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Von Plato nach Konfuzius – Hat das nach Meer geschmeckt?

Sie nennen ihre Limousinen «Sonata», «Grandeur» oder gar «Equus» – bei den vielen Pferdestärken durchaus verständlich –, sie sind im Internet präsent, in fast jeder freien Minute mit ihrem Smartphone beschäftigt oder mit ihren Schminkutensilien, sie kauen belegte Brote als Zwischenmahlzeit, sie sprechen – und schreiben vor allem – beachtlich gut Englisch, sie essen immer häufiger mit Messer und Gabel, sie spielen leidenschaftlich Fussball, sie bauen Hochgeschwindigkeitstrassen für ihre Züge, kichern (sehr häufig) und turteln (ganz selten), feiern Halloween-Partys mit Popkonzerten, führen ihren Studienkollegen unbefangen ihre Leistungen vor und erzählen von ihren letzten Abstechern nach Genf, Brüssel oder Winterthur. Kann man oder sollte man da noch hin, wenn man ausziehen will, das andere, das Fremde zu suchen? Weit weg genug ist es ja allemal; wenn man in Incheon landet, hat man den Ural, die Mongolei und das Gelbe Meer längst hinter sich; noch einen Ozean weiter ostwärts, und man ist in San Francisco.

Aber aufgepasst: Die Tastaturbelegungen ihrer PCs sind für uns undurchdringlich; ihre Schrift, Han Gul ist ein «vereinfachtes» Silbenalphabet. Die Regierung kämpft gerade damit die üblichen 62-Stunden-Wochen irgendwie in die Nähe von 50 Stunden hinunter zu regulieren – OK, das dürfte dann eng werden für die Industrie, weiterhin mit einer Jahresarbeitszeit von 2’700 Stunden kalkulieren zu können. Manche blättern bis zu 90 Dollar für einen Aufenthalt in einem simulierten Knast hin – damit sie sich endlich einmal ausklinken können. Ungewöhnlich viele junge Leute setzen ihrem Leben ein vorzeitiges, jähes Ende, weil sie überzeugt sind, nie mehr mithalten oder den Erwartungen gerecht werden zu können. Das fängt schon im Schulalter an. Dort seien die Kinder zwar durch ein Gesetz davor geschützt, dass sie abends nach zehn Uhr noch zum Lernen angehalten würden, heisst es. Sie gehören zu rund der Hälfte keiner Religion an. Wenn doch, dann arran-gieren sich das Christentum und ein konfuzianisch geprägter Buddhismus mit einander. Sie leben zum Teil in über hundert Meter hohen Wohntürmen. Sie sind Weltklasse in Schiffsbau, LED-Displays und E-Sport.

Unsere Hochschule, die ZHAW strebt mit ein paar Hochschulen in Südkorea Austausch und Zusammenarbeit an. Bevor man da jetzt sein ganzes Herzblut hineingibt, dürfte man ja vielleicht mal kurz innehalten und sich fragen: Passt das überhaupt zusammen? Passen wir zu denen, passen die zu uns? Wenn sie in Südkorea «frei» aussuchen können (d.h. sich an die Programme der Regierung halten), dann kann es passieren, dass sie etwa auf Usbekistan oder den Nepal zugehen. Und wir Schweizer? Sind wir auch schon festgelegt oder hätten wir ausser Südkorea überhaupt noch andere Optionen offen? Da ich nun in der Schweiz, in Deutschland, in den USA und Südkorea den grössten Teil meines Lebens verbracht, vier bzw. gut drei Jahre und nun zuletzt drei Monate ge-lebt, gewohnt und gearbeitet habe, erlaube ich mir einen tabellarischen Vergleich der vier Länder. Es kann jeder selbst sehen, mit wem wir Schweizer das Heu am ehesten auf der gleichen Bühne hätten bzw. auf wen man zugehen müsste nach dem Prinzip der Gegensätze, die sich anziehen.

So bleibt am Ende die Frage: Werden in naher Zukunft noch mehr Studenten aus Winterthur den Weg nach Korea und insbesondere an die INHA University finden? Und werden sich vielleicht auch schon bald Studierende aus Korea an der ZHAW blicken lassen?

Schaun ‘mer mal. Oder: das wird sich für alle noch zeigen, und es werden es am Ende alle sehen – auch die, die sich noch nicht so ganz sicher sind, ob sie gesehen werden wollen.

Von Prof. Dr. Markus Weber Sutter, Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE)

Von Plato nach Konfuzius – Mit Schirm, Scham, Schande, Schmutz und Schutz, Teil 2

Müll aus Eimern in grösseren Säcken zusammenzuführen, halbausgetrunkene Becher anzufassen und zu sortieren, sieht man praktisch nur die Frauen der jetzigen Eltern- oder wahrscheinlich Grosselterngeneration. In den Putzmittelabteilungen fällt einem als erstes die riesige Auswahl an Handschuhen auf. Auch Polizisten und Wachleute tragen hier oftmals Handschuhe. Viele Dinge wie Guetsli oder Crackers sind in mehrere Lagen von Umverpackung eingetütet. Selbst an edlen Limousinen sieht man vielfach bunte, an den Türrändern aufgeklebte Hartschaumblöckchen, damit es gar nicht erst zu Komplikationen mit einem Mitmenschen kommt. Ein Gedränge ist hier eine Seltenheit, das Schlange-Stehen an der Bushaltestelle ist in Grossbritannien wahrscheinlich auch nicht dezenter und unaufdringlicher und ich wurde noch kein einziges Mal angerempelt. Manchmal springt es mich an, dass dieser Schutzfolien- und Distanzhaltungsfetischismus vielleicht auch einen Anteil an der beispielhaft tiefen Verbrechens- und Geburtenrate hat. Aber bei über 50 Millionen Einwohnern auf der Fläche kleiner als die ehemalige DDR kann das Land etwas Konsolidierung statt Wachstum bis ultimo gebrauchen. Unkontrolliertes, Natürlich-Wildes und Verwegenes bis Dreistes stehen hier ja ohnehin in den Ruf von Chaos und damit Aufbegehren gegen ein wohlgeordnetes System, das so essentiell wichtig scheint, dass es notfalls auch an den darin lebenden Menschen vorbei etabliert werden müsste. Es scheint also durchaus verlockend, in aller Sorgfalt einen mindestens zufriedenstellenden Status quo zu erhalten.

Bei den Instandhaltungs- und Putzroutinen kommt es dann aber zu Problemen. Diejenigen, die es täglich machen müssen, schämen sich wahrscheinlich dafür: Wenn man hartnäckigen Schmutz irgendwo entfernen möchte, dann muss man sich auf ihn zu bewegen, sich mehr oder weniger nach ihm recken, um darin zu schrubben, schaben oder stochern. Das ist wie eine kleine Erniedrigung. Sittlich weit akzeptabler erscheint in jedem Falle ein rein turnusgemässes Entlangwischen. Und so kommt es überall dort, wo sich Schmutz nur unmerklich, aber langfristig und vor allem unweigerlich an schlecht zugänglichen Stellen absetzt, zu systematischen Auslassungen, zur Verwendung rettungslos zu scharfer Putzmittel oder zu fast schamanischen Vorbeugungsritualen wie dem, an sämtlichen neuen Elektronikgeräten diese leicht bläuliche Schutzfolie gegen das Zerkratzen niemals abzunehmen, auch wenn dadurch jeder PC auf Dauer etwas von einer Vogelscheuche bekommt.

Es wird schwarz an den Rändern der Flure. Zwischen den Pflastersteinen tun sich Lücken auf. Auf dem sandigen Untergrund hier in Meeresnähe sinken die Steine ab und es brechen die Platten. Was soll man dagegen machen? Flugs einen äusseren Schuldigen finden und ihn zur Nachbesserung verknacken? Wenn es so einfach wäre. Also? Den mählichen Niedergang einfach nur hinnehmen? Solche Ladenlokale haben wir mehr als eines gesehen. Der Umsatz dort muss null sein. Jedenfalls solange sich kein Käufer für ein zwanzig Jahre altes Taschenrechnermodell in einer fingerdick mit Staub belegten ausgebleichten Verpackung meldet. Es ist müssig, hier die Dauerpräsenz der Verkäufer vom Arbeiten zu unterscheiden. Das Prädikat «dauer-busy» haben sich die Koreaner unter anderem durch eine Arbeitsgesetzgebung auf Augenhöhe mit den US-Amerikanern redlich verdient.

Und doch: Es gibt ein drittes (nicht wie bei Aristoteles) als Lösung, das Auskehren mit dem eisernen Besen am Ende. Das Ersetzen mit dem Brandneuen, das im Idealfall immun gegen den Niedergang ist, dem man zuletzt noch Tribut zollen musste. Am nötigen Kleingeld dazu gebricht es hier kaum. Bald werden sie sämtliche Sicherheitsgeländer an den Strassenrändern und die Parkplatzabsperrungen aus Normalstahl mit Schutzanstrich durch solche aus Chromstahl ersetzt haben. Man gönnt sich ja sonst nichts. Man kann ein Lokal oder einen Laden solange in immer gleicher Weise bewirtschaften, bis man am Boden des Fasses angekommen ist. Dann schmeisst man an einem einzigen Nachmittag alles hinaus, bugsiert es zu einer Ansammlung von Gleichartigem am Strassenrand, und es kommt tags darauf brandneue Ware, picobello von A bis Z – oder die Abrissbirne. In den grossen Städten wird von den Wohnquartieren mit ihren maximal zwei- bis dreistöckigen Häusern und der wäscheleinenartigen Stromversorgung (ähnlich wie in USA, aber bei 230 V) eines nach dem anderen plattgemacht. Als sich die Bewohner eines Quartiers in Seoul einmal solange auf die Hinterbeine stellten, dass man sie sich ihre beschaulichen Verhältnisse bewahren liess, machte diese Heldentat in vielen Reiseführern der Welt die Runde, weshalb dieses Quartier nun vom Tourismus erst heimgesucht, überrannt, dadurch entstellt und auf diese Weise zuletzt auch plattgemacht werden wird.

Das Einsammeln der Anhäufungen? Beim Altkarton und den Müllsäcken wird dies fast ausschliesslich von älteren Männern mit ihren Fahrrädern und Anhängern erledigt. Anderes scheint ewig stehen zu bleiben und der Abholung zu harren. Und was unternimmt man gegen den Geruch, der gelegentlich aus den Kanalschächten steigt? Hier ist Aufklärung etwas zwischen peinlich und unerwünscht. Denn wer kann und wer will schon so genau wissen, wie man Rohrleitungen verlegt? Besser scheint es, unbekümmert von den Einzelheiten dort unten, in einer gewissen Duldemütigkeit zu leben und einfach zu warten, bis es einem dereinst von wem gemacht wird – und dann gleich richtig.

Wenn sie einem erklären «We Koreans go to elementary school at age eight», dann meint das nur, dass die Kinder bei ihrer Einschulung ca. sieben Jahre alt sind wie bei uns, weil sie bei ihrer Geburt für den täglichen Sprachgebrauch als exakt ein Jahr alt gelten. Also: «How old are you – in Korean age?»

