Tag: Maschinentechnik

Ein Semester auf der Südhalbkugel

Mein Name ist Benjamin Fink, ich studiere Maschinenbau im 5. Semester und bin Mitte Juli nach Südafrika gereist, wo ich an der University of Cape Town ein Auslandsemester absolviere.

Der Tafelberg dominiert das Stadtbild

Bei der Wahl der Destination für mein Auslandsemester war ein Aspekt, dem Schweizer Herbst und Winter zu entfliehen. Dies legte einen Ort auf der Südhalbkugel nahe, und in Südafrika war ich noch nie. Zu Beginn musste ich mich jedoch vom Schweizer Hochsommer in den südafrikanischen Winter begeben. Winter in Kapstadt, das bedeutet nicht unbedingt Schnee (obwohl es hier in höheren Lagen auch Schneefall gibt), sondern in erster Linie heftige und andauernde Regenfälle sowie starker Wind. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 12 °C in der Nacht und 15-20 °C tagsüber. Für Schweizer Verhältnisse sind dies zwar absolut keine Extremwerte, doch muss man dazu wissen, dass die Häuser hier keine Zentralheizung haben. Die einzigen Wärmequellen in unserem Haus sind das Cheminée im Wohnzimmer und die unverzichtbare Bettflasche.

Kapstadt und die ganze Region im Südwesten des Landes erlebte in den letzten Jahren eine Dürre, weshalb Anfang 2018 drastische Wasserrestriktionen in Kraft traten. Aufgrund der ausgiebigen Regenfälle dieses Winters, sind die Stauseen jedoch wieder gut gefüllt und die Beschränkungen wurden per Anfang Oktober von 50 auf 70 Liter pro Person und Tag angehoben. So viel verbraucht der Durschnittsschweizer etwa für eine 5-minütige Dusche. Um die Beschränkung einzuhalten, gibt es verschiedene Wasserspartricks, auf welche wir gleich bei der Ankunft hingewiesen wurden. So wird beispielsweise das Abwasser der Dusche aufgefangen und anschliessend zur Toilettenspülung verwendet. In den meisten öffentlichen Toiletten gibt es kein Wasser mehr zum Hände waschen, stattdessen sind die Seifenspender mit Desinfektionsmittel gefüllt.

Diese Wasserspartipps hängen überall in unserem Haus.

Kapstadt hat alles zu bieten, was man von einer Grossstadt erwartet: Restaurants, Cafés, Bars und Clubs für jeden Geschmack, Shopping Malls, Museen oder Strände (der Atlantik ist aber hier nur ca. 15 °C warm). Öffentliche Parks gibt es nur wenige, dafür hat man das Tafelbergmassiv praktisch vor der Haustüre. Je nach Route ist man in 1 ½ bis 2 Stunden auf dem Berg und geniesst eine herrliche Aussicht auf die Stadt.

Blick vom Devil’s Peak auf das Stadtzentrum mit dem Lion’s Head (links) und Signal Hill (rechts).

Der noble Vorort Camps Bay.

Einzig beim Thema ÖV hinkt die Stadt wie schon erwähnt nach wie vor hinterher. Es gibt 2 Busnetze (ein altes und ein neues, welches zur WM 2010 eingeführt wurde), die zwar günstig, aber nicht besonders zuverlässig sind. Für die älteren Busse findet man weder im Internet noch an den Haltestellen Fahrpläne oder Streckenkarten. Zudem gibt es noch Minibusse, welche eine fixe Route abfahren, aber keine festgelegten Haltestellen besitzen. Man wartet einfach am Strassenrand und winkt einen der Busse heran, dann sagt man dem Chauffeur wo man hinwill und er hält wiederum am Strassenrand an. In einem der Vorortzüge, welche oftmals verspätet sind und fast nur von Einheimischen benutzt werden, sind wir auch schon Zeugen eines Entreissdiebstahls geworden. Wenn man als Gruppe oder in der Nacht unterwegs ist, ist Uber eine zuverlässige und sichere Alternative. Dieser Service ist hier, im Gegensatz zu vielen europäischen Städten, sehr verbreitet und sowohl bei Touristen wie auch Einheimischen beliebt. Meistens benutze ich eine Kombination aus Minibussen, Stadtbussen und Uber um mich in der Stadt fortzubewegen.

