten <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/linguistik\/forschung\/organisationskommunikation-und-management\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Modell des identit\u00e4tsorientierten Kommunikationsmanagements<\/a> sind die diesbez\u00fcglichen Prozesse und Handlungsfelder erfasst und beschrieben.<\/p>\n<p><strong>Was kann Kommunikation im Unternehmen generell leisten in Bezug auf Glaubw\u00fcrdigkeit und Transparenz?<\/strong><br \/>\nKommunikation kann zum einen \u2013 entsprechend des oben angesprochenen Modells des identit\u00e4tsorientierten Kommunikationsmanagements \u2013 immer wieder pr\u00fcfen, inwiefern die definierten und kommunizierten Positionierungselemente von den Stakeholdern auch effektiv als gelebt erfahren werden. Klaffen definierte und kommunizierte Identit\u00e4t auseinander, dann kommt es in der Kommunikationsarena zu Kritik. Hier ist es die Aufgabe des Kommunikationsmanagements, mittels Monitoring solche Kritik fr\u00fchzeitig zu erfassen und ins Unternehmen einzuspeisen. Allenfalls muss die Kommunikation ver\u00e4ndert werden, oder es sind grunds\u00e4tzliche strategische Diskussionen \u00fcber allf\u00e4llige organisationsinterne Anpassungen im Unternehmen zu f\u00fchren. Transparente Kommunikation heisst nicht nur kontinuierlich zu kommunizieren, sondern auch Werte, Ziele, strategische Eckpunkte und erzielte Ergebnissse zu vermitteln. Wer transparent kommuniziert, der stellt positive und negative Aspekte dar und ist der Wahrheit verpflichtet. Transparente Kommunikation heisst aber auch, sachlich, pr\u00e4zise und verst\u00e4ndlich zu kommunizieren.<\/p>\n<p><strong>Wo sehen Sie im HR wichtige Handlungsfelder f\u00fcr die Zukunft, bezogen auf die Kommunikation?<\/strong><br \/>\nAm wichtigsten ist, dass HR sich eng mit der Kommunikationsabteilung abstimmt und die eigenen Bed\u00fcrfnisse einbringt. Generell hat HR zwei unterschiedliche \u00abKommunikationsm\u00e4rkte\u00bb zu bearbeiten: das Unternehmen gegen aussen als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren (Employer Branding) und gegen innen dieses \u00abMarkenversprechen\u00bb gegen\u00fcber Mitarbeitenden zu halten und entsprechend zu kommunizieren.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Macht es Sinn, in der Organisation die gesamte interne Kommunikation bei HR anzusiedeln?<\/strong><br \/>\nEs macht sicherlich keinen Sinn, die interne Kommunikation von der externen Kommunikation zu trennen. Interne und externe Kommunikation sollten im gleichen Bereich angesiedelt sein. Und dies aus drei Gr\u00fcnden: Erstens muss ein Unternehmen im Zeitalter von Social Media und Transparenz damit rechnen, dass alles, was intern kommuniziert wird, auch extern verbreitet werden k\u00f6nnte. Interne Kommunikation ist deshalb letztlich auch externe Kommunikation. Zweitens ist es so, dass sich Mitarbeitende nicht nur \u00fcber die interne Kommunikation \u00fcber das Unternehmen informieren. Sie nutzen dazu auch externe Quellen: sprich sie lesen Zeitung, sind auf sozialen Plattformen unterwegs und konsultieren vielleicht auch den Jahresbericht oder das Kundenmagazin. Deshalb wirkt externe Kommunikation immer auch nach innen. Wichtig ist deshalb, dass interne und externe Kommunikation nicht als zwei vollst\u00e4ndig unabh\u00e4ngige Bereiche gesehen und entsprechend isoliert voneinander organisiert werden. Und drittens ist es aus Sicht des oben angesprochenen identit\u00e4tsorientierten&nbsp;Kommunikationsmanagements absolut zentral, dass sich interne und externe Kommunikation als wesentliche Gestalter der Unternehmensidentit\u00e4t verstehen. Und diese Identit\u00e4t sollte \u2013 um glaubw\u00fcrdig zu sein \u2013 in wesentlichen Punkten konsistent sein.<\/p>\n<p><em>*Das ganze Interview findet sich in der aktuellen Ausgabe des Magazins f\u00fcr Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Human Resources Management <a href=\"http:\/\/www.persorama.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">persorama<\/a> (Nr. 2 Sommer 2017)<\/em><\/p>\n<hr>\n<p>Mehr von Prof. Dr. Nicole Rosenberger im IAM-Blog:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2017\/05\/30\/vom-gruender-zum-mentor-identitaetsmanagement-bei-kieser-training\/\">Vom Gr\u00fcnder zum Mentor: Identit\u00e4tsmanagement bei Kieser Training<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2016\/09\/12\/mini-migros-wie-der-orange-riese-spielend-um-vertrauen-wirbt\/\">Mini-Migros: Wie der orange Riese spielend um Vertrauen wirbt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/2014\/05\/12\/mit-geschichten-identitaet-praegen-und-vertrauen-foerdern\/\">Mit Geschichten um Identit\u00e4t werben und Vertrauen f\u00f6rdern<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr>\n<p>Mehr zum Thema:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/linguistik\/forschung\/organisationskommunikation-und-management\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Modell des identit\u00e4tsorientierten Kommunikationsmanagements<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/linguistik\/forschung\/organisationskommunikation-und-management\/reputation-ueber-identitaet-steuern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Buch: \u00abUnternehmenspolitik, Identit\u00e4t und Kommunikation\u00bb mit Fallbeispielen aus der Praxis<\/a>&nbsp;von Prof. Dr. Nicole Rosenberger und Markus Niederh\u00e4user<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"pt-sm\">Schlagw\u00f6rter: <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/iam\/\">IAM Institut f\u00fcr Angewandte Medienwissenschaft<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/identitaetsmanagement\/\">Identit\u00e4tsmanagement<\/a>, <a href=\"http:\/\/blog.zhaw.ch\/languagematters\/tag\/organisationskommunikation\/\">Organisationskommunikation<\/a><br><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung erfordert einen neuen Kommunikationsstil. 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