Runderneuerung durch rigoroses Abschütteln und Ersetzen ist auch eine Art, die eigene Vergangenheit zu bewältigen, wenn diese als ehrenrührig oder peinlich und belastend empfunden wird. Die langen Jahrzehnte als Protektorat Chinas, zuletzt als Kolonie der Japaner und am Ende noch die besondere Demütigung der Koreanerinnen als «Trostfrauen»: am besten einfach alles vergessen! Oder wollten die Koreaner den Japanern deshalb ewig gram sein und auf ganzer Linie mit ihnen brechen? Noch 2002 waren sie doch mit ihnen die Gastgeber der Fussball-WM. Jener Taxifahrer erzählte dazu: Es spricht grundsätzlich nichts gegen sie und auch nicht gegen den Kauf eines japanischen Autos. «They make fine cars» (der eine oder andere wurde schon gesichtet). Aber «…the bad thing about Shinzo Abe is that he repeatedly refused to apologize for what happend then…»

Beliebtes, auch weil nahes Urlaubsziel der Koreaner? Japan! Und nicht etwa China? China – ist problematisch; vielen Koreanern sei die dortige «Infrastruktur nicht gut genug». Ich mag mich täuschen, aber ich vermute, es mangelt dort im Küchen- und Sanitärbereich hie und da noch etwas an der porzellanartigen Anmutung.

Von Prof. Dr. Markus Weber Sutter, Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE)

Von Plato nach Konfuzius – über den grossen Teich geschaut

Ob das am Ende nicht vielleicht doch eine Spur zu exotisch werden könnte für mich – und meinen Gaumen –, fragte ich Wolfgang Kickmaier. Ach, i wo! Südkorea ist sozusagen «Eastern Asia for beginners», kulinarisch und ganz allgemein vollkommen «durchamerikanisiert». So nannte er das. In den Staaten hatte ich ja auch schon mal für drei Jahre gelebt, also musste es jetzt auch klappen. Und tatsächlich begegnen einem hier viele Dinge, die wie von den US-Amerikanern übernommen daherkommen. Ohne die USA gäbe es die «Republic of Korea» gar nicht – oder jedenfalls nicht in der Form. Den Koreanern ist das sehr wohl bewusst: General-Mc-Arthur-Statue hier, Denkmal zur Festigung der Freundschaft USA-Südkorea da, grosse, repräsentative Limousinen, breite Strassen, gemeinsame Manöver, gemeinsame Feinde, amerikanische Truppen auf koreanischem Boden – alles Normalität. Und immer, wenn das Koreanische in seinem Original für einen Gegenstand oder Sachverhalt, der bis vor kurzem hier komplett inexistent war oder schien, keinen passenden Ausdruck hergibt, steht das amerikanische Englisch Pate bei der Schaffung von Lehnwörtern («Kompiutoa», «Bodikae» «Hailait» usw.). In mir wurden ständig auch die herrlichen Gags und die Ironie der amerikanischen Unterhaltungsindustrie wieder wachgerufen: Jay Leno’s «Tonight Show», «…the war on Christmas…», «…Latin? That’s something for Catholics. Come on!…»
A propos, oder speeking of which: Meine gesamten Vorfahren sind oder waren, soweit mir bekannt, mehr oder weniger stramme westfälische Katholiken. Während noch meiner Oma ohne einen sonntäglichen Kirchgang fast körperlich etwas zu fehlen schien, konnte ein Bruder meiner Mutter, als meine Schwester und ich ihn einmal im Ruhrgebiet besuchten, uns auf einer Autofahrt bei jeder zweiten Kirche, die wir erblickten, Dinge sagen wie: «Guckt mal! Da steht doch auch wieder so eine Halleluja-Garage.» Und wenn wir den Tabubruch dann mit Lachen quittierten, kam: «Ja, da, wo dieser komische Vorturner doch immer ist.» Dazu fuchtelte er dann, mit den Händen längst nicht mehr am Lenkrad, wild in der Gegend herum. Damals krümmten wir uns vor Lachen. In den USA hatte ich sie zum ersten Mal in meinem Leben in echt gesehen: Kirchen mit eingebauten Wohnungen und Garagen. Und exakt so sehen hier viele auch aus. Man weiss dann jeweils nicht, ob sich in solcher Architektur die Reduktion auf einen Raum, in dem sich «zwei oder mehr im Namen» ihres Stifters versammeln können, ausdrückt oder ob sie der Unterbringung der Wechslertische und der aus Pflugscharen geschmiedeten Schwerter dient. Die Orgelklänge jedenfalls, die aus der Kirche, die gleich neben dem «Guest House» der INHA Universität steht, über meinen Balkon zu mir ins Zimmer geweht werden, kommen mir sehr vertraut vor.

Die Menschen in Ostasien wissen sehr wohl, dass nicht die Europäer das Schiesspulver erfunden haben. Umso schwerer muss ihre Volksseele von Demütigungen wie den Opiumkriegen getroffen worden sein. Das Jahrhundert danach heisst in China «das Jahrhundert der Schande». Die Rückständigkeit abzuschütteln, in die sie zivilisatorisch geraten waren, ist seither zum Leitmotiv ihrer energischen Aufwärts- und Vorwärtsbewegungen geworden.

Wer sich auf Wikipedia über die Rolle der Religion («Opium des Volkes», Karl Marx) in Korea informiert, lernt vermeintlich längst Bekanntes noch einmal von einer neuen oder, wenn man so will, sehr alten Seite zu sehen. Auch die Europäer hatten ihre dunklen Jahrhunderte. Die Erhebung des Christentums von einer missliebigen Sekte zur Staatsreligion im Römischen Reich fruchtete schon bald im Abschütteln alles Heidnischen, und so mussten auch die Weisheiten eines Plato oder Aristoteles für ein knappes Jahrtausend von der Bildfläche verschwinden. Dass diese Schätze dann im Zuge der Renaissance so einfach ein zweites Mal gehoben werden konnten, verdanken die Christen auch den Muslimen. Wenn man also selbst als Gelehrter gut tausend Jahre lang nichts einsehen konnte, was man nicht durch Gott zur Einsicht bekommen hatte, wenn es keine Weisheit gab, die ohne das Postulat von Gottes unbezweifelbarer Existenz auskommen konnte, so wurde dies in der Renaissance und der später folgenden Aufklärung grundlegend anders. Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit dadurch, dass man sich seines Verstandes ohne die Anleitung eines Dritten bediente, wurde zum Gebot der Stunde und zum Schlüssel unzähliger Einsichten und Einblicke, mit denen die geistige Durchdringung von Natur und Technik, wie sie sich bis dahin in Asien entwickelt hatte, im Eilzugstempo überholt, qualitativ übertrumpft wurde, müsste man sagen. Im englischen Begriff «enlightenment» schwingt zwar noch ein wenig der dem Betrachter gewogene «Beleuchter» mit, aber auf der anderen Seite festigt der neueste Werbefilm der ZHAW den Triumph des (eigenständigen) Denkens über das blosse Wissen – über die Beschwörungsformeln erst recht.

Die grosse Mehrheit der Koreaner war lange Zeit in einer Art Naturreligion mit Ahnenkult, dem Sindoismus, verhaftet, während «organisiertes» Religiös-Sein den Oberschichten vorbehalten blieb. Es war schliesslich aber der bemerkenswerte Impetus der herrschenden Könige, Religionen wie Buddhismus oder Christentum («Platonismus fürs Volk», Friedrich Nietzsche) ins Land zu holen, um die Bevölkerung aus ihrer Umnachtung in die Moderne voranzubringen. Die Chinesen hatten damit Erfolg, also holte man sich hier auch Handelshäuser und die Kirche aus Europa in die Hafenstädte. Eine Keimzelle des modernen Incheon war ein deutsches Handelshaus. Bei dem hohen Stellenwert der Schulbildung im Konfuzianismus und beispielsweise den Klosterschulen hatten sich da aber zwei gefunden! Der Konfuzianismus fand bei vielen Koreanern auch wegen seiner Riten zur Ahnenverehrung Anklang und wirkte so prägend auf den Buddhismus ein, der dadurch ein eigener koreanischer Buddhismus wurde. Auch die katholische Kirche hatte seit der Duldung der Ahnenverehrung etwas bessere Karten in der Hand.

So ist hier eine katholische Kirche bar jeglicher Altlasten aus ihrer Vorgeschichte angelandet. Hier konnte sie als Tabula rasa starten und soll sich auf die Barmherzigkeit und Wohltätigkeit konzentrieren, darin sind sich der Staat und die Bevölkerung einig. Sie steht soziologisch aber auch für die Ankunft der Aufklärung, und das kann sich jeder Katholik einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Wie froh sie sind, die Koreaner, sich die Segnungen der Aufklärung nun voll und ganz einverleibt zu haben! «Du Mensch kannst alles einsehen, in alles Einblick nehmen. Traue dir das nur zu!» Dann kommen die Hochöfen und Smartphones wie von alleine. So hier geschehen. Die LED-Displays sind kein Zufall. Mit den Hochöfen und den Kohlekraftwerken kommt zwar auch die Luftverschmutzung, aber die weht, wie ich mir habe sagen lassen, vor allem aus China herüber. Die Externalisierung des Üblen ist ein klassisch christlicher Topos. There you go. Noch etwas Zweites scheinen sie sich mit an Land gezogen zu haben: Den schwierigen siamesischen Zwillingsbruder der Aufklärung, den Panoptismus. Er macht keine lauten Ansagen, er wispert nur, wobei offenbleibt, ob überhaupt wahr ist, was er sagt: «Du Mensch kannst bei allem gesehen werden. Halte das durchaus für möglich! Gewöhne dich daran! Oder mute dich besser gleich den Blicken aller anderen zu!» «Social Media» und Selfiestick sind auch hier angekommen – zusammen mit einer Unzahl an Überwachungskameras.

Hierin scheinen mir die Koreaner eher angelsächsisch: «Public Safety» und das Funktionieren des Staates sind so sehr überlebenswichtig, dass sie womöglich zwar die Kantische Schrift zum ewigen Frieden ganz nett finden, im Zweifelsfalle aber zur Stabilisierung der Verhältnisse lieber dem Hobbes’schen Leviathan Tür und Tor öffnen. Die an Konformismus gewohnten Ostasiaten haben mit einem autokratischen Regime tendenziell etwas weniger Berührungsängste als wir, solange dadurch z.B. nur die drängenden Probleme gelöst oder die Korruption ein für alle Mal beseitigt würden.

Daran, welchen Verlauf der Stellenwert des Individualismus und der Privatsphäre in den kommenden Jahrzehnten nimmt und inwieweit wir in Europa überhaupt willens und in der Lage sind, etwas anderes zu verwirklichen, als es sich hier abzeichnet, wird sich auch messen, ob man in Asien unsere Lebensentwürfe, unsere Lebensart oder Kultur je wieder zu einem erstrebenswerten Vorbild nimmt. Alles andere haben sie ja bereits selbst auch oder übernommen.