Alle meine Vorlesungen finden auf dem Upper Campus statt. Dies ist der Hauptcampus und befindet sich an spektakulärer Lage direkt am Fusse des Tafelbergmassivs. Da der öffentliche Verkehr in Kapstadt wie schon gesagt nicht zuverlässig ist, betreibt die UCT ihr eigenes Busnetz. Die Busse sind für Studierende und Angestellte gratis und verbinden die verschiedenen Campus mit den umliegenden Vororten.
Das Unterrichtsmodell an der UCT ist dem der ZHAW insofern ähnlich, dass man auch während dem Semester Zwischenprüfungen schreibt, Praktika absolviert, oder Essays schreiben muss. Die Vorlesungen dauern jeweils nur eine Lektion à 45 Minuten. Je nach Modul habe ich zwischen 1 und 5 Vorlesungen pro Woche. Daneben gibt es in jedem Modul noch ein wöchentliches Tutorat oder Praktikum, wo in kleineren Gruppen Aufgaben gelöst oder Texte diskutiert werden. Obwohl ich hier mit 4 Modulen nur halb so viele Fächer wie an der ZHAW besuche, ist der Aufwand durchaus vergleichbar oder sogar noch etwas höher. Zudem sind an der UCT bei Prüfungen keine persönlichen Notizen oder Formelsammlungen zugelassen.

An der UCT gibt es keine Mensa, sondern verschiedene privat betriebene Essenstände. Einige dieser Stände befinden sich im zentralen Food Court, andere sind über den ganzen Campus verstreut. Das Angebot ist äusserst vielfältig: Neben afrikanischen Gerichten gibt es auch Falafel, frisch zubereitete Sandwiches, asiatische Reis- und Nudelgerichte, oder klassischen Fast Food wie Burger oder Hotdog. Eine Mahlzeit ohne Getränk kostet umgerechnet zwischen 2 und 4 Franken.

Blick auf den Upper Campus der UCT am Fusse des Devil’s Peak.

Nach 7 Wochen Unterricht gab es im September eine Woche midterm break. Die Unterrichtsfreie Woche habe ich für einen Roadtrip entlang der weltberühmten Garden Route genutzt. Wir sind mit einem Mietwagen gereist, was aufgrund des Linksverkehrs anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war. Die Überlandstrassen und Autobahnen befinden sich in ausgezeichnetem Zustand, was das Fahren zusammen mit der guten Beschilderung sehr einfach macht. Da im September immer noch Nebensaison ist, haben wir Unterkünfte und Attraktionen sehr kurzfristig und preiswert gebucht. Absolutes Highlight war ein Besuch in einem privaten Game Reserve, wo sich neben den Big 5 (Löwe, Leopard, Elefant, Büffel, Nashorn) auch diverse andere Tiere wie Giraffen, Zebras, Antilopen oder verschiedene Vogelarten beobachten liessen.

Die Tiere, egal welcher Art, bewegen sich völlig frei im Game Reserve und halten sich auch gerne zwischen den Bungalows auf.

Obwohl ich schon mehre längere Auslandaufenthalte absolviert habe, war mein Auslandsemester trotzdem wieder gespickt mit neuen Herausforderungen. Geduld, Beharrlichkeit und Offenheit haben sich aber ausgezahlt und nun freue ich mich darauf, ab Mitte November, im eigentlichen Südsommer, noch weitere Orte in Südafrika und den Nachbarländern zu erkunden.

«Switzerland is the most beautiful country in the world»

«My name is Bassam Haithm and I am from Yemen. I came here from South Germany, where I was studying Bioprocess Engineering. My interests are to travel a lot and to learn more about different cultures from all around the World. I have chosen the ZHAW School of Engineering because what I heard about it. Switzerland is the most beautiful country in the world and it was a chance for me to get good experiences through the interesting projects the School provides.

The system here is similar to Germany, but also quite a bit different: At the School of Engineering more projects are connected to companies/industrial partners. It was a really good experience to have. In Winterthur, the students are friendly and helpful. The semester at ZHAW, in my opinion, was a good way to get to know new people from different parts of the world and to have fun with them. Academically, I learnt how to plan and run a project and how to create an idea and implement it to reality. My exchange semester in Mechanical Engineering was totally good, but also stressful. The support of the International Office and the professors was perfect.

There are some topics, like events – especially culture ones – and trips to visit some famous places in Switzerland, I was really missing through the exchange semester. The only events that we had was through the Erasmus Student Network (ESN) and volunteering work from them. I hope that in the future the International Office will organize more events and trips for the exchange students. Finally, I would absolutely recommend to my colleagues to spend their exchange semester at the School of Engineering.»

City of Winterthur