Wenn man das Christentum mit der Nächstenliebe assoziiert, während der Buddhismus ebenfalls in dem Zum-Versiegen-Bringen des ewigen Dürstens nach mehr, in einem asketischen und altruistischen Leben ein Ideal erkennt, gleichzeitig aber etwa die Hälfte der Koreaner komplett ohne Bekenntnis auskommt, dann ist es umso umwerfender, mit wieviel Freundlichkeit, welchen Geschenken und welcher Zuwendung ich hier zum Teil fast beschämt wurde. Sie selbst nennen das ganz säkular und bescheiden, fast profan: «…trying to be helpful…». Als mir eine Studentin ihre neue Jacke für meine Tochter (der dieses für Aussenstehende nicht erhältliche Kleidungsstück so sehr gefiel) als Geschenk überreichte, hätte ich fast geweint. Sie wolle ja nur, so sagte sie, sicherstellen, dass ich mit einem positiven Eindruck nach Europa zurückkehren könnte. Als meine Tochter in einem Laden zwanzig Franken von ihrem eigenen Taschengeld an den Kauf von zwei entzückenden traditionell koreanischen Kleidern für ihre Puppen beisteuerte, da legte die Verkäuferin noch drrei weitere als Geschenk obendrauf.

Sogar dem (ehemaligen) Feind die Hand zu reichen, das scheint Jae-in Moon bereit zu sein. Mein Gastgeber sprach einmal davon, dass die innenpolitischen Spannungen in Südkorea nicht unerheblich seien. Als mir bei meinem allerersten Besuch in der 10-Millionen-Metropole Seoul gleich ein Eiferer mit einem Transparent vor meine Kamera sprang, wie verwerflich und dem Wohlstand der Koreaner abträglich diese Aussöhnungs- und Annäherungspläne doch seien, als ich die Uniformen der Veteranen sah, die Marschmusik hörte und «R.O.T.C.» las, wusste ich, was es geschlagen hatte. «Fast vollkommen durchamerikanisiert». Sollte China die USA als Macht mit dem grössten Einfluss auf Südkorea ablösen, so gefällt das einigen gar nicht. Sie hätten lieber eine Zukunft, die man mit der Vergangenheit glatt verwechseln könnte.

Von Prof. Dr. Markus Weber Sutter, Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE)

Von Plato nach Konfuzius – Kein Latein?

Man sollte jetzt als Europäer auf keinen Fall der Versuchung erliegen, den Vergleichswettbewerb auf jene bald zum peinlichen letzten Vorposten verkommene und eben nur vermeintliche Bastion einer alt-ehrwürdigen bedeutsamen Tradition zu verlagern und zu fragen: «Wie haltet ihr’s mit dem Latein?» Wobei «Latein» hier durchaus als Platzhalter, aber auch wörtlich zu verstehen ist. Ich hab’s – unfreiwillig zwar – erprobt und kann mich von der Peinlichkeit nur schwerlich erholen. Mich haben schon mindestens drei Menschen (mein Gastgeber und zwei Wildfremde), als sie «Schweiz» («Süö-ui-sö») verstanden, fast reflexartig gefragt: «Ja, sag mal: Schweiz, das war doch das Land mit den vier Landessprachen. Welche waren das gleich nochmals? Deutsch, Französisch und dann?» «Dann», sagte ich, «kommen da noch das Italienische und das Rätoromanische. Vielleicht wäre es realistischer, Englisch als vierte Landessprache zu nennen oder von fünf Landessprachen zu sprechen. Das Rätoromanische wird es wahrscheinlich gar nicht mehr lange geben». So wollte ich vermeiden, mich für das Rätoromanische irgendwie erklären zu müssen. Der eine liess aber nicht locker, bis ich ihm erklärte, er solle das nicht mit dem Rumänischen verwechseln, sondern es so verstehen, dass es direkt vom Latein abgleitet sei, also «…has to do with Ancient Rome…». Worauf er in fehlerfreiem Englisch sagte: «Actually, the nation of Romania does, in fact, have to do with Ancient Rome.» Oder als neulich «Han-Geul»-Feiertag war, also die über fünfhundert Jahre alte Leistung des koreanischen Königs Sejong, das chinesische Schriftzeichensystem durch ein vereinfachtes Silbenalphabet ersetzt zu haben, gefeiert wurde, die Supermärkte, für mich überraschend, geschlossen waren und sogar auf den Baustellen morgens um sieben Uhr etwas weniger Lärm gemacht wurde, erklärte mir Hyeon-Seok: «Was da gefeiert wird, musst du dir so vorstellen, wie wenn die Römer vom griechischen Alphabet wegkommen und an seine Stelle ein eigenes setzen.» Ich muss dazu sagen, dass ich mich jetzt schon über sechs Wochen mit dem «vereinfachten Schriftsystem» befasst habe und kaum über «guten Tag» und «Dankeschön» hinauskomme – zeigt vielleicht auch nur, dass man nicht jünger wird. Da hat also ein ganzes Volk ein althergebrachtes Kommunikationssystem abgeschüttelt und durch ein neues ersetzt, weil mit dem alten zu wenige Menschen an der allgemeinen schriftlichen Kommunikation teilnehmen konnten.

Und jetzt steht ihnen mit der Globalisierung – auch oder vor allem im Wissenschaftsbetrieb – wieder ein neues Zeichensystem ins Haus: die lateinische Schrift. Und sie lernen sie alle. Englisch gibt es im Schulunterricht von der ersten oder dritten Klasse an. Einer mit leidlich gutem Gymnasialabschluss verfügt also hierzulande über Koreanisch auf hohem muttersprachlichem Niveau, Kernbestände an Chinesisch und Englischkenntnisse, die sich mit denen unserer Maturanden mindestens vergleichen lassen. Wie heisst es so schön: «The common language of science has become (broken) English.» Die lingua franca der Wissenschaften ist längst nicht mehr Latein, sondern gebrochenes Englisch. Die Koreaner lernen unsere Schrift mit Eifer und Freude. Marken und Namen aus USA und Europa oder solche, die wenigstens so klingen, sind durchwegs positiv besetzt und schwer angesagt. Den Umgang mit den Namen und Bezeichnungen (die hier schier unaussprechlich sein dürften) betreiben nicht alle Koreaner mit der gleichen Leichtigkeit. Weshalb ich gute Gründe sehe, den Campus und das studentische Ausgehviertel in Incheon als «Quartier Latin» in zeitgemässer Neuauflage zu bezeichnen.

Die Begeisterung und fast völlige Unbefangenheit mit unserem Alphabet und unseren modernen Sprachen reicht vereinzelt sogar bis zum richtigen Lateinisch zurück. Völlig platt war ich vor ein paar Wochen, als ich abends um elf den Fernseher einschaltete, um mich an den Klang einer Sprache zu gewöhnen, von der ich kein Wort verstand, und auf einem der Sender folgendes gegeben wurde: Der Intendant und Dirigent eines minimalen Show-Kirchenchores studierte mit den etwa acht in Talaren gewandeten Sängerinnen und Sängern eine Passage aus dem «Komm, Heiliger Geist» ein, wobei viel Wert auf absolut professionelle sängerische Darbietung gelegt wurde und im Wechsel aus jeder der Stimmen eine Interpretin oder ein Interpret hervortrat, um die Passage noch einmal in der Manier einer Opernsängerin oder eines -sängers vorzutragen und dabei die Unterschiede zu kommentieren, die ein Tremolo und ein Vibrato machen konnten. Der Intendant schien sehr zufrieden und ließ den Chor zum Abschluss noch einmal singen «…QVAE TV CREASTI PECTORA…», und damit jeder – auch Fernsehzuschauer – verstehen lernte, was man da sprechen oder singen sollte, war der Originaltext am Bildschirm mit jenen koreanischen Schriftzeichen unterlegt, die diese lateinische Passage phonetisch nachstellten. In der Gegenrichtung sind sie mit ihren Hilfestellungen genau so deutlich: «Forget about Romanization!», also etwa «Vergiss das Koreanisch-Lernen anhand lateinisch transkribierter Silben!» Ich kann es nur bestätigen. Die Transkription kann nur gewinnbringend einsetzen, wer wie ein Muttersprachler englisch spricht und dazu über eine gründliche linguistische Ausbildung verfügt, also nachvollziehen kann, was sich die Erschaffer der Transkriptionsregeln mit Blick auf die Phonetik gedacht haben müssen.

Von Plato nach Konfuzius – Ein schlechter Reim mit «klein»

Anfangs hatte ich den Eindruck, der einzige Europäer oder «Westler» hier am Campus zu sein. Doch mittlerweile sind mir mindestens ein Dutzend Leute begegnet, die Studenten oder «Mitglieder des Lehr- und Forschungskörpers», also «Faculty Members» westlicher Hochschulen gewesen sein müssen. Unter den Männern nicht wenige, die deutlich größer sind als ich – und das nicht, weil ich etwa besonders klein wäre. Es muss ihnen also zumindest bei der Ankunft und in den ersten Begegnungen mit vielen Einrichtungen und dem Mobiliar so gegangen sein wie mir, ein bisschen so, wie wenn sich Schneewittchen bei den sieben Zwergen an eines der Tischchen zu setzen und aus einem der Becherchen zu trinken versucht. Auch ein jovialer Blick an der jungen Generation vorbei auf die Koreanerinnen und Koreaner so ab sechzig aufwärts ist einer auf fast durchwegs für unsere Massstäbe bemerkenswert kleine, oft knorrige, irgendwie von den Strapazen eines arbeits- und entbehrungsreichen Lebens sichtlich gezeichnete Menschen.

Und ganz schnell geschieht es, dass sich einem neben dem Eindruck des «Klein-Seins» noch der einer gewissen Kindlichkeit aufdrängt. Wobei Kindlichkeit immer auch etwas Unbeschwertes, Erfrischendes hat. So geschah es mir bei meinem ersten Mittagessen, dem ich schon mit einer gewissen Anspannung entgegengesehen hatte, dass mich Hyeon-Seok (man spricht in etwa «h’Jån-‘Såk»), der Doktorand, der mir von meinem Gastgeber zur Seite gestellt wurde («…he is my brightest grad student…», was immer offensichtlicher werden sollte), in ein Restaurant führte und vorschlug, geschmortes Hühnchen an Glasnudeln in Soja-Sauce mit Reis zu bestellen – ein Gericht ab zwei Personen. Man lud sich also aus einer in der Mitte auf einem runden Tisch plazierten Pfanne Bröckchen des Hühnerfleisches und Glasnudeln immer wieder auf den eigenen Teller und versuchte, mit Stäbchen irgendwie dieser in Sauce getränkten Glasnudeln Herr zu werden, wobei mir bedeutet wurde, es sei auf jeden Fall statthaft, wahlweise auch den beigelegten Löffel zu benutzen. Als ich versuchte, eine nächste Portion von der Pfanne auf meinen Teller zu überführen und dabei die Schleppe an aus der Sojasauce gezogenen Glasnudeln so gar nicht enden wollte, gab mir Hyeon-Seok ein Zeichen, mich nicht kompromittiert zu fühlen, griff zu einem Utensil, das wir angesichts seiner kunststoffummantelten Griffe als Bastelschere bezeichnen würden, und schnitt die Nudeln ab, so dass die unteren Enden alle wieder in ihr Bad in der Sauce zurückfielen und dort verschwanden. Das sei üblich und bestens etabliert, sagte er und tat es im Verlauf noch mehrere Male sowohl bei den Nudeln, die ich mir zu nehmen versuchte, als auch bei denen für ihn selbst. Und das war nicht alles. Schon wenige Tage später beobachtete ich beim Einkaufen im Supermarkt, dass nicht wenige Kunden noch einige Zeit an der Aussenwand des Marktes etwa dort, wo man die Einkaufskörbe und -wagen zurückstellt, verbrachten, und wunderte mich, was die da so emsig mit ihren Einkäufen taten. Immer wieder hörte man ein leichtes Zirpen oder Kreischen, bis mir klar wurde: Hier zurren die Kunden mit meterweise Paketklebeband ihr Eingekauftes zusammen, damit beim Transport nichts herausfallen kann. Also jemand kauft z.B. zwei oder drei flache Dreissigerkartons (!) mit rohen Eiern. Klar, die muss er erst einmal stapeln, mehrfach umwickeln und am besten noch mit etwas Passendem zusammenzurren. Wie war das eigentlich bei uns gelöst? Es sind immer sechs oder zwölf Eier in einer verschließbaren Schachtel, und für die meisten Haushalte sind oft sechs Eier schon eines zu viel. Hier waren vor dem Supermarkt gleich eine ganze Batterie grosser, standfester Paketbandspender postiert, denen das Klebeband niemals ausgehen konnte. Sollte eine Rolle leer geworden sein, würde aus dem vertikalen Metallschacht gleich die nächste nachrutschen, sobald man die aufgebrauchte entfernt hätte. Ein Eldorado also für ein Kind im «Chläberli-Alter». Dazu kommt noch die in fliessenden Grenzen mit den Produkten der Unterhaltungsindustrie verwobene Anleitung der Gesellschaft zum Wohlverhalten durch allerlei Fanfaren und Melodien, wie man sie von Kinderspielzeugen kennt. Und wie immer kommt in unseren modernen Zeiten noch das Micky-Maus-T-Shirt-Phänomen bei den Erwachsenen zum Tragen, das man als Trotzreaktion oder Wiedergutmachungsaktion für eine in gewissem Sinne nicht gehabte oder jedenfalls nicht voll ausgekostete Kindheit interpretieren kann. Das Spiegelbild zum Jugendwahn unter den Erwachsenen, die Pflicht der Kinder, verdammt-nochmal erwachsen zu sein, scheint in Korea keine unbekannte Grösse. Ich muss für die jüngeren Leser ergänzen, dass die erste Tuchfühlung mit dem Wort «Korea» in unserer Kindheit folgende war: Das war unvorstellbar weit weg, die Menschen dort mussten zum Teil in grosser materieller Not leben und darum fürchten, ihre Kinder nicht ernähren zu können, so dass die Generation unserer Eltern von dort in begünstigten Verfahren kleine Kinder adoptieren konnte, mit denen wir dann als unseren allerersten exotischen Klassenkameraden zur Schule gingen. Die fernöstlichen Volkswirtschaften und Zivilisationen konnten uns gefühlt irgendwie noch lange nicht das Wasser reichen, sie waren auf Entwicklungshilfe angewiesen. Weil diese Gesellschaften aber niemanden im Westen bedrohten, keinem so schnell gefährlich werden konnten, die Menschen dort so fleissig, an Verbesserung interessiert und lernbegierig waren, neigte man dazu, alles, woran sie scheiterten oder womit sie sich schwertaten, mit einer an Herablassung grenzenden Grosszügigkeit zu sehen. Bei einem Kind hätte man gesagt: «Lasst sie/ihn doch erst einmal machen! Die/der macht das für ihr/sein Alter doch schon recht gut. Sie/er ist ja noch so klein».

Aber das hat sich radikal verändert. Von dem eben gezeichneten Bild bleibt ausser der Bastelschere, den Kleberollen und den Kindermelodien kein Stein mehr auf dem anderen. Die jungen Leute hier sind gross, die Limousinen, die Randsteine, die Strassen, die Einkaufszentren, überhaupt die Städte, die Häuser und sogar die Mahlzeiten, sie sind alle gross. Die ganze Volkswirtschaft ist gross – erst in jüngerer Zeit gross geworden, ja, aber gross. Im Bereich Schiffsbau und LED-Displays sind die Koreaner Weltspitze, fast einsam. Es ist Zeit, dass wir uns im Westen eingestehen: Die stehen uns in kaum mehr etwas nach. Als ich in einer Art «fishing for compliments» dem mehrsprachigen Taxi-Fahrer, der meine Frau, meine Tochter und mich am Flughafen sogar in einem Satz auf Deutsch begrüsst hatte, gesprächsweise zu verstehen gab, dass die Entwicklung in Korea doch eigentlich atemberaubend sei und ich den Eindruck hätte, es gehe nicht mehr darum, dass sie, die Koreaner, uns irgendwie einholen oder zu uns aufschliessen könnten, sondern schon eher darum, dass wir uns haben überholen lassen oder um den Anschluss bangen müssten, da nickte er nur in vornehmer Zustimmung.

Von Prof. Dr. Markus Weber Sutter, Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE)

Von Plato nach Konfuzius – das andere und das ganz andere

«Was uns Menschen,» so hatte ich unlängst in einem Interview jemand Kluges antworten gehört, «antreibt, sind wesentlich zwei Dinge: erstens die Suche nach dem anderen und zweitens die Suche nach dem ganz anderen.» Gemeint waren damit die Suche nach dem Mitmenschen, dem Ebenbild und Weggefährten, und die Suche nach einer höheren Entität. Das hat mich ob seiner Kürze und Prägnanz fast komplett vereinnahmt – und seither nie mehr ganz losgelassen. Die beschriebene Hingezogenheit als Triebfeder für alles, was wir tun und angehen, ist vor allem in der abendländischen Geistesgeschichte stark verankert. So heisst es etwa: «Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.» (Mt 25,40; EU). Hier sind die beiden Objekte der Suchbegierde sogar ethisch und spirituell kongruent. Der Philosoph Ludwig Andreas Feuerbach sagt im 19. Jhdt., dass im «Du» für das Menschsein der einzelne mit seinem Gattungsbegriff verbunden ist, und der Theologe Eugen Drewermann verbildlicht und leitet die von ihm postulierte inhärente Tötungsabneigung des Menschen eindrücklich über die Schilderung her, dass auch die Menschen, die achtlos oder mit einer gewissen Genugtuung einen Käfer zertreten könnten, schon ein erstes Mal zusammenzucken, bevor sie ein Eichhörnchen töten würden, und vollends innerlich entwaffnet wären, hiesse man sie, einem Schimpansen, dem sie Auge in Auge gegenüberstehen, ein Messer tödlich in den Leib zu stossen.

Das alles hat einen Zusammenhang zu dem, was ich über meine Erlebnisse in Südkorea erzählen will. Traditionell kümmert uns im Abendland das «Du». Mehr noch: Wir sind es gewohnt, auf Dinge zuzugehen. Mit dem «Du» und manchen Dingen haben wir unsere ersten Auseinandersetzungen. Wenn hie und da bis zur Bewusstlosigkeit von den Vorzügen des «problem-based learning» die Rede ist, dann setzt das wie selbstverständlich voraus, dass ein Mensch, wenn ihm nur etwas Unfertiges, ein Stück kognitive Dissonanz sozusagen, vor die Füsse geworfen wird, gleichwohl auf dieses etwas, das Problem (gr., «das vor einen Geworfene»), zugeht, um sich ihm zu widmen und mit ihm auseinanderzusetzen und um es letztlich einer Lösung zuzuführen. Ähnlich denken wir über Vorwürfe. Sie sind oft ein Gesprächsanfang. Wie stark das alles ist, kann man erst ermessen, wenn man sich mal vorstellt, man hätte ein anderes geistig-kulturelles Vermächtnis und so auch ein anderes Verhältnis zu den Dingen, die uns dazu bringen, aus uns heraus zu gehen. Man könnte schliesslich auch sagen: «Ein Problem? Das stört mein Harmoniebedürfnis. Bitte, wie kann ich ihm so aus dem Weg gehen, dass es nicht mehr da zu sein scheint? Unser stark verinnerlichtes «Anpacken» und «Lösen» aller Probleme verrät auch etwas über unser teleologisches Weltbild, also dass ein Jetzt-Zustand auf ein erwünschtes Ende hin entwickelt werden soll. Ein zirkuläres Weltbild impliziert so etwas überhaupt nicht.

Wir hatten an der ZHAW vor ein paar Jahren einen Postdoktoranden aus Thailand für einen Vortrag zu Gast, mit dem Armin Züger und ich zum Abschluss abends essen gingen. Wir sprachen über sein Land, die Politik und die Religion, bis er an einer Stelle sagte: «Wisst ihr, es gibt Ähnlichkeiten zur westlichen Art, religiös zu sein, aber auch wesentliche Unterschiede. Auch bei uns geht jemand, den etwas niederdrückt, genau wie bei euch auch, in den Tempel, begeht rituelle Handlungen und sucht im Geiste einen Gott auf», um dies im nächsten Satz zu erläutern mit: »Der Unterschied besteht darin, dass ihr im Westen glaubt, die Hinwendung auf diesen Gott lasse ihn Euch zu Hilfe kommen, so dass die Lösung eures Problems von Gott kommt, dessen Stärke euch durch sein Wirken durchdringt. Im Buddhismus glauben wir nur, dass dieses Nah-Sein bei Gott einen selbst in die Lage versetzt, sich wieder voll und ganz auf die eigene Stärke konzentrieren zu können, sich von ihr durchdringen zu lassen. Der Quell der Bewältigung einer Schwierigkeit sind wir selbst. Bei euch ist es jemand Äusseres.»

Das hatte ich alles im Hinterkopf, als ich mich aufmachte, mir anzulesen, wie man sich in Korea benimmt. Viel wichtiger noch: was man tunlichst unterlassen sollte. Meine Schwägerin, die zu Jahresanfang in Pyeongchang war, hatte mir schon eingeheizt. Es schien schnell klar zu sein: Zurückhaltung! Alles, was das «Kibun» eines Gegenüber, ansatzweise zu übersetzen etwa mit dessen «seelischem Gleichgewicht», missachtet, kommt einem schweren Verstoss gleich. Wer lauthals aus sich heraus und – noch schlimmer – einen anderen anlacht, der usurpiert dessen Gemütslage, insofern er eben unterstellt, dass dem oder den anderen auch gerade zum Lachen zumute ist. Aber was weiss man schon vom Gemütszustand des anderen – zumal eines anderen, der auch ganz streng nur in sehr eindeutigen Situationen etwas von seinem Inneren zu erkennen gibt? Wenn man einen Katalog von einzelnen Dos und Don’ts zusammenstellen wollte, könnte der recht lang werden. Ein immer wieder erkennbares Prinzip in diesen Verhaltensregeln ist neben der Vorsicht, das Kibun des Gegenüber nicht zu stören, die Behauptung, wonach die koreanische Gesellschaft noch immer stark in den Vorstellungen von Rangordnung und Ehrerbietung verhaftet sei. Das zieht sich bis in die Sprache hinein (aber dazu beim nächsten Mal). Letzteres hat viel mit dem Konfuzianismus und allem, was aus seinen fünf Kardinaltugenden in die Neuzeit herübergerettet wurde, zu tun: Laut Wikipedia kann man aus 1) Menschlichkeit/Nächstenliebe, 2) Gerechtigkeit/Rechtschaffenheit, 3) Rituellem Abstand/Sittlichkeit, 4) Weisheit und 5) Aufrichtigkeit/Verlässlichkeit die drei sozialen Pflichten Loyalität, kindliche Pietät und Wahrung von Anstand und Sitte ableiten. Zu erwähnen wäre noch die Weisheit, dass es der Familie gut geht, wenn es den Menschen in ihr gut geht, und dass es dem Staat gut geht, wenn es den Familien gut geht. Erwähnenswert deshalb, weil man sich so einen mehr oder weniger starken Hang zum Konformismus erklären kann.

Konfuzius-Statue im Park nahe der «Altstadt» von Incheon.

Können Samsung-Klone aus sich herauskommen?

Ich hatte noch nicht ganz auf meinem Sitz im Flieger platzgenommen, da wurde ich bereits Zeuge einer eindrücklichen Szene: Die Stewardess im anderen Gang stand vor einer Sitzreihe, in der gangseitig eine Frau sass, die a) Fluggast und, b) erkennbar älter war als sie und c) einen Sonderwunsch oder sogar eine erste Reklamation gehabt haben musste. Wann hatte ich das letzte Mal, eine uniformierte Person gesehen, die sich absolut formvollendet und in perfekter Körperhaltung zweimal vor der sitzenden Frau verneigte? Es fällt mir schwer zu sagen, ob in der Rekruten- oder Offiziersschule oder noch gar nie. Wir waren damals irgendwie hemdsärmeliger. Dann schien sich die Stewardess in Richtung Cockpit zurückzuziehen, gleichzeitig aber auch wie aus dem Nichts neben mir aufzutauchen. Wie ich später erfuhr, hat dafür schon jemand anderes einen leider etwas verächtlichen Terminus gefunden: «die Samsung-Klone». Es gilt in Südkorea für Frauen ein Schönheitsideal, das im wesentlichen darin besteht, weiblich, aber nicht zu sehr koreanisch auszusehen. Die Schönheitsoperationen und die Crèmes für helle Haut boomen. Die Erfolge davon sah ich gerade zum ersten Mal.

Als ich in der riesigen Ankunftshalle in Seoul/Incheon mit der Passkontrolle durch war und meine Koffer holen wollte, stellt sich mir ein Roboter in den Weg, um irgendwie hilfreich zu sein. Fragen hatte ich aber erst einmal keine, denn meine Koffer sah ich bereits auf dem Band. Ich holte mein Smartphone hervor, um von ihm wenigstens ein Foto zu machen, da war er auch schon weg. Er musste zur Ladestation. War ihm der Saft ausgegangen? Oder hatte ich sein Kibun gestört?

Jetzt mache ich einen Sprung ans Ende meiner ersten Woche. Bis dahin hatte ich schon zahlreiche unglaublich freundliche Erlebnisse mit den dortigen Doktoranden gemacht, die in einer unheimlichen Schnelligkeit all meine Probleme in Sachen W-LAN, Zugangskarte etc., etc. lösten. Auch hatte man mich aufgeklärt, dass Lachen in der Öffentlichkeit auf dem Campus ganz selbstverständlich erlaubt war, dass der helle Teint vieler Studentinnen zu ca. 50 % eine Errungenschaft der Kosmetikindustrie sei und dass immer mehr Koreaner sich zum Christentum bekennten; sozusagen eine Erscheinung des Zeitgeists. Ich war also freitags abends, es hatte schon eingedunkelt, in meinem Single-Apartment im 9. Stock des «Guest House», da vernahm ich bei offenem Fenster in der lauen Spätsommerluft von nicht allzu weither rhythmisches Scheppern und irgendwie Betriebsamkeit die nach geselligem Beisammensein klang. Konnte das wahr sein? Gemütlichkeit ist eine extrem deutsche Vorstellung. Ich glaube, in Europa hätte ich wie so oft den Stubenhocker gegeben und mir eingeredet, ich hätte vor dem Fernseher oder Computer besseres zu tun. Hier hielt es mich nicht mehr im Haus. Das wollte ich sehen. Und dann, nach einem kurzen Fussmarsch bis zum zentralen Veranstaltungsplatz dies: Da führte eine Gruppe Studierender der Fachbereiche «Chemical Engineering» und «Bioengineering» in weissen Gewändern, behangen mit Streifen in Gelb, Rot und Blau und mit Papierhüten, die kunstvoll mit Kugeln besetzt waren, ein Stück koreanischer Tradition auf, dass mir der Atem stockte. Wie ich später erfuhr («Sir, did you like it?» hatte mich einer der als Zuschauer am Rand Postierten gefragt.) kannten auch diejenigen, die nicht unmittelbar mitttaten, alle Abläufe und Chorsprüche. Sie hatten sie mit einem nach meinem Ermessen fast unvorstellbar hohen Übungsaufwand einstudiert. Sie lebten dies gleichzeitig als koreanische Tradition wie auch als eine Tradition, in der diese komplette und in sich nicht variierbare Aufführung von den Studentinnen und Studenten der höheren Semester an die jüngeren in unzähligen Übungsstunden weitergegeben, ihnen aber auch als Aufführung vor aller Augen, einer Art Feuertaufe gleich, abverlangt wurde. Wer es noch nicht beim Münsteraner «Tatort» gelernt hatte, der wusste es jetzt: «…Thiel, Tradition ist nicht die Aufbewahrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers…»

Die Taktgeberin war an ihrem besonderen Hut zu erkennen, und die Sicherheit und Stilvollendung, mit der diese kleinste, ja, «Athletin» muss man sagen, ihre Schritte auf den Platz setzte und dabei auf ihren kleinen – ich hätte gesagt, «Pfannendeckel» – eindrosch, wurden mit jeder Minute, mit jedem Formations- und Rhythmuswechsel beeindruckender. Sie musste das etwa einstündige Programm im Kopf gehabt haben. Die anderen, ganz gleich ob Männlein oder Weiblein, folgten ihr und taten ihr die kunstvollen Tanzschritte, mit denen sie zeitweilig in ihren Pluderhosen über den Platz zu fliegen schienen, nach, während auch sie mit einem Klöppel auf etwas eindroschen. An letzterem war besonders faszinierend, wie die paarweise ganz und gar nicht auf einander abgestimmten Klanghöhen der unterschiedlichen Gongs, die also wie nichts anderes zu einer Kakophonie und Beliebigkeit angelegt waren, in einem irgendwie gehaltenen Gleichtakt, eine Gesamtwirkung erzielten, deren fast übersinnlichem Zauber man sich kaum entziehen konnte. Hier war es: das Feuer. Auf drei Viertel der Strecke wurden ein Metallfass in die Mitte gestellt und darin ein paar kleine Stücke Holz in Brand gesetzt. Die Protagonisten der Aufführten passierten dieses Fass alle, indem sie gekonnt ihren Papierhut dort den Flammen übergaben. Die Gewänder und der Tand waren ephemer, die Tradition und der künstlerische Ausdruck waren es nicht. Ich war restlos beeindruckt. War die Verbindung einer nationalen oder ethnischen Tradition mit der Prüfung, alle Energie in die Veräusserung vor aller Augen zu legen, am Ende ein wichtiger Bestandteil, warum diese Gesellschaft, in der Industrie angeführt von ihren Hochschulabgängern, so erfolgreich sein konnte?

Und wer seinen Kopf die ganze Zeit über nur halb beieinander hatte, das war ich. Hätte ich nicht blitzschnell versschwinden und im Zimmer mein Smartphone holen sollen, um diese sensationelle Aufführung zu filmen? Nein, denn dann würde ich etwas verpassen und käme wohl eh zu spät. Zu dumm, dass ich mein Smartphone beim Verlassen der Wohnung nicht mit in die Beintasche meiner Dreiviertel-Hose gesteckt hatte. Wie dumm aber auch! Aber da war es doch. Ich hatte es eingesteckt und kaum mehr an mir gespürt und ausserdem in der Überzeugung gelebt, das getan zu haben, was ich schon so oft getan hatte: etwas vergessen. Ok, dann habe ich wenigstens noch den Abspann gefilmt. Das war sozusagen die «Zugabe» auf vielfachen Wunsch, nachdem die Künstler alle etwas getrunken hatten. Man muss sagen, dass hier der Apfel- und Traubenlimo weder lecker sind noch irgendwie den Durst löschen und deshalb auch nicht sonderlich gut als Lockvogel fürs Weitermachen taugen.

Von Prof. Dr. Markus Weber Sutter, Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE)

Von Plato nach Konfuzius – Start in ein Sabbatical in Südkorea

Korea? Bist du verrückt?

Das in etwa war die erste Reaktion meiner Frau, als ich ihr mitteilte, ich hätte mit unserem Wolfgang Kickmaier ausgekaspert, dass ich einen Teil meines Sabbaticals in Südkorea verbringen sollte. Klar, ich würde sie, die sie nebst Berufstätigkeit als Hausfrau und Mutter funktionieren muss, für die Zeit meiner Abwesenheit ganz alleine mit unserer Tochter und dem ganzen Haushalt zurücklassen. Insofern war mir klar: verrückt. Aber dann wären auch Ungarn, Liechtenstein oder Tägerwilen verrückt gewesen. «Hatten sie für einen wie dich wirklich nichts anderes? Mir hätte zum Beispiel Australien oder Südafrika besser gefallen,» meinte sie und vor allem: «Du, der du wie ein Bauer an jeglichem fremden Essen etwas auszusetzen hast, du willst dir koreanische Küche antun? Na, gratuliere!» Tja, was man eben so macht, wenn man einen gründlichen Tapetenwechsel sucht und gleichzeitig auch noch einer gewissen Erwünschtheit der versuchten Zusammenarbeit mit einer fremden Hochschule seitens unserer Schule Rechnung tragen will. Ich nehme es vorweg: Es war eine gute Entscheidung. Und in zwei Wochen kommen mich Frau und Tochter hier besuchen. Schliesslich vermisse man mich in der Schweiz – und das sogar auch wegen meiner gelegentlichen Beiträge im Haushalt. Hört, hört!

Wenn man so wie ich «vom Land» kommt, also aus Schaffhausen (ursprünglich bin ich aus Stein am Rhein), dann führt jeder Weg zum Weltgewandten, Mondänen über Zürich, genauer Zürich Flughafen. Und weil der wiederum von Schaffhausen aus am besten per «Flughafen-S-Bahn» erreicht werden kann, muss man neidlos zugeben: Der Weg führt auch über Winterthur – ausgerechnet! -, das einfach näher dranliegt, also schon mal das Stück mondäner ist. Warum ich das erwähne? «Atme doch einfach mal ruhig durch! Du kippst mir gleich noch um, wenn du nicht aufhören kannst, so flach zu atmen», redet meine Frau auf mich ein, ohne die ich wahrscheinlich wieder einmal die Hälfte der Dinge vergessen hätte. War ich so aufgeregt? Nein, warum auch? Wir hatten doch alles gepackt, es fehlte nichts mehr, die Koffer, so stellte sich später heraus, entsprachen zusammengerechnet fast aufs Kilogramm genau dem erlaubten Höchstgewicht von 2 x 23 kg, und mein ausgedrucktes Ticket hatte ich auch irgendwo, das wusste ich. Gut, die S-Bahn, in deren Türrahmen die kurze Verabschiedung immer länger wurde, kam irgendwie nicht pünktlich los, ja drohte sogar auszufallen. Schrecklich! Dann käme man ja mit weniger als zweieinhalb Stunden Vorlaufzeit am Check-In an und wer weiss, was einem dann blühen konnte. Als der Doppelstöcker dann in gewohnter Weise seine Umrichtertechnik auf die Asynchronmaschinen losliess und der Zug sich entsprechend sanft in Bewegung setzte, wurde mir klar: Jetzt beginnt meine spannendste Reise in Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Gebannt, fast elektrisiert versuchte ich jedes Detail dessen, was sich aussen am Fenster abspielte, einzufangen, zu behalten – es ging los! Da durchfuhr es mich: Du komischer Kauz! Diese Strecke fährst du jeden Tag. Oder fast jeden. Aber an jenem Dienstag hatte ich sie als Teil des Vormittagsprogramms tatsächlich schon zweimal abgespult. Und jetzt diese unerklärliche Faszination am sonst Alltäglichen. Es war, als wäre ich am Bahnhof Schaffhausen zwar in die absolut gleiche S-Bahn gestiegen wie schon hunderte Male zuvor, und sässe doch in einem Zug, in dem alles neu war, den ich so noch nie gesehen hatte. Hatte der Philosoph Plato das gemeint, als er sagte: Wir steigen nie zweimal in denselben Fluss (wörtlich übersetzt heisst es im Original: Wir steigen in dieselben Flüsse und steigen (doch) nicht hinein)? Was für eine irrelevante Frage! Jetzt heisst es erst einmal: «Adieu, Okzident und guten Morgen, Orient!» Es gibt auch eine Welt, die ohne Not bestens ohne Plato auskommt – oder zumindest würden die dortigen das spontan wahrscheinlich von sich sagen, und wir gehen auch davon aus. Als ich dann ein paar Stunden später die unterirdisch verbaute Alpenidylle der Flughafenmetro (alles fake, ich schwör’s) hinter mich gebracht hatte und die Sonne schon fast hinterm Horizont verschwunden war, erkannte man hinter den riesigen Fensterscheiben des Gates die nicht minder riesige Heckflosse des Dreamliners, der schon ganz im charakteristischen Mint-Türkis der Korean Airlines bereitstand. Es sollte ein Non-Stop-Flug werden. Noch einmal schlafen, und dann würde ich im Reich des Buddhismus, des Daoismus und des Konfuzianismus ankommen, falls nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt – abgeschossene Maschinen, Kabelbrände an Bord usw. usw. hat es alles schon gegeben. Wen in einer solchen Situation diese Art Gedanken vollkommen in Besitz nehmen können, der müsste konsequenter Weise auf dem Absatz kehren – oder auf dem Flug einen Rotwein nachdem anderen bestellen. Ich zum Glück nicht.

Die Maschine der Korean Air ist startbereit.

Von Prof. Dr. Markus Weber Sutter, Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE)

Iran, isn’t that the country at the axis of evil? – Part 4

My Sabbatical at Science and Research Branch of Islamic Azad University (SRBIAU) in Tehran – by Wernher van de Venn

Part 4: Inside the big city

Unfortunately, I have to start this blog with the saddest news that can happen to a country in the world: On June 7th, 2017 (our chronology), two terrible terrorist attacks of the «Islamic State» (IS) were committed in Tehran nearly at the same time in the early morning hours. The terror attacks occurred in the month of Ramadan and were perpetrated on government buildings in the city centre (near Baharestan place) and the tomb of the late leader of the Iranian revolution Ayatollah Khomeini. Again, I would like to express my deepest sympathy to the country and the people of Iran because of these awful attacks. No country in the world has deserved that innocent people have to give their lives for the goals of that insane and mentally retarded terrorists.

Fortunately, Iranian people did not let those attacks get them down, as expected by the terrorists. Although this was a severe attack against government and one of their religious centres and there was a great mourning about these events, live went on as usual several days later. Of course, the places have been widely closed for police investigations and some inconveniences had to be accepted (for instance my friend Mehdi has his company near Baharestan place and the entire region there was inaccessible for nearly one week).

One of the most difficult questions for average European people is the question about the reason why Muslims can do this to each other. I won’t comment here on this but just an explanation for people who are not familiar with the Muslim religion: Iran is a predominantly Shiite country and the IS terrorists are Sunnites. Both the doctrines of Islam struggle with a centuries-old dispute of the succession of the Prophet Muhammad (to put it very roughly). We should not react with a lack of understanding, because we had the same problem in Europe not long ago: Catholics and Protestants have tortured to death, insulted and offended each other in the past centuries – only very slowly tolerance and acceptance finally grew in the 20th century.

Although it is not easy to change the subject after this very sad news, please let me come back to the topic of my blog part 4, «Inside the big city». Did I already mention that Tehran is big? Okay, «big» may not be the right expression for that. Compared to a city in Switzerland or Germany it is tremendously large. 15 Million people living in the city and estimated 20 Million in its larger metropolitan area, whereas the borders are melting. Tehran is not only the most populated city in Iran but also the biggest in Western Asia and has the second-largest metropolitan area in the Middle East (only beaten by Cairo).

When you arrive by airplane at the international Imam Khomeini Airport (IKA), it feels like you have been flying over a sea of houses for at least one hour. In the night, it is even better: millions of stars are not above you, but beneath you.

Tehran at Night, a «Milky Way» consisting of at least 20 million stars (the very bright «star» at the right corner is the illumination of the famous Azadi football stadium, the fifth largest stadium in the world).

Such a large city naturally holds many attractions for foreign visitors. One of the first wonders of Tehran is how the traffic flows in the city. There is a constant high traffic volume at any time but when it comes to the rush hours it is even worse. For a route which takes under normal traffic conditions about 15 minutes to go, you have to calculate at least one hour or more if you won’t be late. And that, despite the drivers in Tehran are very creative, especially concerning circumventing traffic rules, as we know them in Europe. One of the simplest exercises for drivers in Tehran is to make a six-lane track from a three-lane track. You can easily imagine that the cars move very close in these situations and you better don’t lean out of the window or put your arm out, because motorcyclists use even the smallest gaps between the cars to overtake and get faster. Because of the very narrow space conditions, Tehran motorcyclists have to have almost acrobatic skills to manoeuvre their motorcycle by weight shifting and wild steering movements through the tightly standing cars. My friend (he is also a very good motorcyclist) calls this «motorcycle-dancing». The art is, of course, not to touch the cars; should it happen anyway, the car drivers do not have the ghost of a chance to do anything about it. It is impossible to get off and run after the motorcycles, because first you can hardly open the door of the car and second it is much too dangerous to get off, since at any time another motorcyclist can quickly show up and use the same gap for his drive. By the way, it is possible in Tehran to drive a motorbike alone, or with two, three or even four people at the same time. Of course, any combination of passengers and loads is also possible. For example, it is quite usual that a whole refrigerator with freezer unit is transported using the motorcycle.

All this results of course in frequently bizarre traffic situations in which every European car driver (perhaps excluding the Italians) would certainly break out into intense sweat after less than 10 minutes (and not only because of the high outside temperatures). Usually pedestrians are very much at risk everywhere they go. Crossing the street is a real horror. Although there are zebras on the roads, there would be no driver to brake for pedestrians at all. So, it is only possible to cross a road if you pluck up all your courage and use the slightest gaps in the flowing traffic to escape the cars and reach the other side of the road. Of course, you have to calculate your destination at the other side of the road, because you have to join the flow of the cars to some extend (it is like you cross a river, you cannot expect to go on the shortest line from one bank to the other). In my first time in Iran, I had to learn this properly. Usually my friend or mother-in-law took my hand and crossed the street with me. Well, from the outside you cannot see who is leading whom, but please imagine this picture, embarrassing… Meanwhile I have learned it and although it is dangerous, it is somehow a bit fun and adventure to curtly escape the cars. In any case, you always feel like a kind of hero if you reach the other side of the street alive. Nowadays there are some bridges for pedestrians to span the big city roads. This makes it especially easier for older people. But in general, even walking on the sidewalks is not without risk, Motorcyclists can show up everywhere. So, in Iran you better be prepared for everything.

Bizarre traffic situation in Tehran. Normally there is a constant traffic volume in the city centre around the Bazaar area. Although in this zone the traffic is limited to commercial vehicles and in some days only vehicles with even or odd numbers on the number plate, traffic is enormous. Experienced Tehran drivers usually have two license plates… On the far-left side you see a motorcycle driver using some free space to take the road in the opposite direction.

Next big thing is trying out public transport. Tehran has lots of Taxis (just in case: every car is a taxi), Busses and up to now five different metro lines (two will follow in the coming years). Using taxis is very easy, either you go for an official city taxi (yellow or green cars) which is the safest way for foreigners (but also the most expensive), or you go for one of the numerous private taxi drivers waiting to pick you up everywhere in the city. You need not do anything special to get one, if you are just standing around at the street with a slightly helpless facial expression, immediately a car will approach and the driver will ask you where you want to go. It is usually not as expensive as the official taxis, but in the end mostly a matter of negotiation. So, if you are not a good negotiator (and most Europeans are not very good in negotiating compared to Iranians) you could end up losing money. And of course, there is another possibility: «Snapp». Snapp is the Iranian version of the Uber App. As Uber is an American company and the American sanctions against Iran are still in force you can’t use any American software or application here. So, some Iranian guys decided to do their own application and it works at least as good as Uber: if you are registered just a few touches and slides on your smartphone are sufficient to have a car form every place in the city to every other place in less than 10 Minutes.

The Snapp application

Well and bus and metro ride: Tehran has an easy to access bus and metro system. If you want to go by bus or metro it is a good advice to get a bus and metro RFID card beforehand at one of the numerous counters in the city and load it with a certain amount of money. With that you are able to use all busses and metro lines in the entire city just by accessing the gates with your card. The fare will be automatically charged to the card. Busses usually follow the main streets and go every 5 Minutes (don’t take care of the timetables if there are some) on the main city lines. So, if you want to go anywhere it is advisable to plan your route and changing points beforehand. As the line net is not as dense as maybe in Switzerland, you have to be prepared for some walking. Don’t be confused: Busses are looking old and not very clean from the outside, inside they are usually very clean, but sometimes a little bit worn out. And, in some cases you can see German stickers such as: «Bitte nicht an die Türen lehnen» oder «Bitte während der Fahrt festhalten», so you know where the busses are from.

The metro is likewise very easy to access. There are five metro lines and a lot of metro stations throughout the entire city. With one of the available metro apps it is very easy to find your way through the city and the changing stations.

However, just a slight warning: Although busses and metros are very easy to access they are a little bit special to use for Europeans. It is especially fun in the rush hours. If you think there is absolutely no room for just a fly to enter the bus or metro it can happen, that about 5 people enter the compartment at the next station and make physical contact just a little bit more intense. That’s bad and if you suffer from claustrophobia it is not advisable to use the bus or metro lines during rush hours. Good thing is, that you cannot fall whatever strange kind of braking or bumping the bus or metro does.

And of course the most strange thing to Europeans: there are separate accesses for women and men. Although there are (usually) signs on the stations (men’s entry and women’s entry) it is not really sure that the busses or metros stop at the right place. So occasionally it happens to a male foreigner (like me) to enter the women’s compartment by mistake. This is not a problem (because you don’t get arrested or something for this) but it is really embarrassing to hear that more or less loud «eeeeeeeeeeeeehhhhhhhhhhhhhhhh» from the women which is always an alarm signal for me to quickly change the compartment (in busses usually men are sitting in the back and women in the front). The passage between the women’s and men’s compartment is usually blocked in the inside of the bus or metro, so you have to leave and enter the next compartment quick enough, which is a major problem during rush hour. By the way: if a woman enters the men’s compartment that is not a problem! So usually during rush hour the men’s compartments are more crowded than the women’s compartments.

Women only compartments in Tehran’s metro. (Source: Real Iran

And above all, of course, the people here: such openness, friendliness and cordiality are hardly seen in any other country in the world. I get always friendly(!) addressed and also people who do not know me are very worried about my welfare, want to take me to the mountains, invite me to their home, etc… This is phenomenal. Many people in Tehran speak very good English, some even German and those who don’t, even manage to tell you everything using self-explanatory gestures. And Tehran is one of the safest cities in the world, you can go out at any time and any place in the night without any fear. The metro of Tehran is said to be one of the cleanest metros in the world and that’s true, even a spoiled Swiss resident like me has nothing to complain about.

The Tehran Bazaar… of course, if Europeans think of the «Orient» almost the first thing which comes to their sense is: «They have Bazaars». To us it’s a kind of magic what happens there. Carpets (flying carpets?) and Aladdin’s magic lamp, gold and precious fabrics, all kinds of goods and all kinds of sweets, spices and foods and of course: You can’t buy anything there without negotiating about the price for at least one hour on average.

This is one of the entrances to Tehran Bazaar at the main trading hours. You can buy everything there. But be warned: If you are not accompanied by a local you can easily get lost in that 10km of different alleys.

Yes, you can find all that on the Tehran Bazaar. And again, Tehran Bazaar is the largest of its kind in the world with shops, banks, mosques and guest houses. The Bazaar area is divided into different sections mainly applying to the kind of goods you can buy there. I haven’t been everywhere, but it is said that the different Bazaar alleys cover a total distance of about 10 km. The Bazaar area is accessible by a lot of different entrances, some of which are closed and guarded in the evening. The main trading hours are between 5 pm and 7 pm. If you go there during the main trading hours you will experience the real magic of the Orient. Lots of small shops selling everything you can imagine, lots of people buying and negotiating. You can look everything without being forced to buy (of course sometimes you are asked «Where are you from?» and sooner than you can imagine you will be involved in a very kind and respectful conversation).

Can you find Aladdin’s magic lamp in this shop? You never know…

Maybe I am destroying some illusions now, but Iranian women are likely to wear the same underneath as in Europe (please take a look at the «goods» displayed)

As the inner region is not accessible for lorries or cars you have legions of simple workers pulling small wheeled vehicles loaded (mostly overloaded) with all kinds of goods. They are fighting the crowd to get to their destinations and usually the bow wave of people they push aside to be able to move forward pushes you out of their way. It is amazing. Even outside of the inner Bazaar area there are shops, booths and simple street sales with all kind of goods. You really can get everything. A special area of the Bazaar is dedicated to gold, precious metal and jewellery. If you go there, you feel like you are in Aladdin’s treasure cave.

As I said, you can get everything at Tehran Bazaar, the business-minded shop owners don’t leave out any opportunity to make their shops attractive to the crowd…

Of course, you can find in Tehran also right the opposite to the traditional Bazaar. It is just as interesting as the Bazaar to visit the shopping malls. And there are a lot of them in Tehran. The largest of them are, as in Europe, pure consumer temples, the only difference here is, that everything is at least one size larger, even more glittering and fancy (that is true even for the people who go there). There will be another superlative in Tehran in a few months: they are at present building the world’s largest shopping mall in the west part of the city. It is tremendously large and it is about to get ready soon. At a speed of 50 km/h it takes 5 Minutes to pass the entire area by car.

The Kourosh Complex in Tehran: More than 500 business units on 17 floors. Kourosh Complex is the best choice for those who want to experience best brands and the widest variety of products and services.

I could continue the list of attractions in Tehran almost endlessly. There is also Tabiat Bridge (an architectural masterpiece), the Milat Tower, many parks and, and, and … The best way to explore is to come and see Tehran when you are just around. Tehran is always worth a visit.

Just a last word for this part of the blog from my side, up to now I didn’t mention something about the Iranian cuisine. This is of course a serious offense and I would like to make up for it at this point. The Iranian cuisine is one of the best in the world. I have never been to any other country in the world from which I could claim that all the existing dishes taste very good to me (native Iranians will probably ask: «Kaleh Pacheh also?», of course, Kaleh Pacheh!). When I’m in Iran I always very quickly gain about 3 to 5 kilos weight. On one hand, of course because of the unbelievable hospitality of the Iranians but on the other hand also because every meal tastes so great. Iranian rice for instance is very special. It is always basmati rice and the Iranian method of cooking differs very much from other nations. After the special cooking method, the Iranian rice is so light and loose that you can eat each rice grain individually, nothing sticks or is clumpy. It would never happen to an Iranian to rape the beautiful rice to a Risotto (please forgive me the expression, I like Risotto also). Mostly it will even be enriched by saffron and in the bottom part of the pot the rice is intentionally cooked until it is crunchy, that is called «Tahdig» (from farsi ‘tah’, that means bottom, and ‘dig’, that means pot) and served as a special delicacy.

For me, I know the Persian dishes by now very well, but for someone who is the first time in Iran the choice of the lunch or dinner could be a major problem. For this reason, I give some suggestions of good meals from which I think everyone should taste if he or she comes to Iran:

All kinds of Kabab (not Kebab, that’s Turkish, here it’s Kabab; that is grilled meat: beef, lamb or chicken) usually served with bread or rice:

  • Kabab Koobideh (Kabab – usually beef – with bread)
  • Djudje Kabab (Chicken Kabab)
  • Kabab Barg (Lamb Kabab)
  • Chelo Kabab (Rice with Kabab, sometimes different kinds of Kabab)
  • Schischlik (grilled lamb from spit with saffron rice, my personal Kabab favourite)

Traditional (non-Kabab) dishes:

  • Abgoosht (literally translated: «meat water», a stew with lamb, chickpeas, white beans, onion, potatoes, tomatoes, turmeric, and dried lime. It is served altogether usually in a very hot stone pot. First you eat the soup which covers the stew together with bread, after that you have to grind the meat and the other ingredients with a pestle by hand and eat it together with bread. If you eat it for the first time please let the locals show you how to do it. This is my long-time favourite).
  • Zereshk Polo ba Morgh (Iranian Saffron rice with barberries and chicken, very good!)
  • Ghormeh Sabzi (a traditional Iranian dish everyone loves in Iran, green herb stew with lamb, it’s said that men always get it when they visit their mother in law, also very good!)
  • Baghali Polo (Iranian Rice with Dill and Fava Beans)
  • Fesenjan (chicken stew made with chicken breasts or thighs, slowly cooked with ground toasted walnuts and pomegranate molasses, needs getting used to but then very good)
  • Ash e Reshteh (Noodle and Bean Soup)

For drinking you should in any case taste Doogh. Doogh is a refreshing drink that is made of yogurt and water. Sometimes it is enriched with mint and/or water with gas.

Chelo Kabab (Kabab with rice) including various kinds of Kabab

Just one more part to come!

Iran, isn’t that the country at the axis of evil? – Part 3

My Sabbatical at Science and Research Branch of Islamic Azad University (SRBIAU) in Tehran – by Wernher van de Venn

Part 3: The Science and Research Branch of Islamic Azad University

The SRBIAU is located on a mountain in Tehran (about 2000m high) from here you have a tremendous view over the entire city and the weather up here is usually very clean (and mostly windy). You can see the haze of the city and the sea of houses spreading nearly infinite from the mountains base.

Great view from SRBIAU / Faculty of Engineering down to the city of Tehran. On the front in the middle you see the big mosque with the new cable car passing nearby (pole in front of mosque). Right in front of the mosque there is a wonderful viewpoint with some small gardens and waters and the big round shaped Central Library building on the left hand side of the mosque.

Just imagine: a whole mountain for the University, there is lots of space and new buildings arise everywhere. There is even enough place to build a big mosque halfway up the mountain. The downside of locating a university at a mountain is of course that you have to go up there every day. So, there are about 50 Busses transporting lecturers and students in a constant stream up and downwards at a snail’s pace of about 10 to 15 km/h both ways. They can’t even go down faster because of safety reasons. As of course in Iran no one would pay any attention to a road sign with a speed limitation, there are intentionally build-in huge bumps in the road which make it absolutely impossible to go faster without risking to damage your car or bus severely. It takes about 20 Minutes from the main entrance to the Ebn-e-Sina building. I was told that despite of all safety measures sometimes accidents happen. Once a bus driver got a heart attack during going down the hill. The bus was only stopped some meters before the abyss due to a dirt wall left over from construction works. Especially in Winter the «SRBIAU mountain» is usually covered with snow and the passage gets even more dangerous. There are days when you can’t go up or down by car (yeah, let’s have some days off…). At the moment, a new cable car is being installed, so it will be much easier and safer in the future. It is said to be finished during my Sabbatical stay. An Austrian company is building it and hopefully two Austrian weeks equal to two Swiss weeks… Maybe they could build a ski-slope additionally, that would be another good reason to study at SRBIAU (I’m going to suggest this to the SRBIAU president when he’s the first to test the cable car).

Building the cable car. It looks more like a battlefield than a construction site as we know it in Europe. In Iran things procced slowly but constantly and the cable car will be a big progress in terms of safety, speed and capacity. I guess the commissioning of the cable car will be “as usual”: first the main engineer and his family have to take a test-ride and if they survive than the president of the university will have a trial ☺ (It is said that in former times this procedure was done in testing railway bridges in Iran. The engineers and their families had to stand under the bridge when the very first train crossed. Maybe a good idea for the bachelor projects of ZHAW students???).

Indeed, some 10 kilometres to the east from SRBIAU hill and still in Tehran, there is a big skiing resort called Tochal with chair lifts and descents from about 3800 to 1900 metres. I’ve heard that in Winter even guests from Switzerland enjoy the relaxed atmosphere which does not very much differ from some well-known ski resorts in Europe (except of the cost and the «Flying Hirsch» at the après ski bar of course).

Ok, back to our visit to SRBAIU: I really don’t know if the risk of suffering from a heart attack in Iran significantly differs between men and women but at present I feel more safe to go up with the only female bus driver here… Although she does not look like she is very gingerly treating the bus (especially when she wears that pilot style sunglasses), her driving style is much more smooth and balanced than that of her male colleagues.

The only female bus driver at SRBIAU. She looks extremely cool when she wears her pilot style sunglasses (red arrow) and her driving style does inspire much more confidence to me than that of her male colleagues.

So, let’s have a trip up the hill to the Ebn-e-Sina building and my office… After managing to enter the bus with my preferred driver and taking place, we first have to pass the entrance control. Although there are many very important looking men in uniform, with intentionally or unintentionally three-day growth, everything is highly automated. Every car which is allowed to pass has a special light-blue SRBIAU-mark at the windscreen and a camera based vision system opens the gate to the «heaven of knowledge».

Entrance control highly automated and secured by lots of security personnel. Also, the first road bump to pass.

The «race» up the hill begins. Of course, the bus is severely at a disadvantage compared to the cars but when it comes to road bottlenecks due to the continuing building activities on the way to the top, the car drivers are well advised to either take over very quickly (and taking care not to run into the frequently arising bumps and other «little» obstacles) or to stay behind the bus in a secure distance and wait for another chance. In any case it is not good to compete with the bus the hard way because even my preferred female «bus pilot» would not cut back at all. Second race challenge is the first 180 degree turn of the serpentine road. In the first sunlight of the morning the artificial shaped mountain terrain looks more than being on a recreation trip instead of being on a campus of a university.

The first 180 degree turn in our race up the hill. Please notice the under-motorised student car trying quickly to take over on the far-left side of the road to not risk any interference with bus.

The next station is the central library building. Here we stop to drop or pick up students and lecturers going to or coming from the central library. This is also the first station of the new cable car.

The central library, one of the most representative buildings of the SRBIAU. It has a floor space of 42,466 square meters, a land space of 8,592 square meters and altogether 8 floors

The journey goes on and we pass the viewpoint and the cable car station near the central library. I always wonder if the poles are high enough to let the busses pass when the cable car is in operation. We will see…

The view point with its central dome and surrounding small gardens and waters. A nice place to rest and have a look on the city of Tehran. The cable car is crossing the street at that point and runs via the mosque on the other side further up the hill.

We are already half-way to the Ebn-e-Sina building. Next station is the Fath sports complex. You can’t see it from the street in its entire size. It provides over a total floor space of 3,505 square meters including a 1,700 square metres hall with 1000 seats for handball, volleyball, football, basketball as well as adequate spaces with courts for squash, weightlifting, archery, wrestling and combat sports. A separate indoor swimming pool with a floor space of 2,555 square meters including sauna, pool and jacuzzi is located in an additional building. The outdoor facilities surround the buildings and cover a total space of 40,000 square meters including courts and grounds for soccer, volleyball and handball all equipped with seating space for fans, changing rooms, showers, etc.

The Fath sport complex. From the street, you only see one building of the wide spread and multifaceted sports arena. I was told that due to the height of the complex it is possible to have a special altitude training for professional athletes.

Just again a 180 degree turn and we are on our way to Ebn-e-Sina. As you can see in the pictures, the Azad University is keen to keep the campus in a good shape. It is not easy to maintain the wide area with lots of roads, buildings and green spaces within. Especially in late spring and summer when the sun shines merciless, the sky is cloudless and no rain will fall for weeks, all the green spaces must be watered constantly. And the water must be transported from down the hill to the top. There is a of course an irrigation system for the main spaces, but spaces like we see in the following picture must be watered by hand and with water trucks. So, during summer in the morning you can see usually lots of workers with green skirts spreading the precious water over the green spaces and plants. There is always a smell of the rising damp in the air like we know it from after a summer rain.

Turn off to Ebn-e-Sina building. The morning sun stands low but already heating up the air. On the top of the hill (top left of the road sign) you see the Farhikhtegan Hotel, a big hotel complex for students and guests. It is not the lens of my camera, but the windows of the bus are not clean, so please apologize for the water stains.

When we reach Ebn-e-Sina the bus begins to empty quickly. No one wants to stay longer than necessary in the curtain covered but hot and stifling interior. Usually a constant wind is blowing at 2000 meters and brings some fresh air, but even then, it is very warm. So everyone, including me, moves quickly into the airconditioned buildings.

The Ebn-e-Sina Entrance Hall. I am usually one of the first of the staff in the building. Only the entrance control and my friend, the floor manager, who serves at least every two hours fresh tea to me, are present.

My office at SRBIAU. Although there is a huge shortage of space, the head of my department managed to provide me with an ample office. The crossbeam in front of the window belongs to a structure which runs through the whole building and makes it earthquake-resistant.

Not only the security control at the entrance is fully automated, also the canteen is. You can order your lunch for as many days as you want (or as much money you have) via web interface (unfortunately only available in farsi, so that I always needed a translator). You then go to the canteen and just hold you RFID card to the reader and in a snatch, you get a diversified and rich meal, of course mostly with rice. The prices are very moderate. For a full lunch with rice, meat, chicken or fish, salad or vegetables, some bread and yoghurt you pay about 5 Swiss Francs and it is really good. Just take care about Ramadan (for those who don’t know Ramadan: it is the Islamic month of fasting). If no meal is available and even nothing to drink and the canteen is closed it is very likely that you are in Ramadan. You are not allowed to eat, drink and smoke then (and some other things I don’t mention here) from sunrise to sunset, the particular times are indicated by the «Asan», best-known as the singing of the Muezzin on the minaret. To make it a little bit easier to meet the right time you can download apps for Ramadan which play the Asan to indicate when you are allowed to eat and when not. One has to be especially careful at public places or buildings not to eat, drink or smoke during daytime. After sunset (more precise after Asan in the evening), it is very usual that you meet with friends and family for the joint dinner the so called «Iftar».

You may say that’s easy, you can eat and drink during the night. But Ramadan in summer is very arduous, especially when you can’t drink for about 16 hours. All the people you see in the streets or at university look exhausted and lethargic during that time. And it is no wonder that as soon as Ramadan begins, all people long for the end of this time.

Ok., that’s the official version and you are well advised to keep the rules in public life… Inofficially it looks again a little bit different and that makes of course the difference between what is told us in Europe about people in Iran and how they really are. After five days of fasting during the mandatory times of the day (because the Mensa was closed and even my friend the floor-manager just showed up every day but without the usual two-hourly tea…), I was invited to the house of my friends in one of the best parts of the city. I arrived at about 1 pm and when I came in, I was immediately asked if I want to have lunch. Of course, I wanted to show that I respect the rules of Ramadan and answered proudly: «No thank you very much, but it’s Ramadan and I’m fasting», expecting that they were at least a little bit impressed. To my great surprise the whole family was not impressed at all, but laughed loudly at my answer. Since I obviously looked a bit confused, I was explained, after what seemed to me to be half an hour of laughing: of course, you have to keep the rules of Ramadan in the public, but at home in the family, who cares? Ok. lesson learned… people like you and me! After a short and unofficial research, I learned that about 80% of the people in Iran are not really fasting in that time. Have I just found another parallel to living in Europe?

… more to come.

Iran, isn’t that the country at the axis of evil? – Part 2

My Sabbatical at Science and Research Branch of Islamic Azad University (SRBIAU) in Tehran – by Wernher van de Venn

Part 2: Leisure and Culture in Iran

Biking in Tehran. That’s real friendship: my friend Mehdi bought a new bike carrier for his car just to show me all good trails in and around Tehran (he himself has no bike…)

And of course, there is the leisure and culture program. I am constantly fully booked because I get invitations from friends and relatives and we go and see everything in Tehran and try it out. For instance, I brought my mountain bike from Switzerland with me and we explore all bike parks and routes in and around Tehran, and although mountain biking isn’t as popular in Iran as it is in Switzerland, there are many good and challenging bike trails!

One of my favourite bike trails became the route down from Emamzadeh Davood. Emamzadeh Davood is a village with the mausoleum of Davood-ebne Emad and is located on 2650 Meters in the mountain region north west of Tehran. On weekends (Thursdays and Fridays, yes, it’s like Saturdays and Sundays in Europe) the small village of about 200 inhabitants is crowded by 2000 or more pilgrims mostly from Tehran. The (offroad-)route down to Tehran is a wonderful but physically very demanding 14km downhill (with a little 1km uphill in the beginning) with its endpoint about two kilometres away from my apartment. When I go down there I am totally beaten-up and dirty at the end, but it is so fantastic.

Emamzadeh Davood in the Tehran mountain region, a shot from my helmet cam. The small golden tower in the middle of the town is the tomb of Davood-ebne Emad. The people there live exclusively from (pilgrimage-)tourism. You have to pay if you want to go into the village and the village itself is just a big bazaar (as we know it from Lourdes).

The trail is not always very trustworthy, but great nature

Wild dogs at full speed included

Last weekend we have been at the Caspian Sea visiting relatives from my friends who are rice farmers. Amu Maschti (uncle Maschti) and his wife San Amu (wife of uncle, I really don’t know her first name because all people just call her San Amu, even me, after lunch and dinner I used to say: «San Amu, daste schoma dart nakone»). And there is really no doubt who wears the breeches at home… Amu Maschti is the nice and friendly head of his big family and all people get up on their feet when he enters the room (including me), but one thousand Amu Maschtis couldn’t compete with one word from San Amu.

My friend Mehdi and me at Amu Maschtis home. Traditionally you sit on the floor covered with beautiful carpets and can rest your back at a «poschti». Breakfast, lunch and dinner are served on the floor on the so called the «sofre» which is a kind of oversized tablecloth covering the valuable carpets during eating.

The meals are awesome (as everywhere in Iran). San Amu and her «team» (which are all the wives of Amu Maschtis sons plus some female relatives) have the kitchen under full control. No male is allowed to enter the kitchen, not for religious reasons, but solely because males would destroy the magic skills of women to prepare the food (isn’t that feministic?). It is a tradition in this region of Iran to serve duck when visitors come. Ok not only visitors but the whole family is present and with family I don’t mean family as we know it in Europe, a close family member is also the neighbour of the brother of the grandson of Amu Maschtis third degree cousin. So please guess how many ducks died on that day… And, due to the fact that my friend Mehdi doesn’t like duck, also one chicken lost its life. The day after we saw little chicks running after a duck mother and when I asked what happened, I was told that their mother was unfortunately close to the kitchen the day before.

Under Amu Maschtis competent supervision and not dressed appropriately, I was allowed to do my first trials as rice farmer. It is not as easy as it looks, especially the walking in that sticky mud, but as I was told it is very good for the skin at the feet to get stuck in the mud all day long.

By the way, not only that I was for the first time in my life wading through a rice field and planting rice (in my pyjama pants!), I was also, for the first time of my life, experiencing another endeavour which you would not expect to find in Iran… Amol, the home of Amu Maschti is not far away from the Caspian seaside with some of the tourist beaches. 20 years ago, I remember the beach was strictly separated in men’s and women’s parts with large protecting shields reaching far into the water of the Caspian Sea. You couldn’t do anything else but swimming, there was no real beach-life nor some ice-cream seller. Today men and women are allowed to use the same part of the beach together, you can get ice-cream and all the things you «really need» at a beach, there is nearly no difference to a beach anywhere else in the world, including… a jetski rental!

Mehdi and me at the Caspian seaside

My friend Mehdi is a passionate jetski rider, what do I say, no he is jetski pilot. From the beach, the waves do not look very big, but if you are bombing with high-speed across the sea, each of these small waves becomes a launching ramp for the jetski. In the end, I can’t even say what is harder, the tremendous back pain from bending down and pushing rice plants into the water covered soil in Amu Maschtis rice fields, or the even more tremendous back pain from the high-speed jetski-mania taking off at every small wave and clashing down on the water as if it is concrete. Unintentionally falling off in tight turns included… Fortunately, I did not have a camera with me, because firstly it would have gone overboard anyway on the first wave and secondly, I won’t have to explain these awkward falling-off-scenes later on.

The city of Tehran is tremendously huge (officially about 15 million inhabitants, but unofficially in the range of 18 to 20 million, who counts…) and there is much to discover: Of course, the bazaar of Tehran, one of the largest in the middle East (I could never find out alone), museums and the National Library, shopping malls and recreation parks, restaurants and tea and coffee houses (nothing about Starbucks, here is the real tea and coffee scene). There is really nothing that does not exist here (even what should not exist, according to our opinion in Europe). Don’t let me go into too much details, you could be arrested as confidants… ☺

… more to come.

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